Plain White T’s, Mumford & Sons, Parov Stelar

Plain White T’s

One-Hit-Wonder wirken wie Sekundenkleber. Wen so ein Track ins Rampenlicht spült, läuft ihm karrierelang hinterher. Weicht er gar hart vom Kurs ab, wird es gar peinlich. Die Hairmetaler Extreme können davon ein Zackengitarrenlied singen, seit sie (weibliche) Fans ihrer Ballade More Than Words 1991 mit dystopischem Krach aus der Halle spielen mussten. Ähnlich erging es den Plain White T’s. Die Band aus Chicago hatte drei respektable, unbeachtete Platten gemacht, als Nummer vier die Single Hey There Delilah an die Spitze hob. Seither wartet der Mainstream auf mehr Schmusekracher, die das Quintett indes verweigert.

So machen die fünf Freunde weiter folkigen Powerpopn, dem man seit dem Coup von 2007 allerdings das Bemühen anhört, es mehr Menschen als nötig recht zu machen. Auch American Nights kann sich nie recht entscheiden, ob es für quirligen Independent wie im Titelstück steht oder für den Klingeltonmist Pause im Anschluss. Die Wahrheit liegt vor Delilah, als Plain White T’s noch nach sich selbst klangen, nicht wie Mumford & Sons mit mehr Pop im Pathos.

Plain White T’s – American NightsWilder Mind (Megaforce Records)

Mumford & Sons

Mumford & Sons, dieses kometenhaft hochkatapultierte Kollektiv weltstarferner Herzensmusiker aus London, hat selbst genug damit zu tun, den Welterfolg ihrer ersten Platten nicht zum Anlass gezielter Selbstverleugnung zu nehmen. Dass diese ungemein schwierige Mission auf dem dritten Album gelingt, hat je einen guten und schlechten Grund. Letzterer zuerst: Obwohl das Quartett durch den Arctic-Monkeys-Produzenten James Ford spürbar mehr Wucht hat und sogar ein paar verstiegene Synths einspinnt, klingt Wilder Mind fast wie sein millionenfach verkaufter Vorgänger Babel, der dem gefeierten Debüt Sigh No More auch nicht unähnlich war.

http://www.vevo.com/watch/GBUV71500268?syndicationid=bb8a16ab-1279-4f17-969b-1dba5eb60eda&shortlink=b0eX18&country=DE

Was sich wiederum mit dem guten Grund erklären lässt: Mumford & Sons sind in ihrem folkloristischen Crescendo, das nahezu unablässig von gefühliger Lagerfeuerergriffenheit zu impulsivem Stadionkonzertpathos anschwillt, absolut einzigartig. Selbst Durchschnitt wie das westcoastrockige The Wolf trägt Marcus Mumfords kratzige Emotionalität zu großen Pophymnen, die zum Glück gelegentlich in wildem Gitarrengeschrubbel münden, um nicht am Ende doch noch zu verseifen. Jedes Album ein Hit, garantiert.

Mumford & Sons – Wilder Mind (Island Records/Warner)

Parov Stelar

Dass eigentlich jedes Album ein Hit wird, gilt auch für Parov Stelar, wenngleich er sich dafür unterschiedlicher Mittel bedient und der Begriff „Hit“ in seinem Genre ganz anders konnotiert ist als im Analogen. Der emsige Produzent aus dem oberösterreichischen Linz wühlt für seine elaborierte Art Intelligent Dance Music ja grundsätzlich im Repertoire Fremder, das er digitalisiert zu neuer Bestimmung führt. Auf diese Weise hat Marcus Füreder, so sein echter Name, bereits den Boom-Stil Electroswing geprägt.

http://www.muzu.tv/parov-stelar/hooked-on-you-music-video/2378338/

Auf diese Weise schüttelt er auch auf dem sechsten Studioalbum Hip-Hop, House, Jazz, Soul, Big Beat, Funk, Electronic, eigentlich alles, was auf seinen Rechnern lagert, so lang durch, bis daraus ein genuines Stück Stelar wird: Eklektisch, tanzbar, viril, furios von der ersten bis (annähernd) zur letzten Sekunde. Immer wieder durchsetzt von seinem Steckenpferd Charleston macht der DJ jeden Dancefloor zum Ballsaal, als stehe davor eine Big Band, kein Plattendreher. Selbst die verloungte Version des Evergreens Summertime gerät dabei so anschlussfähig, dass er einem voll in die Glieder fährt. Papas Plattenregal ist eine Disco.

Parov Stelar – The Demon Diaries (Island/Universal)

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