2 Bier – 1 Platte

deichkind_officialFerris und die Beastie Boys

Sascha Reimann zählt als Ferris MC mehr als 20 Jahre zu den Stars der deutschen HipHop-Szene. Seit 2008 ist der 42-Jähriger zudem festes Mitglied von Deichkind, deren neues Album Niveau Weshalb Warum gerade die TopTen erobert hat. Im Mai erscheint nach einigen Jahren aber auch die von seinen Fans heiß ersehnte nächste Solo-Platte des Reime-Monsters. Ich habe Ferris zwischen zwei PR-Terminen erwischt, um nachzufragen, welche Platte ihn in seiner langjährigen Musikkarriere besonders beeinflusst hat.

Von Marthe Ruddat

Als ich mein Bier öffne, zündet sich Sascha alias Ferris erstmal eine Zigarette an, während er überlegt, welche Platte das Leben des Gelegenheitsschauspielers, der schon in mehreren Kinofilmen und einem Tatort zu sehen war, besonders geprägt hat.

Ferris MC: Es gibt natürlich so ein, zwei Scheiben, die mein Leben besonders beeinflusst haben. Es ist sehr schwierig, sich da festzulegen. Aber eigentlich müsste ich die Beastie Boys mit Licensed to Ill Cover_LicensedT_300RGBnehmen. Die Platte ist Mitte der Achtziger erschienen und war in Bezug auf rappen und Musik machen wirklich wegweisend für mich.

Licensed to Ill ist das Debütalbum der Beastie Boys. 1986 erschienen war es das erfolgreichste HipHop-Album der Achtziger und wurde von einigen Musikmagazinen als eines der besten Alben aller Zeiten aufgeführt.

Du warst damals ungefähr 13 Jahre alt. Hast Du die Platte damals schon besessen oder erst später gekauft?

Ich habe sie mir damals selber gekauft! Ich habe zu der Zeit ja in Bremen-Tenever gewohnt und bis zum nächsten Plattenladen war es sehr weit. Es gab auch nur eine Buslinie, die nicht sehr oft fuhr. Also bin ich ungefähr eine Stunde mit dem Fahrrad in die Stadt gefahren, um mir die Platte auf Vinyl zu besorgen.

Dann fällt das Debüt der Beastie Boys also mit Deinen musikalischen Anfängen zusammen?

Ja genau. Die Beastie Boys galten damals ja als sehr rebellisch. Ich bin mit den verschiedensten Musikrichtungen groß geworden und habe neben HipHop auch gerne Punk gehört. Und die Beastie Boys haben die verschiedenen Richtungen perfekt verbunden. Außerdem haben sie mit Bravour bewiesen, dass im Rap die Hautfarbe des Künstlers kein Thema sein sollte. Das alles hat mich sehr motiviert und auch dazu inspiriert, Rap-Musik mit Rock- oder Punk-Einflüssen zu machen, sich selbst also keine Grenzen zu setzen.

Marthe1Welcher ist Dein Lieblingstrack auf der Platte?

Also eigentliche höre ich auch immer noch die Klassiker sehr gerne. Fight for Your Right und No Sleep Till Brooklyn zum Beispiel. Solche Lieder haben einfach gut zu meiner Stimmung gepasst. Irgendwann hat dann auch meine Drogenkarriere begonnen, und die Musik der Beastie Boys wurde immer mehr zur Kiffer-Musik. Sie waren einfach sehr experimentell, rebellisch, dreckig und nicht zu ernst. Damit haben sie das vereint, was mich auch schon immer begleitet hat.

You wake up late for school. Man, you don’t wanna go.
You ask your mum: ‚please’, but she still says ‚no’.
You missed two classes and no homework,
but your teacher preaches class like you’re some kind of jerk.

You gotta fight for your right to party.

Also hat die Platte für Dich auch nicht an Anziehungskraft verloren?

Nein, überhaupt nicht. Diese Platte begleitet mich seit Jahren und ich würde sie auch heute noch für sehr gut befinden. Dieses Album ist einfach zeitlos, wie ein Rockalbum der Rolling Stones aus den Siebzigern. Man kann es jahrelang rauf und runter hören, ohne dass es an Kraft verliert. Das ist der Unterschied zur heutigen, schnelllebigen Zeit. Im Rap-Bereich ist die Musik heute zwar sehr zeitgemäß, aber nicht nachhaltig genug. Bei den Beastie Boys war das anders. Sie hatten eine klassische Sicht auf die Dinge, die bis heute gültig ist.

2012 verstarb das Gründungsmitglied Adam MCA Yauch an Krebs. Die anderen Bandmitglieder gaben daraufhin bekannt, dass sie nie wieder als Beastie Boys auftreten werden. Dennoch…

Wenn du träumen dürftest: Ferris MC und die Beastie Boys gemeinsam auf einem Album oder sogar auf einer Bühne?

Das wäre natürlich ein Kindheitstraum! Aber wahrscheinlich wäre ich da zu sehr „Fanboy“. Ich habe so viel Ehrfurcht vor diesen Menschen, da wäre es vermutlich sehr schwer professionell an die Sache heranzugehen. Es gibt auch Fans, die sich mir gegenüber so fühlen. Das kann ich also sehr gut nachvollziehen. Als ich zum Beispiel Die Ärzte das erste Mal getroffen habe war ich so aufgeregt. Mittlerweile habe ich sie ein paar Mal getroffen und das hat sich gelegt. Trotzdem finde ich es schön, dass man solche Gefühle hat. Diese Menschen haben einem einfach so viele Glücksmomente bereitet und diese Eindrücke kommen in solchen Momenten einfach wieder hoch.

Irgendwie weiß ich genau, wovon Ferris spricht. Den Mann, zu dessen Musik man seit Jahren mit dem Kopf nickt und tanzt, hat man ja auch nicht jeden Tag am Telefon.

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