2 Bier – 1 Platte

Marthe-LuisaLùisa – Joanna Newsom

Eine Do-It-Yourself-Attitüde unter den Singer-/Songwritern ist nur wenig revolutionär. Mit ihrem im Mai erschienenen Album Never Own geleitet die Hamburgerin Lùisa diese Einstellung zur eigenen Kunst aber auf ein neues Niveau. Sie schreibt nicht nur ihre Musik und die Texte selber. Auch beim Artwork und ihren beachtenswerten Videos vertraut sie auf die eigene Kreativität oder das Können enger Freunde. Das Ergebnis ist in vielerlei Hinsicht besonders. Es verwundert deshalb kaum, dass Lùisa bei zwei Bieren über eine Platte der außergewöhnlichen Joanna Newsom spricht.

Von Marthe Ruddat 

Lùisa: Ich musste erst einmal darüber nachdenken, welche Platte mich denn besonders beeinflusst hat. Eigentlich gibt es da so einige. Aber die Ys von Joanna Newsom ist schon etwas ganz Besonderes für mich.

freitagsmedien: Gehen wir mal davon aus, dass ich Joanna Newsom nicht kennt. Erzähl doch mal von ihr.

Lùisa: Joanna Newsom ist eine Sängerin und Harfenspielerin aus den USA. Man kann sie so in der New Folk-Ecke ansiedeln. Sie spielt also die Harfe zu ihrem Gesang und schreibt ganz ungewöhnliche Lieder, die manchmal auch 10 Minuten lang sind. Ihre Stimme ist auch sehr ausgefallen, sie klingt wie eine kleine Elfe oder ein Kobold. Ich glaube, dass manche sie deshalb auch nicht mögen. Aber für mich haben ihre außergewöhnlichen Kompositionen irgendwie etwas Kosmisches, etwas, dass mich wieder mit der Welt verbindet.

Ys ist das 2006 erschienene zweite Album von Joanna Newsom. Es ist, wie passend, nach der Legende der versunkenen Stadt Ys in der französischen Bretagne benannt.

In der Vergangenheit hast du schon einmal darüber gesprochen, dass deine Generation oft nicht weiß, wo sie hin gehört und sich verloren fühlt. Um zur Ruhe zu kommen hilft dir also nicht nur deine eigene Musik, sondern auch die Ys?

Genau, das ist etwas, was Never Own auch aufgreift. Dass man versucht das Leben als Ganzes zu sehen und sich nicht in Alltäglichem verliert.

Never Own ist im Mai 2015 erschienen. Mit ihrer rauen Stimme und dem Mix aus Folk, Electro und Pop heimste Lùisa durchweg positive Kritiken ein. Den immer wieder erwähnten Vergleich mit Björk oder PJ Harvey versucht sie locker zu nehmen.

Ich glaube, wir vergessen oft das Wesentliche und definieren uns über Dinge, die uns schlussendlich wieder fragen lassen, ob man wirklich zu dieser Welt marthe-ysdazugehören möchte. Diesbezüglich hat mich die Ys auch spirituell sehr geprägt. Wenn ich die Platte höre, fühle ich mich wieder zugehörig und gut aufgehoben. Vielleicht erdet sie einen sogar ein bisschen.

Ist es das, was für dich gute Musik ausmacht?

Ja schon. Ich habe die Platte das erste Mal gehört als ich so ungefähr 17 war. Mein Bruder hat sie mir gezeigt, und das war wirklich eine prägende Erfahrung. Wenn ich mich frage, was Musik für mich ist, dann ist es etwas berührendes, das tief in die Seele greift. Und genau das tut Joanna Newsom.

Kannst Du das Aussehen der Platte, vielleicht das Cover etwas beschreiben?

Ich weiß das ehrlich gesagt gar nicht mehr so genau, weil ich im Moment nur die MP3-Version habe. Aber ich hatte mal die Vinyl und die hatte einen geprägten Blumenprint. Wie das Cover aussieht weiß ich leider nicht mehr. Aber dieser Blumenprint ist großartig. Irgendwie wurde dadurch ihr Werk auch noch mit der Haptik verbunden.

Bist du also eher der MP3- oder der Vinyl-Typ?

Das ist schwer zu sagen. Ich habe mir gerade einen neuen Plattenspieler gekauft. Ich hab ja schließlich jetzt auch eine eigene Platte! Aber eigentlich höre ich eher MP3s, weil ich beim Musik hören immer in Bewegung sein muss. Die Ys habe ich früher zum Beispiel viel im Wald gehört. Heute laufe ich halt durch die Stadt. So verbinde ich mit der Musik immer ganz bestimmte Eindrücke.

Würdest Du mir empfehlen, die Ys genau so, bei einem Wald- oder Stadtspaziergang, das erste Mal zu hören?

Also ich habe die Platte vor Kurzem noch einmal gehört und da lag ich auf meinem Bett, hatte das Fenster offen habe mich kopfüber heraus gelehnt. Ich glaube, in so einem Moment sollte man sie das erste Mal hören. Auf keinen Fall so zwischendurch. Man muss sich darauf einlassen können und braucht ein gewisses Bewusstsein. Man knallt sich ja auch nicht mitten am Tag einfach die volle Ladung Drogen rein….

Marthe1…oder Bier. Genau! Das ganze passiert mit einem großen Bewusstsein und jeder trinkt eh nur so viel wie sie oder er mag!

Hast Du ein Lieblingslied auf der Platte?

Hm, das ist wirklich schwer, weil die einfach alle richtig toll sind! Emily ist das erste Lied. Es handelt von Joannas Schwester, die Meteorologin ist. Cosmea ist aber auch toll. Dieser Song hat so etwas Kosmisches, wie ich es schon beschrieben habe. Er ist irgendwie zauberhaft und märchenhaft. Aber alle Lieder von der Platte scheinen nicht von dieser Welt zu sein. Und diese ungewöhnliche Musik mag ich einfach gerne.

Joanna Newsom – Emily

And, Emily, I saw you last night by the river.

I dreamed you were skipping little stones across the surface of the water —

frowning at the angle where they were lost, and slipped under forever,

in a mud-cloud, mica-spangled, likethesky’dbeenbreathing on a mirror.

Anyhow, I sat by your side, by the water.

You taught me the names of the stars overhead, that I wrote down in my ledger —

though all I knew of the rote universe were those Pleiades, loosed in December,

I promised you I’d set them to verse, so I’d always remember

That the meteorite is the source of the light,

And the meteor’s just what we see;

And themeteoroid is a stone that’s devoid of the fire that propelled it to thee.

And themeteorite’s just what causes the light,

And themeteor’s how it’s perceived;

And themeteoroid’s a bone thrown from the void, that lies quiet in offering to thee.

Wenn Du Joanna Newsom treffen würdest, was würdest Du sie fragen?

Oh, das wäre wirklich fantastisch! Ich glaube ich würde sie viele persönliche Dinge fragen und weniger über die Komposition ihrer Musik. Ich hätte eher viele Fragen zu ihrem Werdegang als Musikerin. Sie schreibt ja auch sehr persönliche Texte und erzählt damit ganze Geschichten. Ich verarbeite in meiner Musik ja auch sehr viel Persönliches. Ich hatte zwar noch nie eine besonders negative Erfahrung, aber manchmal ist es nur schwer auszuhalten, sich vor Fremden Menschen dermaßen zu öffnen. Ich würde sie gerne Fragen, wie sie die Balance hält. Wenn man Musiker ist, dann hat man einfach keinen eight-to-five-Job, es gibt keine klare Grenze zwischen Arbeit und Privatleben. Darüber würde ich gerne mit ihr sprechen. Sie ist ja so ungefähr 10 Jahre älter als ich und hat da bestimmt Ahnung.

Du gestaltest deine Arbeit ja auch sehr persönlich, indem du stets mit Freunden und engen Bekannten zusammen arbeitest. Gibt es jemanden, den du nicht persönlich kennst, aber gerne mal mit ins Boot holen würdest?

Ich mag ja elektronische Musik total gerne. Im Moment bin ich total auf Nicolas Jaar hängen geblieben. Ich fände es total cool, mit dem mal ein Feature zu machen. Der dürfte meine Stimme auch zerhacken und reinsamplen, wie er möchte. Aber auch von DJ Koze bin ich ein riesengroßer Fan. Es müssen jetzt gar nicht diese beiden sein, aber ich möchte in Zukunft mehr mit anderen Künstlern zusammen arbeiten. Ich glaube, da können richtig tolle Sachen entstehen.

In der nahen Zukunft tritt Lùisa aber noch als Solokünstlerin auf. Nach ihrer Clubtour kann man sie am 19. November als Support von Oh Land im Molotow auf der Bühne bewundern. Weitere Termine und auch alle Musikvideos gibt’s auf www.listentoluisa.com.

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