Antihumorgelächter

fragezeichen_1_Es ist das große Geheimnis der Sitcom, warum die Lacher vom Band wirklich bei jeder Pointe peitschen, als sei der Humor dazu revolutionär. Merkwürdig

Der feuchte Traum eines jeden Stand-up-Comedians sieht in etwa wie folgt aus: er steht auf der Bühne, sein Text ist weg, da hilft nur Improvisation, die dummerweise Pointe für Pointe misslingt, und was tut das Publikum? Es lacht. Und lacht. Und lacht. Und lacht. Bis der Komiker aufwacht und merkt: er ist in einer Sitcom gelandet – trotz The Big Bang Theory der Inbegriff des humorfreien Humors. Denn hier wird alles bejubelt, was weder Todesanzeige ist noch offen zum Genozid aufruft. Schon seltsam. Denn selbst die Musik im RTL-Blockbuster gönnt sich ja bisweilen kurze Pausen im Soundbrei. Die Sitcom dagegen kennt kein witzloses Satzende. Und das ist auch nur konsequent.

Denn wenn nicht ein einziger Scherz zündet, also kein Gag zur Heiterkeit taugt, dann hält es das Genre lieber wie einst Franz-Josef Strauß mit stumpfer Vorwärtsverteidigung als Rückzugsgefechten und erstickt jeden Ansatz von Nachdenklichkeit, ob da eben vielleicht irgendwas ernst gemeint war, im repetitiven Gegurgel der Spaßbrigaden aus dem Off. So muss sich der Zuschauer am Ende über Sinn und Unsinn keiner einzigen Zote Gedanken machen und schaltet entweder gleich ab oder grunzt ganz mit. Im Krieg nennt man das Sperrfeuer, in der Disco Stroboskop, im Fernsehen ist es das Prinzip Reizüberflutung. Bis der feuchte Traum der TV-Komödianten nie mehr endet.

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