Petra Schmidt-Schaller: Haar & Herkunft

Das Spieltier

Petra Schmidt-Schaller ist der Sonnenschein des deutschen Films. Dabei zeigt sie nicht bloß (allerdings nur noch eine Weile) im Hamburger Tatort (Sonntag, 20.15 Uhr), dass die Schauspielertochter aus Magdeburg auch ganz anders kann.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Petra Schmidt-Schaller, Sie spielen Tatort und Komödien, Drama und Kitsch – gibt es einen Roter Faden Ihrer Karriere?

Petra Schmidt-Schaller: Nee, was ich mache ist Drehbuch- und mietabhängig. Bei meinem ersten Sonntagsfilm Sommer auf Long Island dachten wir alle gutgläubig, das System von innen zu zersetzen. Hat nicht geklappt; so einen Kitschfilm hakt man danach ab. Aber während des Drehs kämpfe ich selbst in solchen Stoffen um eine gewisse Unmittelbarkeit. Wenn man einen Vertrag sprengt, hat das unfassbare Konsequenzen. Ich kenne keinen deutschen Schauspieler, der das tut. Meinen ersten Leerlauf hatte ich seltsamerweise nach dem Fliehenden Pferd, meiner bis dahin größten Rolle, ein Dreivierteljahr ohne Angebote. Die extreme Existenzangst, die ich damals hatte, gehört aber mittlerweile so dazu, dass man sich in solchen Phasen sehr nüchtern zurechtlegt, was man statt Drehen machen kann, wie man als Mensch dadurch weiter kommt. Das entspannt mich beruflich sehr.

Sind Sie ein ängstlicher Typ?

Nein, ich war nur ängstlich, weil ich von meiner Mutter dazu erzogen wurde, finanziell autark zu sein. Ich wollte nicht zu Mama und Papa zurück und um Hilfe bitten. Der Stolz damals war riesig, mit Mitte 20.

Hilfe Ihrer prominenten Eltern Christine Krüger und Andreas Schmidt-Schaller beim Karrierestart?

Meine Mama wollte extrem, dass ich es alleine schaffe. Und mein Vater hat mir nur einmal geholfen, bei der Suche nach einer Agentur, was sehr schwer ist. Der Name hat also weder genützt noch geschadet. Ich bin mit einem wahnsinnig bekannten Vater groß geworden, mit dem man in der DDR nirgendwo hingehen konnte, ohne dass er angesprochen wurde. Da hab ich mir ein dickes Fell zugelegt und in der 2. Klasse auch mal zugelangt, als jemand zu mir meinte, dass dürfe ich ja nur wegen Papa. Zack, hat der sich eine gefangen. Ist natürlich auch nicht der richtige Weg. Ansonsten bin ich immer ganz normal zum Casting gegangen. Mein Vater war immer vorhanden, aber nicht ständig da.

Trotzdem die erste Filmrolle an seiner Seite.

Stimmt (lacht). Das war die Fügung der Umstände, weil ich ihn öfter am Set besucht habe. Ein Regisseur brauchte da mal eine Tochter, für einen Drehtag. Das war mal eine Tour im Fahrwasser.

Wollten Sie je was anderes machen als Ihre Eltern?

Zunächst schon. Wenn die sich zuhause über den Beruf unterhalten haben, dachte ich immer eher: was habt ihr denn für einen Scheißjob, der mit viel Stress und wenig Spiel zusammenhängt. Im Austauschjahr in den USA hab ich dann aber bei einem Schauspielkurs gemerkt wie toll er ist. Spielen ist für mich, als dürfte ich als Erwachsene zurück auf den Spielplatz.

Versucht man Sie, in eine Schublade zu stecken, etwa: freizügige Blondine?

Manchmal. Rainer Kaufmann hat mal gefragt, ob es mir geschadet hat, dass ich im Fliehenden Pferd meine Brüste gezeigt hab. Quatsch! Ich kann spielen, kann meine Miete bezahlen, hab sogar eine Familie gegründet, alles super! Dennoch versuchen mich manche in der Branche in eine Ecke schieben würde. Beim Sommer in Orange war auch viel Körper, aber ohne wäre so ein freizügiger Stoff auch nicht glaubhaft gewesen.

Ein Etikett nach dem ersten Sonntagsfilm: der personifizierte Sonnenschein. Muss man dagegen mit einer KZ-Wächterin anspielen?

Nicht unbedingt. Das Ausziehen war da schwieriger. Im deutschen Fernsehen spielt man weniger Charakterrollen als anderswo, aber man kann letztlich immer seine eigenen Entscheidungen treffen und das habe ich getan. Ich bin der Glas-halb-voll-Typ; es braucht einiges, um meinen Überlebenswillen klein zu kriegen.

Können Haare zu blond sein für anspruchsvolle Rollen?

(lacht laut) Also gerade möchte ich sie wieder etwas brauner haben. Mir kann ich aber nicht zu blond sein, höchstens anderen. Viele Redakteure wollen immer noch die alten Stereotype, aber es gibt auch die jungen, die nicht in den Neunzigerjahren feststecken.

Schon mal negative Rolle gespielt?

In der Kinofassung von Löwenzahn, einmal. Ich überlege gerade, warum mir das egal ist? Vielleicht, weil es uninteressanter ist, zwanghaft danach zu suchen, als in jeder Rolle den negativen Keim zu finden. Mir geht es darum, Rollen zum Leben zu erwecken. Zu viele Erwartungen beengen mich nur, sowohl von anderen als auch von mir selbst. Ich bin ein Spieltier, dass man antreiben kann, in dem man ihm Zucker gibt.

Echte Kernkompetenz: Heulen. Kann man das trainieren?

Es ist jedes Mal ein Balanceakt, der sehr von der Glaubwürdigkeit der Rolle und ihrer Sätze abhängt oder vom Regisseur und Anspielpartner, aber auch von der Fähigkeit zur Autosuggestion; in eine Abschiedsszene sollte ich mal bereits weinend hineingehen, musste dafür aber an einem Kameraassistenten vorbei, der fröhlich vor sich hin pfiff. Dass es trotzdem geklappt hat, lag an schlimmen Unglücken, die ich mir vor Augen gerufen habe.

Was ist der Tote im Watt für ein Film?

Ein Krimi mit familienpsychologischem Einschlag. Er ist rund, birgt aber von meiner Seite keine Überraschungen.

Die Geburt Ihrer Tochter war der Bunte eine Geschichte wert. Ist das ein Zeichen für echte Berühmtheit?

Ich dachte auch, aha, was soll das? Aber das löst bei mir nichts aus. Ich gehe nicht gern auf Galas, in Talkshows. Homestorys brauche ich ebenso wenig wie tolle Kleider auf dem Roten Teppich.

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