The Wooden Sky, Lady Lamb

The Wooden Sky

Das Auseinanderklamüsern nach Ursache und Wirkung oder schlimmer: Original und Fälschung wirkt bekanntermaßen oft scheinheilig. Sechs Jahrzehnte nach seiner Verdichtung zum musikalischen Einerlei hat der Pop aller Wahrscheinlichkeit nach längst jede erdenkliche Harmonie schon mal hören lassen, weshalb die Kritik besser mal liebevoll nach Besonderheiten suchen sollte, statt fieberhaft nach Referenzsystemen. Von beiden gibt es zum Beispiel bei The Wooden Sky reichlich, weshalb wir letztere der Vollständigkeit halber abhaken: Etwas Mumford & Sons steckt im neuen Album des kanadischen Quintetts, dazu ein bisschen Van Morrison oder Strand of Oaks.

Doch jenseits solcher Verweise hat die Band um Sänger Gavin Gardiner eine sehr eigentümliche Art, ihren Neofolk zu variieren. Mal mit dem fröhlichen Prädikat Fuzz versehen wie im Opener Saturday Night, mal mehr melodramatisch wie im flächigen Let’s be ready, grasen The Wooden Sky das Spektrum hippiesken Gitarrenrocks ab und entwickeln darin etwas, das unter Singer/Songwritern mit Hipstermatten selten ist: Enthusiasmus.

The Wooden Sky – Let’s Be Ready (Nevado Music)

Lady Lamb

Ach Enthusiasmus, dieses göttliche Privileg jugendlicher Energie zwischen den Leitplanken des Pragmatismus. Auch Aly Spaltros zweites Profialbum (nach fünf selbsteditierten) quillt über vor musikalischer Ambrosia. Dabei erinnert After nicht zufällig an Liz Phair, auch sie aus New England. Ihr Girlie Sound blies der Männerbranche schon 20 Jahre zuvor mit virtuoser Spielfreude den Marsch des Third Wave Feminism. Jetzt macht es ihr Lady Lamb, so der Projektname, nach und liefert einen sprühenden Indie-Pop, der so gar nichts Luftiges, Betörendes, also weiblich Konnotiertes hat, aber doch federleicht daherkommt.

Dieser Spagat ist das Alleinstellungsmerkmal von Spaltro, genannt The Beekeeper. Denn wie ein Schwarm Bienen surrt die siebenköpfige Begleitband um den kräftigen Gesang der Multiinstrumentalistin herum, lässt in Violet Clementine die Bläser anschwellen, in Heretic den Psychobeat und allerorten Synths, Streicher, Percussions zum strukturierten Crescendo. Das all dies trotz derlei Klangfülle nie überladen klingt, ist kein Gotteswerk. Ein bisschen himmlisch ist es schon.

Lady Lamb – After (BB*Island)

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