De Lux, LA Priest, AB Syndrom

De Lux

Es ist ein bisschen wie mit dem Jenseits: Wer da mal drin steckt, braucht schon viel religiöse Autosuggestionskraft, um ins Diesseits zu gelangen. Weil also auch, sagen wir: die Talking Heads länger als mancher meint (1991) in den Ewigen Popjagdgründen sind, muss etwaiger Bedarf danach eben von Wiedergängern der vier Postpunklegenden gedeckt werden. Gerade fühlen sich dazu offenbar Isaac Franco und Sean Guerin berufen. Auf ihrem zweiten Album klingt De Lux jedenfalls, als wäre David Byrne höchstpersönlich vom Altenteil kultivierter Kollaborationen nach L.A. gekommen, um den zwei Nostalgikern neben seinem musikalischen Aberwitz auch die Stimme zu leihen.

Nach ein paar Scéancen im Proberaum klingt Generation demnach wie eine digitale Verwilderung des bilderstürmenden New Wave von damals, die Siebziger, ebenfalls eine wilde Zeit. Das kalifornische Duo allerdings packt auf jeden Irrsinn jener Aufbruchstage noch eine Schippe „synth wizardry“, wie sie ihr Projekt umschreiben, drauf. Funky Disco De Lux eben, da glitzert das schwärzeste Loch.

De Lux – Generation (Innovative Leisure)

LA Priest

Noch mehr glitzert artifizieller Pop nur, wenn ihn Erleuchtungskünstler wie Prince zelebrieren. Der aber hat es auf seinen Platten Nr. 36f zuletzt übertrieben mit den Mashup-Kaskaden, weshalb auch hier ein Kopist mit Eigensinn empfohlen sei. Er heißt LA Priest, stammt aus der Mitte Englands, hat mit seinem One-Record-Wonder Late of the Pier 2009 den Dance Punk der Talking-Heads-Ära in die Gegenwart transponiert und forciert dieses Bemühen nun auf Solopfaden.

http://www.vevo.com/watch/la-priest/oino-(official-video)/GBA321500002

Dem Vernehmen nach hat sich der Soundberserker für sein Solodebüt unter grönländischen Ureinwohnern umgehört, aber das ist abseits vom Titel eher für Etymologen relevant. Was Inji echt abhebt vom Gros elektronischer Schmelztiegel, ist sein unbedingter Wille, dem Ganzen eine nostalgische Struktur einzugravieren, die sich ihrer Wurzeln nicht nur sampelnd bedient, sondern dies durch Erkennbarkeit honoriert. Das klingt bei all dem orgelpeitschenden Retrofunk so unverwechselbar, dass sein Vorbild auf den Alben 38ff ruhig weiter übersteuern darf. Des Prinzen Quintessenz läuft hier.

LA Priest – Inji (Domino)

AB Syndrom

Die Quintessenz lässigen Understatements haben zwei Elektronikfrickler aus dem Mittelgebirgsgürtel entdeckt. AB Syndrom heißt das zum Quartett gewachsene Duo, dem nach ihrem Debüt nun ein Nachfolgealbum glückt, das die Vorschusslorbeeren von 2012 zum echten Gourmetdebüt verwendet. Hey Herz ist nämlich nicht bloß eine Aneinanderreihung digitaler Spielereien mit federleichtem Indiepop; mittlerweile um Bassvariationen zweier Freunde ergänzt, kombinieren die 14 neuen Stücke Aljoschas Feuerwerk kreativer Samples und Percussions mit Bennets tiefenentspannt erzählter Alltagslyrik zu einem echten Gesamtkunstwerk.

http://hologramm.absyndrom.de/

Das aber ist es noch nicht, was Hey Herz so bemerkenswert macht. Dafür sorgt ein hingebungsvoller Hang zur Schieflage, die aufs erste Hören zuweilen verstört, dann aber den ganzen Charme des Albums entfaltet. Da wabert gern mal wie im wunderschönen Lagerfeuer eine Kakophonie dissonanter Orgelschwaden in die Chill-out-Zone, dass man kurz erwacht aus seinem Tagtraum, den Leib aber gleich wieder wohlig niedersinken lässt, angesichts der Geschmeidigkeit, mit dem richtig und falsch hier montiert wird. Hey Herz – schon jetzt das Sommeralbum schlechthin. Ein schattiges Plätzchen zum Ausruhen, an heißen Tagen wie diesen.

AB Syndrom – Hey Herz (Herr Direktor)

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