Sons of Settlers, Bill Wells & Aidan Moffat

csm_Cover_Sons-of-Settlers_Album-front_66410c6eeeSons of Settlers

Einen Anfang vom Ende her zu denken, klingt nicht gerade impulsiv. Und wenn dieses Ende auch noch trist ist, sogar deprimierend. “If you feel, the end is near / lay your head by me my dear” singt die Folkrock-Formation Sons of Settlers zum Auftakt ihres Debütalbums und man ist sofort leicht genervt, weil offenbar schon wieder ein paar singende Jammerlappen westlicher Prägung die Tristesse des (meist männlichen) Daseins in Melodramatik ertränken wollen. Dann aber fährt das Auftaktstück I lost myself mit “I now we’re dying / but won’t stop trying” fort und man atmet auf: die singenden Jammerlappen westlicher Prägung stammen aus nicht nur aus der südafrikanischen Diaspora des Singer/Songwritings; sie verpassen dem gefühligen Genre auch eine Portion Lebensmut, der das Ende doch eher vom Anfang her denkt.

Lullabies for the Restless macht vom ersten Lied an Spaß, der auch beim elften nicht endet. Vor allem Gerdus Oosthuizens weiche, aber kräftige Stimme verleiht den Texten viel Selbstbewusstsein, lebensbejahende Gitarren und bisweilen ein fast karibisches Ambiente verhindern trotz atmosphärischer Parallelen gekonnt Vergleiche mit Mumford & Sons oder Coldplay, und vor allem Justin Bosmans Schlagzeug holt drohende Behäbigkeit immer wieder mit zügigem Tempo aus dem Loch. Man sollte also besser nicht in typischer Folk-Stimmung sein für dieses unterhaltsame Debüt. Und dass wir alle mal sterben, ist ohnehin kein Grund zur Trübsal, sondern eine Tatsache, über die man wunderbar aufgewühlte, zugleich tiefenentspannte Musik machen kann. Musik wie diese.

Sons of Settlers – Lullabies for the Restless (Motor Music)

m_1444647524Bill Wells & Aidan Moffat

Dass an Musik dabei gar nicht alles perfekt sein muss, um große Wucht zu entfalten, zeigt der Schotte Bill Wells an der Seite von Aidan Moffat, die ihr fabelhaftes Debütalbum The Most Important Place In The World vom Jahresanfang nun um eine nicht minder fantastische EP erweitern. Sie heißt erstaunlich kryptisch DILF_77 Would Like To Chat und treibt einen virilen Big-Band-Sound vor der windschiefen Stimme her, dass selbst der große deutsche Spaß-Crooner Rocko Schamoni vor Neid erblassen könnte. Die Bläser sind virtuoser, das Arrangement ausgefeilter, der Gesang in seiner brüchigen Absurdität kreativer als vieles, was nostalgischen Sound an die digitale Gegenwart andocken möchte.

Von seinem schottischen Akzent verfeinert, treibt Bill Wells Las Vegas hier herzerfrischend in die Disco und sorgt ohne jeden Anspruch an Vollkommenheit für große Momente des orchestralen Minimal-Sounds. Mal wild und verschroben, mal großspurig und maniriert führt dieses wunderbare Zweierprojekt den zeitgenössischen Pop somit ein paar Lieder lang am eigenen Nasenring durch die Manege und entlockt ihm Melodien, die es eigentlich gar nicht geben dürfte: Zauberrhythmen, an denen man sich kaum satt hören kann. Wer das nicht mag, mag sich selbst nicht. Nur mal so als These.

Bill Wells & Aidan Moffat – DILF_77 Would Like To Chat (Chemical Underground)

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