Das Dienstagsgeheimnis

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Gewiss, es zählt zu den Evergreens absurder Filmstandards, dass der moralisch Bessere am Ende gewinnen sollte, aber warum Filmhelden immer nur einzeln angegriffen werden, bedarf doch einer genaueren Erklärung

Von Jan Freitag

Würden die Regeln zünftiger Wirtshauskeilereien oder der dritten Halbzeit im Zeitalter gewaltaffiner Hooligans auch am Bildschirm gelten – das der Filmhelden wäre rasch beendet gewesen: weil sie oft einsame Streiter wider das Böse sind, ihm also gern allein entgegen treten, reicht im Grunde stets eine Handvoll Gangster, um beim kollektiven Angriff Schluss zu machen mit dem Heroismus. Da Helden aber nun mal den Nährboden fast aller Erzählungen sind, pflegen visuelle Medien seit jeher, Attacken jeder Art gegen sie abwechselnd fahren zu lassen. Man kann das schön in jedem Infight à la Karl May sehen: Während Old Shatterhand einen Cowboy erledigt, stehen die 23 anderen allenfalls zappelnd, aber passiv im Kreis herum und warten brav auf ihre Abreibung. Nur warum?

Da wäre zunächst die Fürsorgepflicht der Produktion fürs Happyend. Dem würden Ganoven schließlich oft schon beim allerersten Heldenkontakt den Garaus machen, die zwar jedem Kleinkind, um ihr verbrecherisches Ziel zu erreichen, kalt lächelnd in den Rücken schössen, aber im Nahkampf mit Gleichstarken plötzlich Sittenstrenge bewiesen. Zumal, Grund 2, die Heldentauglichkeit wahrer Helden im Repertoire wirksamer Methoden vom fatalen Leberhaken bis zum spiralförmig eingesprungenen Double-Foot-Side-Kick besteht, Schurken möglichst variabel unschädlich zu machen. Abwecchselnd andgewandt kann ein Held seine Kampfmethoden einfach facettenreicher variieren. Hinzu käme ein Gebot filmischer Übersichtlichkeit, das die Verantwortlichen (auch aus Kostengründen) von Massenszenen Abstand nehmen lässt. Und da ist vom Postulat der Handlungsökonomie, in deren Sinne es sinnvoll ist, das Wesen gewöhnlicher Heldenstoffe (also den Heldenkampf) nicht in zwei, drei Minuten durch frühzeitigen K.O. abzuschöpfen, noch gar nicht die Rede. Also, liebe Gegenspieler: bitte anstellen! Ihr kommt schon noch dran…

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