Wild Beasts, Hyroglyphic Being, DJ Khaled

TT16-BeastsWild Beasts

Einer der unterhaltsamsten Späße des Musikgeschäfts ist es ja, das Publikum mit verwirrenden Namen auf falsche Fährten zu führen. Der Black Rebel Motor Cycle Club hat diese Mimikri mit eher gefälligem Sound im Rocker-Gewand zur Perfektion getrieben, aber die Wild Beasts stehen dem in nichts nach. Der Name des britischen Quartetts klingt schließlich schwer nach Heavy Metal. Mindestens. Tatsächlich aber wird Hayden Thorpes soulig-swingender Falsett-Gesang allenfalls unterschwellig von einer härteren Gitarre begleitet. Im Kern steht auch auf dem fünften Album in nur acht Jahren ein atmosphärisch zuweilen schmutziger wirkender, aber klinisch rein produzierter Elektropop.

http://www.vevo.com/watch/GBA321600062?utm_medium=embed_player&utm_content=song_title&syn_id=af330f2c-5617-4e57-81b5-4a6edbef07cc

Dennoch hat sich auf Boy King verglichen mit den Vorgängern spürbar etwas verändert. Der Sound ist irgendwie hitziger, emotionaler, nicht so versiert, irgendwie sinnlicher als zuvor. Chris Talbotts Schlagzeug klingt zwar noch immer wie vom Drumcomputer, aber vor allem die Gitarre von Ben Little flattert manchmal fast tribalistisch durch die zehn Stücke hindurch. Trotz dieses Schweißes, der manchmal aus den Boxen zu tropfen scheint, bleibt der Stil im Ganzen aber angemessen steril für ein discoeskes Projekt dieser Art, das sich eher an Franz Ferdinand als, sagen wir, dem Funk orientiert. Gedanken über Tod und Liebe in plastinierter Versform – die Zehner sind noch immer ganz schön Eighties manchmal.

Wild Beasts – Boy King (Domino)

DownloadHieroglyphic Being

Wie Zehner die Zehner de facto dennoch grundsätzlich mal sind, selbst wenn sie manchmal ein wenig nach Siebziger klingen, belegt dann allerdings gleich wieder einer, der digitale Electronica in Reinform liefert: Jamal Moss. Als Hieroglyphic Being kredenzt der Sound-Koch aus Chicago wieder einen frisch verrührten Retrosound, den sich nicht ohne Grund das Ninja Tunes-Sublabel Technicolor unter den Nagel gerissen hat. Stilistisch gewohnt technoid, walzt sich The Disco’s Of Imhotep mit stoischem Bass und krachenden Beats durch begleitende Stile von Funk bis Jazz, ohne sich ans Analoge anzubiedern.

https://soundcloud.com/technicolour-music/hieroglyphic-being-spiritual-alliances-1

Kein Clap ist ihm dabei zu housig, kein Gefiepse zu experimentell, alles wächst von einem Genre zum anderen, bleibt dabei jedoch immer tief im Herzen jener Underground-Techno, dem der Fourtysomething einst entsprungen ist. So gesehen erscheint das neue Album nicht so richtig geeignet für den gemeinen Hausgebrauch; zu stakkatoartig, zu schnell, auch zu verstiegen manchmal. Trotzdem: wer wissen will, welche Möglichkeiten modernes DJing entfaltet, wird von Jamal Moss aka. Hieroglyphic Being so unterhaltsam wie kreativ belehrt. Und tanzen kann man dazu sowieso. Überall. Jederzeit.

Hieroglyphic Being – The Disco’s Of Imhotep (Technicolor/Ninja Tune)

Hype der Woche

COVERNORESIZEDJ Khaled

Es gibt da diese Szene einer Männergruppe in der Verfilmung von Ralf Königs legendärem Schwulen-Comic Der bewegte Mann. “Titten, Titten, Titten”, sagt einer der Teilnehmer darin, um seiner Suche nach Befreiung aus dem Gefängnis seiner eigenen Gruppenzugehörigkeit dialektisch Ausdruck zu verleihen. Was also bedeutet es, wenn Afroamerikaner obsessiv “Nigger” sagen, immer und immer und immer wieder – einen Akt der Selbstermächtigung, der Selbstverortung, der Selbstbefreiung? Im Falle von DJ Khaled kann es nur heißen – tja, Selbstkommerzialisierung? Der Großproduzent hochgetunten HipHops lässt seinen Gastmusiker Jay Z das Wort jedenfalls schon vorm ersten Refrain seiner neuen Platte neunmal Nigger durchdeklinieren und zeigt damit trotz des sozialkritischen Subtextes rassistischer Diskriminierung in den USA, was sein neuntes Album wie all die monstererfolgreichen zuvor will: Nichts besonderes, außer mit schwarzem Rap weißes Geld verdienen. Mit tollen featurings von Kendrick Lamar über Lil Way bis Wiz Khalifa und wie sie aus dem Geldadel des Genres auch alle heißen, liefert Major Keys (Sony) natürlich perfekte zubereitete Rap-Ware ohne Fehler im System, die dem Verantwortichen dahinter gewiss noch ein paar mehr Instagram-Follower bringt, musikalisch aber nichts außer Nigganigganigga. Ach ja – Tittentittentitten gibt’s natürlich auch. Schnarch.

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