Ochsenknecht & Jaenicke: Udo & Franz

profile-ezone-gallery348Verarscht werden die nicht

Erst Beckenbauer in echt, jetzt als Kopie: In der überdrehten Sat1-Groteske Die Udo Honig Story verpasst Hannes Jaenicke dem Kaiser eine famose Schmierigkeit, die nur durch die skurrile Selbstgerechtigkeit von Uwe Ochsenknechts Bayern-Manager im Knast übertroffen wird. Interview mit zwei Persiflierern (Foto: Arvid Uhlig/Sat1), die ihre Figuren gar nicht persiflieren wollten.

Interview: Jan Freitag

freitagsmedien: Uwe Ochsenknecht, Hannes Jaenicke, ist Udo Honig eine Satire mit ernster Komponente über den Fall Uli Hoeneß oder ein Drama mit heiteren Momenten?

Uwe Ochsenknecht: Im Idealfall beides.

Hannes Jaenicke: Dazu müsste man gleich zurückfragen, wie man Satire korrekt definiert.

Als humoristische Überspitzung der herrschenden Verhältnisse?

Jaenicke: Dann hat Uwe Recht. Udo Honig schafft es, zwei in Deutschland heikle Genres zu bedienen: Komödie und Satire, und das mit großer Liebenswürdigkeit, ohne die Figuren respektlos durch den Kakao zu ziehen.

Ochsenknecht: Außerdem macht es aus meiner Sicht gute Satire aus, Fiktion und Wahrheit nicht mehr zweifelsfrei auseinanderhalten zu können, ohne bloß noch Unsinn zu erzählen.

Jaenicke: So wie bei Wag the Dog.

Mit Dustin Hoffman als Regisseur, der Amerika zur Verdrängung einer Sex-Affäre des Präsidenten fiktional in den Krieg gegen Albanien ziehen lässt.

Jaenicke: Das ist für mich die ultimative Satire, weil alles darin nahezu genauso geschehen ist oder hätte geschehen  können, in seiner Überspitzung aber so irreal wirkt, dass keiner mehr weiß, was Wahrheit ist, was Dichtung. Ein  schmaler, aber sehr unterhaltsamer Grat.

Sagt uns die Udo Honig Story also mehr über Uli Hoeneß Vergehen oder jenes System, das sie erst möglich macht?

Ochsenknecht: Das bedingt sich gegenseitig, ohne die bedingungslose Liebe der Deutschen zum Fußball wäre eine Affäre wie diese nie zustande gekommen oder ganz anders gelaufen.

Jaenicke: Nicht ohne Grund werden unbequeme Gesetze an Tagen wichtiger Fußballspiele durch den Bundestag gepeitscht. Zum Fracking an dem des Viertelfinals, die Diätenerhöhung vorm Halbfinale. Das Volk will da verarscht werden, was Politik und Manager zu nutzen wissen.

Werden Uli Hoeneß und Franz Beckenbauer es dann lustig finden, wie beide auf Sat1 verarscht werden?

Ochsenknecht: Verarscht werden die ja gar nicht. Aber wenn sie sich durch so was auf den Schlips getreten fühlen, empfände ich es als arm. Beachtung ist in dieser Branche eine wichtige Währung, die von den Beachteten gern selbst in Umlauf gebracht wird; da muss man es auch hinnehmen, dass sie manchmal so wie bei uns ausfällt. Zumal wir keinen beleidigen oder derangieren. Das zu ertragen, dazu gehört nicht mal Größe.

Jaenicke: Allenfalls Professionalität. Ich hoffe  da ein wenig auf Gelassenheit.

Ist es trotz dieses Anspruchs etwas anderes, reale statt fiktive und dann auch noch lebendige Figuren zu spielen?

Ochsenknecht: Wenn ich ein Drehbuch kriege, ist es nicht immer wichtig, ob die Figur existiert, Hauptsache es gelingt mir, sie glaubhaft zu machen. Trotzdem wächst bei realen Figuren natürlich der Bedarf, sie an der Realität zu messen. Wir wollten keine Dokumentation machen, aber ein Mindestmaß an Physiognomie, Sprache, Gesten ist schon wichtig.

Jaenicke: Und unsere Rollen waren da äußerst dankbar. Franz Kaiser ist vermutlich einer der Deutschen, dessen Auftritte und Eigenarten am besten bekannt sind. Aber weil das, was er als Fußballer erreicht und bewirkt hat, allerdings so bewundernswert ist, wollte ich ihm nie an den Karren pinkeln. Franz sagt zwar oft Dinge, die ich politisch bedenklich finde, wie über Katar oder die FIFA, aber darum geht es nicht, wenn man eine solche Figur spielt

Ochsenknecht: Und hat in dieser Art Film auch nichts zu suchen.

Jaenicke: Interessiert mich auch nicht. Dramaturgisch hat Franz Kaiser im Film die Aufgabe, seine schützende Hand über Udo Honig zu halten, egal wie der sich vergaloppiert.

Haben Sie die beiden je kennengelernt?

Jaenicke: Hoeneß ja, Beckenbauer nein.

Ochsenknecht: Ich kenne Beckenbauer besser als Hoeneß, aber beide nicht gut genug, um etwas zum Film beizutragen. Das war auch nicht nötig; Konrad Kujau hab ich vor „Schtonk“ auch nie getroffen. Es geht ja nicht um eine baugleiche Kopie.

Jaenicke: Zu viel persönliche Kenntnis ist vielleicht sogar hinderlich.

Ochsenknecht: Es gibt Biografien. Freunde aus dem engsten Umfeld der Person und das Netz, das sehr hilfreiche Dinge liefert.

Sie beide sind seit mehr oder weniger 30 Jahren kontinuierlich im Geschäft.

Jaenicke: Wir standen sogar vor exakt 30 Jahren das erste Mal gemeinsam  vor der  Kamera.

Ochsenknecht: Stimmt. 30 Jahre? Wow!

Wäre Ihr neuer Film damals in ähnlicher Form möglich gewesen oder herrschte 1985 größerer Zurückhaltung gegenüber lebenden Figuren der Zeitgeschichte?

Jaenicke: Er hätte stilistisch anders ausgesehen, aber ohne Frage mutiger. Die Siebziger waren bis in die Achtziger hinein verglichen mit unserer eine ungeheuer couragierte Film- und Fernsehzeit.

Ochsenknecht: Heute zählt doch nur so günstig wie`s geht. aber die beste Quote.

Jaenicke: Die Bereitschaft von Publikum, Kreativen, Produzenten, neue Wege zu gehen, geht hierzulande gegen Null. Ein Dietl wäre heute kaum möglich. Oder Monk, wie heißt der mit Vornamen?

Ochsenknecht: Egon. Peter Schulze-Rohr, Dieter Wedel, Wolfgang Menge.

Jaenicke: Die haben den Fernsehfilm als Verhandlungsort relevanter Themen erfunden und zu Straßenfegern gemacht. Seit deren Glanzzeit sind uns nicht nur die USA, sondern kleinere Länder mit weniger Geld wie Dänemark, Norwegen, England, Neuseeland uneinholbar davongezogen.

Ist das Wut oder Wehmut, die aus Ihrer Empörung bei diesem Thema spricht?

Jaenicke: Beides! Erzähl mal einem amerikanischen Produzenten, dass allein die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland acht Milliarden Euro zur Verfügung haben. Der fällt um vor Neid – bis er sieht, was daraus gemacht wird.

Ochsenknecht: Und keiner weiß, wo das ganze Geld hinfließt. Von früheren Drehtagen und Honoraren kann man jedenfalls nur noch träumen. Hannes und ich können gewiss als lange etablierte Schauspieler nicht klagen, aber frag mal, was bei Jungen hängen bleibt!

Jaenicke: Umso mehr muss man diesen Film hier hervorheben. Es gibt richtig was zu spielen, es gibt ein hervorragendes Drehbuch, das dich nicht schon bei der Lektüre langweilt oder beleidigt, es ist hochkarätig besetzt, es ist mit Liebe umgesetzt.

Ochsenknecht: Und dann geht es noch um was von Relevanz, versucht aber dennoch gut zu unterhalten.

Jaenicke: Das ist ein echter Lichtblick. Wie Uwe Janson allein schon Bayerns Pseudoidylle karikiert, wunderbar. So was hätten wir alle gern öfter.

Das dies so selten der Fall ist – verleidet Ihnen das manchmal den Beruf?

Ochsenknecht: Verleiden nicht, aber es fällt manchmal schwer, nicht bloß Dienst nach Vorschrift zu machen. Zum Glück ist mein Spieltrieb ausreichend ausgeprägt, aber manchmal deprimiert es schon, für was hierzulande die Mittel aufgewendet werden.

Jaenicke: So was wie House of Cards, Lillehammer oder True Detective könnten auch wir hier stemmen, aber stattdessen gibt es immer noch mehr TV-Krimis oder Schmonzetten.

Ochsenknecht: Wir machen eben das Beste aus dem, was hierzulande möglich ist.

Oder, dass irgendwann HBO anruft und zwei Deutsche braucht?

Ochsenknecht: Ich hab schon mehr als die Hälfte meines Berufslebens hinter mir, da will ich nicht mehr auf irgendwas warten, da muss ich aktiv sein. Aber wenn ich mir ansehe, dass ich seit drei Jahren ein Serienprojekt am Wickel habe, für das man erfolglos durch die Gremien renne – manchmal verliert man die Geduld…

Sie könnten selber aktiv werden und zu schreiben beginnen…

Jaenicke: Also ich schreibe sporadisch,  brauche aber pro Buch im Schnitt sechs bis sieben Jahre.

Ochsenknecht: Auch das muss man können.

Der Film ist in der Sat1-Mediathek abrufbar

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