Frank Z: Abwärts-Punk & Neo-Krautrocker

Eher Kunstprojekt als Band

Abwärts, das klingt nach Vorwärtsrock und Parolenpunk der renitenten Achtziger. Und plötzlich machen die Urgesteine aus Hamburg nach 35 Jahren im Geschäft eine Platte, die klingt wie die Einstürzenden Neubauten. Sänger Frank Ziegert alias Z., der einzige, der alle Neugründungen seiner Band überstanden hat, über das neue Album Krautrock, die Reste seiner Wut und was jüngere Hörer mit Stahlbeton & Blechlawinen anfangen können.

Interview: Jan Freitag

freitagsmedien: Frank, ist es beabsichtigt, dass manche Stücke auf eurer neuen Platte ein wenig an die Einstürzenden Neubauten erinnern?

Frank Z.: Ach, echt? Interessante Wahrnehmung, aber nicht beabsichtigt.

Ist die minimaistische Prägung dennoch so eine Art Altersintellektualismus oder eher logische Konsequenz aus dem, was ihr seit fast vier Jahrzehnten macht?

Weder noch, würde ich sagen. Sie ist ein Versuch, zu experimentieren. Unsere letzten Platten waren ja eher punkorientiert, gingen aber dabei fast in den Industrial hinein. Da wollten wir diesmal etwas machen, das wieder minimalistischer ist. Deshalb lautet der Name ja auch Krautrock, der zwischendurch zum Schimpfwort verkommen war, aber eigentlich für ziemlich innovative Musik stand.

Aber ist Krautrock mit seinen psychedelischen Gitarrenflächen nicht genau das Gegenteil vom kühlen Minimalismus, den ihr hier ausprobieren wollt?

Wenn du dir so Sachen wie Can anhörst, gab es da durchaus minimalistische Soundstrukturen.

Ist das Krautrock-Element denn auch eine Reminiszenz an die musikalischen Wurzeln von Rockmusikern über 50?

Schon, aber auch eine Reminiszenz an uns selbst. Wir haben ja zum Beispiel drei Abwärts-Songs neu aufgenommen und zitieren auch sonst musikalisch viel aus den Achtzigerjahren. Wer sich ein bisschen in der Pop- und Punkgeschichte auskennt, wird bei uns immer wieder fündig, solange er denn sucht.

Aber seid ihr das denn überhaupt noch – Punk?

Zumindest kommen wir ursprünglich aus der Ecke und haben das zuletzt auch sehr gepflegt. Aber wir ticken gar nicht so konzeptionell. Was allerdings auffällt ist, dass die Arbeit an Krautrock viel arbeitsintensiver war als an den Alben zuvor.

Für Punkrock reichen halt drei Akkorde.

Genau. Eins, zwei, drei, go.

Was unterscheidet den Punkrock eurer frühen Jahre von dem der Gegenwart?

Gar nicht so viel, weil wir auch 1979 nie den schlichten Punk jener Zeit gespielt haben, sondern immer eher zwischen den Stühlen saßen, also experimenteller waren. So gesehen waren die Sachen des 21. Jahrhunderts mehr Punkrock als das, was wir in den Achtzigern gemacht haben. Man muss halt aufpassen, dass das, was man macht, kein reines Verkaufsargument ist. Wenn die Toten Hosen plötzlich eine Platte wie wir aufnehmen würden, wären doch alle völlig vor den Kopf gestoßen. Deshalb machen die immer wieder das Gleiche.

Ist euer Sound 1979 aus Rebellion oder Verweigerung entstanden?

Wir hatten zu Beginn jedenfalls ganz klar das Bedürfnis, mit unserer Musik auch was verändern zu können. Aber so was erledigt sich dann doch ziemlich schnell, weil man schnell merkt, als Musiker doch sehr begrenzten Einfluss aufs Große und Ganze zu haben. Wir können da höchstens Denkanstöße geben. Trotzdem war unsere Musik wie Punkrock generell auch Ausdruck einer bestimmten Wut, der wir Ausdruck geben wollten.

Hast du noch was von dieser Wut in dir?

Ein bisschen davon hab ich mir bewahrt, das zieht sich noch immer durch unsere Texte. Klassische Liebeslieder findest du bei mir eher selten (lacht).

Eher schon Parolen wie Stahlbeton & Blechlawinen. Ist das auch so ein Zitat aus früheren Zeiten?

Nicht unbedingt, unsere Zitate sind eher musikalischer Natur.

Dieses hier klingt aber schwer nach Zurück zum Beton von Syph.

Das stimmt, jetzt wo du’s sagst.

An wen richtet sich das – Nostalgiker, die euch von Beginn an begleiten, oder neue Fans, die man damit noch überraschen kann?

An beide, hoffe ich. Auf unseren Konzerten findet man die Alten ebenso wie 16-, 17-Jährige. Wenn man sich mit „Krautrock“ echt auseinandersetzt, ist da für alle was dabei.

Abwärts hat sich in 35 Jahren gefühlt fünfmal aufgelöst und neu zusammengesetzt. Gab es die Band zwischenzeitlich eigentlich immer weiter?

Es gab immer mal Zeiten, wo in den Pausen viel passiert ist und welche, in denen es nichts zu sagen gab. Und wenn du als Künstler nichts zu sagen hast, dann lässt man es lieber. Unterm Diktat dieses zwanghaften Zyklus Platte-Tour-Platte-Tour wird man am Ende bloß kommerziell, nicht kreativ. Deshalb habe ich auch längst aufgehört, die Band auch als solche zu bezeichnen, sondern eher als Kunstprojekt mit wechselnder Besetzung.

Und dir als roten Faden.

Das kann man so sehen, Frank Z., der rote Faden.

Jetzt gehst du langsam auf die 60 zu…

(lacht laut)

Spürt man das in den Knochen oder rockst du das einfach weg?

Ach, ich bin relativ fit. Wenn ich irgendwann das Gefühl habe, ich kipp von der Bühne, würde ich es lassen.  Wie das einige Altrocker durchziehen, finde ich eher absurd.

Du möchtest nicht als Rolling Stone enden.

Auf keinem Fall.

 

Der Artikel ist vorab erschienen unter http://www.musikblog.com/2014/10/wir-sind-eher-kunstprojekt-als-band-abwaerts-im-interview/

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One Comment on “Frank Z: Abwärts-Punk & Neo-Krautrocker”

  1. […] nichtsdestotrotz eher Fluch als Segen. So konstatierte der Endfünfziger jüngst in einem Promointerview zur Veröffentlichung der aktuellen Platte mit dem zunächst überraschenden Titel „Krautrock“ […]


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