Beat Bugs: Kinderspaß & The Beatles

imagesThe Beetles

Natürlich ist es auch ein zielgerichtetes Vermarktungskonzept, wenn fünf animierte Käfer ab heute auf Netflix zu 50 Beatles-Stücken die Welt erklären. Doch darüber hinaus sind die Beat Bugs zauberhafte Unterhaltung für Kinder und ihre Eltern.

Von Jan Freitag

Das ewig zappelnde, von Abermillionen Schnitten, Sprüngen, Twists zerhackte, vor Modernität ganz aufgeregte Fernsehen ist selbst im Zeitalter der Streamingdienste gelegentlich für Nostalgie gut. Wer eine Animationsserie auf Netflix anschaltet, in der fünf ziemlich menschliche Krabbelwesen ziemlich menschliche Dinge im ziemlich menschenleeren Hinterhof einer amerikanischen Kleinstadt erleben, dem drohte normalerweise ein heillos überdrehter Soundtrack mit Geigenterror, Grundraunen, Dauergebrüll und falls überhaupt mal echten Liedern, dann solchen zeitgenössischer Retortenstars. Was man darin eher weniger erwarten sollte, wären demnach: Die Beatles.

Die wer? dürfte die Zielgruppe der Beat Bugs da rufen. Das Quartett aus Liverpool mag ja auch gut 50 Jahre nach ihrem Karrierestart auf Hamburgs Reeperbahn weltweit die meisten Schallplatten in Umlauf gebracht haben; im Gedächtnis gewöhnlicher Kids vorm Eintritt ins Jugendalter ist sie in etwa so präsent wie, sagen wir: Hans Albers. Da ist es also nicht nur ausgesprochen nostalgisch, sondern geradezu abenteuerlich, ein Kinderformat ausgerechnet mit den Songs der Fab Four zu dekorieren. Einerseits. Andererseits erscheint dieser dramaturgische Kniff nicht nur besonders, sondern auch besonders klug.

Jay, Crick, Walter, Buzz und Kumi sind schließlich knuddelig kindgerechte Käfer – Englisch: Beetles – mit Kulleraugen, die nicht bloß das Publikum unter zwölf erreichen, sondern wenn möglich deren Eltern gleich mit. Und dafür eignet sich das Repertoire der vermutlich konsensfähigsten Band aller Zeiten natürlich bestens. Doch nicht nur das: Wenn das undefinierbare Kleingartenwesen Jay zum Auftakt der 26 Folgen in einer Dose gefangen ist und dringend Hilfe von seinen Freunden braucht, die über eine halbe Stunde hinweg so unterhaltsam wie anrührend zelebriert wird – womit ließe sich das akkurater vertonen als Lennon/McCartneys Überevergreen Help!?

Und wenn Stücke wie dieses dann noch durch populäre Stimmen verschiedener Jahrzehnte von Eddy Vedder, über Robbie Williams und Aloe Blacc bis Sia interpretiert werden, funktioniert das Konzept umso besser. P!ink zum Beispiel, auch sie längst generationenübergreifend als globaler Popstar anerkannt, spring der possierliche Buzz mit Lucy In The Sky With Diamonds zur Seite, als das Insekt Schlafstörungen hat und Unterstützung von einem Glühwürmchen mit Kaleidoskop-Augen namens, genau: Lucy braucht. Dass es im Original eigentlich um die Erfahrungen der Beatles mit psychoaktiven Substanzen geht, muss man den jungen Zuschauern ja nicht auf die Nase binden.

Ebenso wenig wie jene Marketingmaschine, die natürlich parallel zum heutigen Start längst läuft. Wer sich im Netz die ersten Teaser ansieht, kommt jedenfalls an der Werbekanonade eines Konzerns mit Apfel im Logo kaum vorbei, der den Soundtrack exklusiv vermarktet. Ob es für den australischen Show-Runner Josh Wakely wirklich so schwer war, wie er es vorab darstellte, an die Rechte der 50 Beatles-Songs zu kriegen, lassen wir daher mal dahingestellt; schließlich verdienen die Rechteinhaber bis heute an jedem Cover eifrig mit. Weniger zu bezweifeln ist hingegen Wakelys Aussage, es hätte von keiner anderen Band so ein reichhaltiges Angebot gegeben, „um meine Vision von Liebe erfüllter Moral für Kinder“ zu untermalen.

Und moralisch geht es natürlich zu, wenn die „Beat Bugs“ ihr vielschichtiges Leben im Hinterhof meistern. Aber eben auch ungeheuer charmant, meist lustig, sagenhaft unterhaltsam, selten so überdreht wie das sonstige Kinderangebot im kommerziellen Programm und mit diesem Soundtrack versehen, der endlich einmal nicht bloß nervt, sondern zum Mitsingen schön ist.

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