Buddy Buxbaum, Mocky, Teen Daze

Buddy Buxbaum

Buddy Buxbaum heißt gar nicht Buddy Buxbaum, sondern Bartosch Jeznach, aber das ist beim Hamburger polnischen Ursprungs auch egal. Schließlich ist vieles an ihm Maskerade, seit er 1997 das Prolldiscorapkombinat Deichkind gegründet und eine Nanosekunde, bevor es richtig erfolgreich wurde, wieder verlassen hat. Immer, wenn man Buddy Buxbaum oder welches Pseudonym er grad trägt, musikalisch zu verstehen glaubt, kramt der umtriebige Produzent ein neues Metier aus und konterkariert es mit seiner schratigen Optik. Auf Solopfaden zum Beispiel klingt sein Album Unkaputtbar in vielen Passagen nach dem Rapper früherer Tage, ist aber was völlig anderes als ein Deichkind-Aufguss.

Man könnte es Hard Listening nennen, ein geschmeidiger Mix aus Soul, Electroclash, HipHop, der in zwielichtigen Momenten nach Max Mutzke klingt, in benebelten nach Udo Lindenberg, in klarerern aber nach BB selbst, einem Seelenmusiker, der sein raues Toasting mit etwas Hustensaft einer erstaunlich warmen Stimme zu theatralischem R’n’B von unvergleichlicher Lässigkeit mixt. Das ist manchmal seifig, fast radiotauglich, zeigt aber in den absurderen Momenten wie Vodka Soda oder Robodiscoa, dass Buddy Buxbaum woanders zuhause ist. Im Aberwitz. Hierhin hat er sich nur verirrt. Zum Spaßhaben und Ausprobieren.

Buddy Buxbaum – Unkaputtbar (Holo Rec.) 

Mocky

Zum Schwelgen, Schmausen, Begehren ist, was Dominic Salole zurzeit als Mocky so macht. Vor einigen Jahren hatte der Kanadier mit brillant verschrobenem Hip-Pop noch den oberen Berliner Underground von Peaches bis Puppetmastaz aufgemischt. Nun begibt er sich von L.A. aus auf die Spur eines kongenialen Landsmannes, mit dem der rührige Produzent ebenfalls schon kollaboriert hat: Chilly Gonzales. Ohne den Bademantel, dafür mit entrücktem Menjoubart schüttelt Mocky ein Album aus dem Ärmel, dessen digital aufgemöbelter Zuckersoul so mühelos nach Big Band klingt, als wäre die Disco ein Wiener Kaffeehaus mit Gold und Schmäh und Grandezza.

Die Stimmen darin sind gern geschmeidige Choräle aus dem lässigen Cool der Sixties, all die Streicher, Bläser, Tasten von zeitloser Beschwingtheit argloserer Zeiten, die ganze Aura sehr gediegen. Wie ein frischer Luftzug weht Mockys nostalgischer Sound durch den künstlich überfrachteten Gegenwartspop und macht die Welt ringsum ein wenig schwerelos. Herrlich!

Mocky – Key Change (Heavy Sheet)

Teen Daze

Pfeifen, körperlich und analog – davon wollte ein junger Mann aus Kanada, der sich bei persönlicher Ansprache Jamison nennt und auf Plattencovern Teen Daze, lange Zeit nichts hören. Seine Frühwerke, die auch nicht allzu alt sind, haben Ambient, Dubstep, Deephouse zu einer leichtfüßigen Form synthetischer Popmusik kompiliert. Vier Platten später aber geht er neuer Wege, nicht umstürzlerisch, gar revolutionär; dafür steckt zu viel der elektronischen Leichtigkeit vorheriger Alben in Morning World. Die elf Stücke aber mögen teils am Rechner generiert sein – ihre Aura ist von modernem Indiefolk geprägt,

Einer Mixtur aus Singer/Songwriting und Popelementen, saitenbegleitet, gesangsbasiert, eher was für die Seele als den Dancefloor. Da fragt man sich schon, was dem Mittzwanziger da wohl widerfahren ist. Vielleicht ein Erweckungserlebnis beim Yoga oder Gebirgswandern, wer weiß. Das vorgezogene Spätwerk eines ausgewiesenen Elektrofricklers jedenfalls braucht sich vor Geistesverwandten wie Family oft the Year nicht zu verstecken.

Teen Daze – Morning World (Paper Back Records)

Mehr Sound, Bilder, Kommentare zu wwei der Kritiken gibt es auf www.zeit.de

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