The Shoes, A Tribe Called Knarf (Rellöm)

m_1441702389The Shoes

Es ist stets ein bisschen traurig, wenn französische Native Speaker in einer anderen Sprache singen als der wunderbaren, wohlig weichen, gut verständlichen ihrer eigenen Kinderstube. Und sei es Englisch, was sich ja auch ganz gut eignen für Musik jeder Art. Beim Pariser Indiepop-Duo The Shoes allerdings ist die Textverarbeitung auch herzlich egal. Auch auf ihrem dritten Album ist der vielschichtige Mix aus dem tanzbaren New Wave der Achtziger, etwas britischem Trance der Neunziger und flirrigem EDM von heute so abwechslungsreich, dass man gar nicht dazu kommt (und es aus Gründen intellektueller Unterforderung auch besser lässt), auf die prosaischen bis banalen Lyrics zu achten.

Die zehn leichtfüßigen Tracks von Chemicals wollen uns ja gar nicht kognitiv ausloten oder sonstwie auf den Grund unseres Geistes vordringen, sie stehen für dreiviertelsynthetischen Synthiepop mit Vocals als Rhythmusinstrument, der mit großer Bastelfreude die Spielwiesen zwischen Aphex Twin und Retro Stefson, zwischen Pharell Williams und Skrillex ausloten wollen. Man muss dazu ein wenig sein Hirn ausschalten, also bloß nicht zu viel nachdenken; The Shoes machen Sound fürs Wochenende, der die kleinen Unebenheiten spiegelglatter Oberflächen auslotet, das aber mit großer Virtuosität tut. Scheiß auf Französisch, Spaß ist Esperanto.

The Shoes – Chemicals (LABELGUM)

m_1441286593A Tribe Called Knarf

Spaß aber, also elaboriert komischer Spaß jenseits von Brachialcomedy verunglimpfter Klugheit, ist vor allem das Talent, die selbstverliebte Wahrhaftigkeit in ihrer Banalität zu entlarven. Wenn Knarf Rellöm, der mal Frank Möller hieß und Teil der Hamburger Grundschulband Huah! war, schon beim Frühstück darüber sinniert, ob es überhaupt Sinn ergibt, den Sinn des Lebens ergründen zu wollen, und dazu singt, nein spricht, wie er sich einen Brei machte, bevor er die Zeitung las, in der wirklich überhaupt nichts stand, weshalb er sich mal auf die Bassline konzentrierte, die DJ Pattex im Hintergrund so fine findet, wenn dieser Knarf Rellöm nun also abermals die Welt vor seinem inneren Auge Revue passieren lässt, dann ist das wie immer rasend komisch, vor allem aber ist es so derart weltklug, dass man sein Büro sofort in die Disco verlegen möchte.

Denn ganz egal, ob er nun unterm Namen Ladies Love Knarf Rellöm, Knarf Rellöm with the Shi Sha Shellöm, Knarf Rellöm Org, Knarf Rellöm Trinity, Knarf Rellöm Ism oder jetzt eben A Tribe Called Knarf auftritt: Was immer der Electropopminimalsuperstar aus Dithmarschen mit Wohnsitz (nein, nicht Berlin, sondern) Hamburg, anpackt – es wird in seiner soundreduzierten Gaga-Schlichtheit brillant. Auf dem sechsten Soloalbum Es ist die Wahrheit, obwohl es nie passierte erzählt er zu technoiden Lowfunkbeats vom Alien nebenan, den Abgründen des Kapitalismus, The Praxis of Love und anderen Menschheitsthemen, die von so kafkaesker Erhabenheit sind, dass man gar nicht zum Tanzen kommt, so sehr dringen sie übers Gehirn ins Gemüt und dann ja irgendwie doch zurück in die Beine. Danke, Knarf!

Knarf Rellöm – Es ist die Wahrheit, obwohl es nie passierte (staatsakt)

Advertisements


Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.