Andrea Sawatzki: Arbeit & Klimawechsel

Humor beugt vor

Mit Anfang 50 ist Andrea Sawatzki anders als viele andere Schauspielerinnen noch immer bestens im Filmgeschäft – auch wenn sie darin zusehends Leiden ihrer Geschlechts- und Altersgenossinnen spielt, vor drei Jahren etwa als wechseljahregeplagte Künstlerin in Doris Dörries Serie Klimawechsel, in der ZDF-Komödie Es kommt noch besser (7. Mai, 20.15 Uhr) als entlassene Sekretärin auf dem Arbeitsmarkt. Ein Interview über Frauen, ihre Probleme, das Alter, die Branche.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Frau Sawatzki, der erste Gedanke beim Anblick einer Serie wie Klimawechsel ist: Oh Gott, sind die Wechseljahre wirklich so furchtbar?

Andrea Sawatzki: Aus eigener Erfahrung kann ich das noch nicht beurteilen. Nach allem, was man aber so von Betroffenen hört, scheint es tatsächlich ziemlich schlimm zu sein. Aber wie die Serie das Thema angeht, ist es natürlich schon ein wenig überspitzt. Zumal es sich darin durchweg um Frauen handelt, die sich auch sonst im Leben verschlossen haben, die zu sehr in der äußeren Welt leben, ihre innere also vernachlässigt haben. Die für diese schwere Zeit der Umstellung also nicht ausreichend vorbereitet sind.

Sind Sie vorbereitet?

Witzigerweise habe ich mich vor dieser Serie überhaupt noch nicht mit den Wechseljahren beschäftigt und selbst als sie mir angetragen wurde nur deshalb zugesagt, weil Doris Dörrie Regie führte. Beim Lesen des Drehbuchs war ich dann umso gespannter und wurde tatsächlich erst dadurch darauf gestoßen, ja gar nicht mehr soweit davon entfernt zu sein (lacht). Deshalb beginne ich aber jetzt nicht gleich mit den Vorbereitungen. Die Serie sagt mir ja ein bisschen, was mich erwartet.

Und Ihr Rezept?

Besteht wohl in einer Art Rückbesinnung, durch welche Höhen und Tiefen man gegangen ist bis zu diesem Zeitpunkt. Und wenn ich mir meine Erfolge und Rückschläge so vor Augen halte, bin ich in meinem Alter so glücklich wie nie zuvor. Weil ich durch das Alter viel gelassener bin als mit 20 oder 30. Da denke ich, es kann sogar nur noch besser werden, egal, ob ich bald oder später in die Wechseljahre komme. Das kann mich nicht erschüttern.

Und andere? Schürt die Serie durch die Groteske, die alle Protagonistinnen durchlaufen, nicht auch Ängste davor?

Nein, nein. Ich glaube dem beugt der Humor darin vor. Er sorgt dafür, dass sich Betroffene eher ein bisschen getröstet fühlen. Und weil er zugleich auf einer gewissen Traurigkeit basiert, muss sich keine Zuschauerin allein fühlen mit dem, was in ihr grad passiert. Das macht ja eher Mut als Angst. Außerdem wird keine der Frauen im Film denunziert, jede versucht in ihrem egoistischen Wahnsinn über diese Zeit irgendwie hinwegzukommen, ohne genau zu wissen, was danach passiert. Durch meine vielen Gespräche mit Frauen in diesem Alter, habe ich nun sogar das Gefühl, dass diese Serie zum Sprechen ermuntert und das Tabu bricht.

Ist es denn noch eins?

Ich glaube schon. Viele Frauen fühlen sich unwohl, wenn sie sagen, sie seien in den Wechseljahren. Die empfinden das als Defizit, und das finde ich schade, weil die Wechseljahre ja auch die Grenze einer zurückliegenden Zeit darstellen, die man aus neuer Perspektive betrachten kann. Sicher – wir können dann keine Kinder mehr kriegen, aber das ist doch fast das Einzige.

Und wer will das noch mit Mitte 50…

Ganz genau. Witzigerweise war ja die Menstruation, also quasi das Gegenteil, auch mal tabuisiert.

Ist das Fernsehen erst jetzt reif, beides zu thematisieren?

Es ist zumindest mal an der Zeit. Auch den Frauen zu sagen: Jetzt geht es erst richtig los! Es geht eben nicht mehr darum, einen tollen Körper zu haben, um von Männern angehimmelt zu werden. Je älter man ist, desto stressfreier wird unser Leben, weil wir eben nicht mehr so aufs Äußere reduziert werden. Wobei – viele reduzieren sich ja selbst auf Schönheitsideale. Den meisten Männern sind die egal, wenn man sie fragt.

Und das glauben Sie?

Tja (lacht). Ich kaufe ihnen ab, dass sie es tatsächlich schön finden, morgens neben einer ungeschminkten Frau aufzuwachen, die womöglich nur sie selbst so sehen können. Diese Intimität, die Tiefe, finden Männer oft viel spannender als Perfektion. Insofern entspannt das Alter. Man macht Bekanntschaften mit Männern, die an einem selbst interessiert sind und Erfahrungen austauschen wollen. Diese Reife setzt ein gewisses Alter voraus.

Nun dürften einige Frauen da draußen sagen: Frau Sawatzki hat ja auch leicht reden, mit Ihrem Äußeren.

Das weiß ich nicht, aber ich habe diesen gelassenen Blick auf meinen Körper auch erst jetzt. Mit 30 war ich geradezu perfektionistisch. Ich habe wahnsinnig viel Sport getrieben zum Beispiel…

Bis hin zur Erwägung gezogen, sich körperlich zu modellieren?

Nicht über Schönheitschirurgie, aber der Schlankheitswahn hatte mich zeitweise voll im Griff. Ich hatte einfach zu wenig Selbstbewusstsein, aber viele Selbstzweifel. Je älter ich werde, desto besser kann ich mich akzeptieren, mögen, desto zufriedener bin ich mit mir. Ich treibe noch immer Sport, aber in Maßen, weil nicht mehr dieser Zwang dahinter steht. Ich bin belastbarer als früher.

Und freizügiger, so scheint es. In Ihren letzten Rollen abseits vom Tatort wie dieser agieren Sie geradezu offenherzig.

Ich hatte damit noch nie ein Problem, weil ich Figuren verkörpere, die eben offenherzig sind und das nicht nur für irgendeinen Voyeurismus inszenieren. In Entführt etwa war ich eine Frau, die absolut schamlos ist und den Körper bewusst einsetzt. Da wäre es falsch gewesen, das nur anzudeuten. Das ist Teil meiner Schauspielerei.

Sie haben da keinen exhibitionistischen Hang?

Nein. Alles, wie es die Rolle vorgibt. Meine Desiree läuft in Klimawechsel irgendwann nur noch mit Männerunterhosen rum und hat schon deshalb überhaupt kein Problem mit ihrem Körper, weil ihr dazu schlicht die Zeit fehlt und die Kraft.

Bieten einem Produzenten mehr freizügige Rollen an, wenn man sie mal gespielt hat?

Gar nicht. So viele Rollen sind es im Fernsehen generell nicht, die auf Kleidung verzichten. Es ist alles eine Frage des Umgangs mit sich, dem Beruf, der Öffentlichkeit.

Auch der ist bei Ihnen eher aufgeschlossen. Mit Ihrem Mann Christian Berkel erwecken Sie nie den Eindruck, rote Teppiche und Kameras zu meiden.

Wenn man sich dort befindet, ist man als öffentliche Person verpflichtet, die Erwartungen an sie im bestimmten Rahmen zu erfüllen. Sonst sollte man sich von roten Teppichen fern halten. Umso mehr ziehen wir uns privat zurück. Da haben wir unseren kleinen Freundeskreis und igeln uns schon mal ein. In der Öffentlichkeit tun wir das nicht.

Haben Sie das mal versucht und bemerkt, dass das nicht funktioniert?

Ja. Deshalb gibt es Veranstaltungen, die wir meiden. Und eine Homestory lasse ich von mir nicht machen, das ist zu privat. Auch meine Kinder werden niemals Teil der Medien sein.

Gab es da je Druck auf Sie?

Das wird akzeptiert. Wenn man als Schauspieler allerdings den ersten Schritt macht und zu viel von sich preisgibt, gibt man dem Boulevard ein Signal, das schwer zu revidieren ist. Das haben wir nie ausgesandt.

Wenn man Sie und Ihren Mann als Glamour-Paar bezeichnet – was sagen Sie da?

Dass das ein bisschen dick aufgetragen ist. Wir sind ein gutes Paar, wir passen zusammen. Ich finde, wir sind eine tolle Familie, ein bisschen verrückt, aber total geerdet.

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