Um Himmels Willen: Wepper & Hartwig

HimmelWutschauspieler

Ein Interview mit Janina Hartwig und Fritz Wepper zum gestrigen Start der 15. Staffel Um Himmels Willen (dienstags, 20.15 Uhr, ARD; Foto: Barbara Bauriedl/ARD) zeigt, wie dünn die Haut der Hauptdarsteller von Deutschlands derzeit erfolgreichster Fernsehserie angesichts der dauernden Kritik ist. Mit flüchtigen Folgen…

Von Jan Freitag

Man kann es sehen, man kann’s auch lassen, nur eines kann man kaum: es ignorieren. Auch als das harmlos-heitere Klostereinerlei Um Himmels Willen gestern in die 15. Staffel gingt, erhitzte Deutschlands erfolgreichstes Serie seit vordualer Zeit wieder die Gemüter. Wahre Fans, zuletzt mehr als sechs Millionen, eher angenehm. Genervte Verächter eher schmerzhaft. Grund genug, Fritz Wepper und Janina Hartwig zu fragen, wie es so ist – bloß geliebt oder gehasst zu werden für Hauptrollen in der heilen Welt vom Kloster Kaltenbach, die jedes Problem im Seifenfinale weglächelt.

 

Wepper: So heil ist die Welt darin gar nicht. Deshalb muss ich Ihnen unterstellen, zu wenig davon gesehen zu haben; wie kämen Sie sonst auf diese Behauptung.

freitagsmedien: Aber wie fühlt es sich für Sie als Schauspieler an, Teil einer so erfolgreichen Serie zu sein, die entweder geliebt wird oder gehasst wird?

Wepper: Also Sie scheinen mir der erste zu sein, der sie hasst.

Hartwig: Hass ist mir auch noch nicht zu Ohren gekommen. Woher haben Sie das denn das?

Fragen Sie mal Dokumentarfilmer, deren Werke von leichter Kost wie Ihrer zur Nacht verdrängt werden…

Wepper: Entschuldigung, ich finde das furchtbar. Wenn man sich mit etwas inhaltlich auseinandersetzt, muss man es auch kennen. Man hat die Chance, diese Serie anzuschauen oder es zu lassen. Hass hat da nichts zu suchen. Deshalb ist mir das, was Sie sagen, zu provokativ und nimmt mir die Lust zu antworten. Sprich du weiter, Janina.

Hartwig: Die Kritik an uns ist oft auf Unkenntnis und Intoleranz gebaut, was mich echt wütend macht, denn Intoleranz macht mich wütend.

Wepper: Also ich verlasse jetzt dieses Gespräch.

 

Wenn ein Produkt, das seit 2002 Topquoten und Zuschauerpreise erntet, oft als Beleg für die Verflachung des Leitmediums herhält, ist die dünne Haut des Hauptdarstellers nachvollziehbar; etwas Selbstkritik wäre es aber auch, wenn Weppers Bürgermeister Wöller nunmehr 195 Folgen den Peppone gibt, 130 davon im betulichen Streit mit Janina Hartwig als „Don Camillo“ Schwester Hanna. Umso mehr, als der ältere Bruder des spät erblühten Elmar Wepper nach einer angedeuteten Hollywood-Karriere im Oscar-Film „Cabaret“ seit Derricks Harry vor allem leicht unterhält.

 

Bislang habe ich doch nur gefragt, wie es sich zwischen zwei Polen anfühlt, nicht welcher Pol größere Berechtigung hat.

Wepper: Nein, ich gehe jetzt.

Oje, kann man ihn einfangen?

Hartwig: Det könn’se verjessen. Aber ich kann das auch verstehen; dieser Art von Überheblichkeit – Theater gegen Film, Film gegen Fernsehen, Kritiker gegen alles – begegne ich immer wieder. Wäre es nicht spannender, wenn alle mehr voneinander lernen, statt sich dauernd abzugrenzen, wenn man sich wirklich miteinander befasst? Dann würden die Kritiker nämlich merken, dass unsere Welt gar nicht generell heil ist, sondern nur heil endet. Genau das wollen unsere Zuschauer nach einem harten Alltag, dafür benutzen wir das Genre der Komödie, was ja nicht heißt, sich dauernd auf die Schenkel zu klopfen, sondern auch mal, Dinge mit einem Lächeln zu erzählen.

Die Figuren darin sollen gar nicht realistisch sein?

Hartwig: Natürlich nicht, wir machen ja keine Dokumentarfilme übers Klosterleben, sondern wollen Charaktere überhöhen, in denen sich die Zuschauer dennoch wiederfinden können, um der Welt für einen Abend niveauvoll zu entkommen. Auch ich muss manchmal die Seele entspannen, sonst wird sie nämlich krank.

Und wie lange lässt sich das noch erzählen?

Hartwig: Das frage auch ich mich auch immer, bis mir jedes neue Drehbuch zeigt, wie viel noch möglich ist. Und die Reaktion der Leute ist so, dass Ihnen die Serie noch immer etwas bedeutet und gibt.

 

Nämlich christlich grundierte Weltlichkeit wie aus dem CSU-Programm: Kirche & Küche für Frauen, Laptop & Lederhose für Männer, artige Kinder & lösbare Probleme in Heimatfilmidylle. Hier muss Bürgermeister Wöller diesmal nach zwei Maß Bier am Steuer – für Bayerns Innenminister Beckstein einst völlig unbedenklich – Sozialstunden in Schwester Hannas Kloster ableisten, das war‘s. So sieht konservatives Rechtsempfinden aus, so spiegelt es die ARD dienstags nach der Tagesschau: Solang man Buße tut, die Heimat liebt, in weiß heiratet, ist Primetimefernsehen massentauglich.

 

Zurück zur provokanten Eingangsfrage Wieso polarisiert Ihre Serie so, dass meine Mutter keine Folge verpasst und ich keine ertrage?

Hartwig: Das nennt man Sehverhalten. Meine Tochter ist 27, sie sieht kaum mehr fern im klassischen Sinne. Sie guckt Serien bei Netflix.

Sie auch?

Hartwig: (lacht) Nee, ich mag unter anderem Dokumentarfilme im Fernsehen.

 

Zu schade, dass Janina Hartwig dafür bei ARZDF meist bis Mitternacht aufbleiben muss. Die besseren Sendeplätze blockieren ja Kerner, Pilcher und Pilawa, Komödien, Krimis und Um Himmels Willen,  am kommenden Dienstag zum 184. Mal, Ende außer Sicht. Gute Nacht.

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