Pasquale Aleardi: Kommissar mit Dackelblick

Zu schön, um gut zu sein

Mit Kommissar Dupin hat es den deutschen Krimi im April mal wieder ins Ausland gezogen. Heute ermittelt Pasquale Aleardi zum zweiten Mal als Pariser Exilant in der fremdsprachigen Bretagne – und macht das abermals gar nicht mal schlecht.

Von Jan Freitag

Wenn leise die Meereswellen wippen und dazu mal skandinavisches, mal mediterranes Flair durchs Bild weht. Wenn fremdländische Menschen fremdländische Riten pflegen und ihr akzentfreies Deutsch mit „Monsieur le commissaire“, „Merci“ oder „Madame“ begleiten. Wenn also alles exotisch ist und gleichsam nichts – dann dreht das hiesige Fernsehen seine Krimis mal wieder außerhalb der Landesgrenzen. Nach all den Laurentis, Brunettis, LaBréas und zuletzt dem Britischen Jury ermittelt nun also ein gewisser Georges Dupin nach dem Besteller des Jean-Luc Bannalecs in der Bretagne, jenem karstig-schönen Horn Frankreichs im wilden Atlantik. Die Leute rings um den strafversetzten Kommissar aus Paris machen maue Witze, tragen mediokre Kleidung, kochen miefende Fischsuppe, sind insgesamt nur mäßig spannend und tun somit alles, was den hochnäsigen Exilanten auf die Palme bringt. Also auch uns, das Publikum. Es ist zum Davonlaufen. Aber auch zum Abschalten?

Nein! Und das liegt einzig und allein an einem: Pasquale Aleardi. Der Schweizer mit dem hinreißend schönen Äußeren zwischen Latin Lover, Frauenversteher und Finanzjongleur verleiht seiner ersten ernstzunehmenden Serienrolle in zwei Jahrzehnten Schauspielerei eine entspannte Leichtigkeit, die selten ist auf solchen Sendeplätzen. Und das will was heißen. Denn wie so viele Fälle im deutschen Krimi jenseits vom Tatort ist auch dieser hier in seiner dramaturgischen und darstellerischen Schlichtheit fast bemitleidenswert.

Ging es im ersten Fall vor um einen – gähn – Erbstreit, in dem ein – schnarch – reicher Hotelier von – chhhrrr – gierigen Verwandten ums Leben gebracht wurde, weil es da was Tolles zu vererben gibt, diesmal wertvolle Kunst, so handelt Bretonische Brandung von drei angespülten Leichen mit Betäubungsmitteln im Blut, was bald auf irgendwas mit touristischen Großimmobilien im Naturschutzgebiet zu tun hat. Dazu werden auch diesmal allerlei regionale Normklischees verhandelt, die Protagonisten gucken stets, wie es ihrer Verstrickung in den Fall entspricht, und jeder kriegt dazu seinen kleinen Running-Gag: Die Hauptfigur (Dupin) rast dauernd in die Radarfalle und hasst jene Provinz, die er bewohnt. Inspektor Kadeg (Jan Georg Schütte) lacht als einziger über die eigenen Witze. Kollege Riwal (Ludwig Blochberger) ist ein Streber mit Streberbrille. So wird alles brachial auf Serientauglichkeit gebogen.

Dazwischen aber gibt es immer wieder diese kleinen Momente lässiger Nonchalance, mit der Pasquale Aleardi seine Verhöre vornimmt, den Notizblock traktiert, eine Landschaft erkundet, die ihm fremd, aber nicht unsympathisch scheint. Was abermals beweist, wie lieblos dieser talentierte Züricher von 42 Jahren besetzt wird. Gelegentlich darf der Sohn griechisch-italienischer Gastarbeiter zwar sein Gespür für die dezenten Töne im überdrehten Miteinander zeigen; dann spielt er einen glaubhaften Revoluzzer in Stefan Krohmers Dutschke oder ein israelisches Terroropfer in Dror Zahavis München 72. Meist gibt er dann aber doch die leicht exotischen Liebhabertypen in leicht debilen Filmen mit Titeln voller „Herz“ und „Liebe“ und „Männer“, die irgendwie irgendwas sind, meist etwas zu männlich.

Das kann man mal machen; schlechte Filme zu drehen ist für den prekären Beruf des Schauspielers betriebswirtschaftlich ja immer noch besser als gar keine Filme zu drehen. Und mit diesen hier beweist die frühere ARD-Schmalstullenfabrik Degeto, dass ihr Anspruch unter neuer Führung langsam ein bisschen übers sture Versendung dämlicher Liebesschnulzen hinausgeht. Doch bei kaum einem anderen Darsteller dieser Kategorie zwischen A- und B-Promi ist das Dilemma attraktiver Optik spürbarer als bei Kommissar Dupin alias Pasquale Aleardi. Kein Wunder, dass er mit Ermittlerfreundin Esther Zimmering und Annika Blendl als Assistentin Nolwenn zwei Schönheiten zur Seite bekommt, an denen er seinen süßen Dackelblick trainieren darf. Und das gleich in Serie. Seinem Portfolio bekommt das sicher gar nicht so schlecht. Seinem Anspruch, endlich ernster genommen zu werden als seiner Hülle eher weniger.

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