BSM, Demob Happy, Mark Pritchard, LEMO

v600_Tiny_Moving_Parts_sleeveTiny Moving Parts

Labels gehuldigt wird normalerweise eher im elektronischen Fach mit Abstechern in den HipHop. Strikt analoger Sound hingegen wird meist isoliert betrachtet, künstlerzentriert also, auch okay. Aber an dieser Stelle soll doch mal ein Musikverlag im Ganzen gewürdigt werden, der Besonderers leistet: Big Scary Monsters. Von London aus versorgt das winzige Indie-Label die globale Punkrockszene mit Bands, die den Punk zwar eher als Rockasseccoire denn Lebenseinstellung in sich tragen, dem missverständlichen Genre aber umso mehr frische Energie zuführen. Diese Woche zum Beispiel mit dem zweiten Album der Tiny Moving Parts aus Minnesota. Wie das erste liefert Celebrate fantastischen Emocore mit messerscharfen Riffs zum extrem amerikanischen Akkzent.

Ein bisschen ruhiger und doch ähnlich kraftvoll klingen Modern Baseball auf ihrer vierten Platte Holy Ghost, die eine Woche zuvor erschienen ist. Noch ein bisschen ruhiger und damit eher am unteren Rand des Genregpektrums  geht es dann beim Solodebüt von Avalance-Frontman Vinnie Caruana, das nächsten Freitag an gleicher Stelle erscheint. Ein tiefenentspanntes, dabei allerdings unüberhörbar aufgewühltes Indierock-Album, das gemeinsam mit den anderen zwei  zeigt, wie wichtig es ist, dass sich Sparten-Nerds wie die von Big Scary Monsters unablässig um die Randlagen der Rockmusik bemühen. Dafür schon mal vielen Dank nach London!

Tiny Moving Parts – Celebrate (Big Scary Monster)

demob-happy-dream-sodaDemob Happy

Schwer zu sagen, wie oft dem Grunge in den kaum drei Jahrzehnten seines namentlichen Bestehens bereits die Wiederkehr prophezeit wurde, seit ölige Bands wie Bush den ruppigen Protestsound einst Richtung Mainstream geritten haben. Wann immer Alternative die Rockmusik dominiert statt umgekehrt, sprießt die Hoffnung, Kurt Cobains Genre könnte zwischen “zu sanft” und “zu hart” mal wieder etwas Innovatives wie die Arctic Monkeys hervorbringen. Vorweg: auch Demob Happy lassen den Traum von der wirklich wahren Neugeburt nicht mit einem gelungenen Debütalbum Wirklichkeit werden. Trotzdem stoßen die vier achtsam verlotterten Zausel aus Brighton in eine Lücke abseits von Britrock und Seattle-Grunge.

Das Räudige des Alternative ist angenehm versiert, das Berechnende des Rock dissonant genug für die Nachfolge des Grunge in seiner kratzigen Vielfalt. Wie bei Nirvana brettern die Gitarrensoli als Antriebskräfte über Matt Macantonios emotionales Geschrei, sodass gar nicht erst der Gedanke entsteht, es gehe hier um Posen. Dream Soda ist das Realste, was dem Hardcore als Ausdruck echter Gefühle seit Langem widerfährt. Und solange Nostalgiker ihm nicht die Bürde eines offiziellen Erbteils auferlegen, kann daraus sogar etwas Neues im Alten werden. Muss ja keinen Namen tragen.

Demob Happy – Dream Soda (SO RECORDINGS)

mark-pritchard-under-the-sunMark Pritchard

Mark Pritchard führt seine Lebensreise schon immer in Ecken, die ansonsten unbehaust, gegenüber Fremden nicht selten sogar feindselig sind. Seit den ersten Veröffentlichungen vor 25 Jahren lotet der englische Produzent und DJ aus dem landschaftsgärtnerisch bedeutsamen Somerset unter tausend Pseudonymen die Kongruenz schwer vereinbarer Klangwelten aus. Auf seinem neuen Album tut er es nun aber wieder unter seinem Geburtsnamen und macht damit kurz Rast auf dem Weg elektronischer Grenzerfahrung, der ihn von Ambient über Trip-Hop bis zum robusten Techno und zurück an diverse Orte des Digitalen geführt hat.

Auch Under The Sun ist vornehmlich am Rechner generiert; doch viele der 16 Songs klingen erdnah nach Folk, als hätte er sie im Grünen anstatt in seinem australischen Studio aufgenommen. Schon das Auftaktstück mit Fragezeichen im Titel wabert aus den Boxen wie vertonter Nebel, bevor Give It Your Choir im Anschluss schwer an Woodstock erinnert. Das aber ist nur der Prolog einer Nachtfahrt, die permanent das Analoge im Artifiziellen sucht. Und findet. Beats sind darauf eher selten zu finden. Lust am Experiment jenseits aller Struktur dagegen dauernd. Mark Pritchard eben, der Soundvagabund.

Mark Pritchard – Under The Sun (Warp)

Hype der Woche

Lemo_Album_Cover Stück_für_Stück_500Lemo

Es gibt zurzeit etwas Unmut über eine populäre Band, die nur drei der vier Mitglieder im Namen trägt, als gehört Bassist Malte Huck gar nicht zu AnnenMayKantereit. Was sollen da erst die Herren Hillebrand, Pohn, Schartlmüller, Marageter und Martin sagen, denen ein gewisser Clemens Kinigadner die Erwähnung verweigert, obwohl sie musikalisch eine Menge beigetragen zu einer Band, die nur nach einem benannt ist, nämlich Kinigadner, genannt LEMO, dessen neues Album ziemlich exakt so klingt wie AnnenMayKantereit(Huck)? Beide machen eine Art Neofolkpop mit extrem tiefer Stimme zu hingebungsvoller Poesie urbaner Lebenswelten. Bevor man LEMO nun den Ritt einer Erfolgswelle unterstellt, muss man aber wissen, dass Stück für Stück bereits der Nachfolger zweier Platten ist, die daheim in Österreich gut gelaufen sind. Klingt also nur nach einem Abklatsch, ist aber durchaus eigensinnig und abzüglich strunzblöder E-Gitarrensoli nicht nur für Fans von AnnenMayKantereit durchaus hörbar.

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