Franka Potente: Hollywood & Island-Krimis

interview-mit-franka-potente-100_v-standard644_f4249aIch will am Alltag teilnehmen

In der kleinen Schar international bekannter Schauspielerinnen aus Deutschland, ist Franka Potente die einzige mit Arbeit. Dennoch kehrt sie fast 20 Jahre seit ihrem Durchbruch mit Lola rennt immer mal wieder vom Wohnsitz L.A. zurück in die alte Heimat – von der sie diesmal allerdings gleich wieder abflog: Im Island-Krimi (Foto: Frank Lübke/Degeto) folgt sie ab heute Abend dem Drang der ARD, hiesige Ermittler als Kommissare in Urlaubsparadiese zu schicken. Ein Gespräch mit der 42-Jährigen aus Münster über Pragmatismus bei der Rollenwahl, die Synchronisation ihrer selbst und warum sie durchaus zum Tatort bereit wäre.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Frau Potente, Sie haben seit 2007 nur selten in Deutschland gearbeitet. Das Pro7-Remake Die Brücke, später der Kriegsfilm Laconia, zuletzt 2001 Beate Uhse – hab ich was vergessen?

Franka Potente: So genau hab ich das nicht im Kopf, aber das dürfte hinkommen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie deutsche Produktionen aus?

Nach ganz pragmatischen. Wie Sie sicher wissen, hab ich in Amerika Familie. Und mit zwei kleinen Kindern muss man sich generell anders organisieren als ohne. Zumal ich überhaupt nicht gern über einen längeren Zeitraum ohne meinen Mann und unsere Töchter bin. Wenn etwas jenseits des Atlantiks stattfindet, muss mir also nicht nur das Drehbuch gefallen, sondern auch, wie es sich organisieren lässt. Als ich kürzlich eine britisch-amerikanische Serie mit Tom Hardy in England gedreht habe, gab es immer mal wieder ein, zwei Wochen frei, um zurück nach L.A. zu fliegen.

Und wie ließ sich der Dreh in Island organisieren?

Sehr gut, meine Familie war mit dort. Sonst hätte ich es über einen so langen Zeitraum von fast drei Monaten auch nicht gemacht.

Was hat Sie noch von der Reihe überzeugt?

Machbarkeit und Drehbuch, bessere Gründe gab es nicht.

Nicht vielleicht der Drehort?

Island ist natürlich ein extrem spannender. Aber der Drehort ist für mich selten entscheidend, weil man am Ende ja doch die ganze Zeit am Arbeiten ist und wenig vom Land mitkriegt. Das hole ich dann lieber privat auf Reisen nach. Trotzdem fand ich natürlich auch Solveig interessant, eine Figur, die etwas sehr Menschliches, Unperfektes, manchmal fast Tollpatschiges hat. Das unterscheidet sie von vielen Krimicharakteren.

Merkt man dem Drehbuch von Don Bohlinger an, dass es ein Amerikaner auf Englisch für den deutschen Markt geschrieben hat?

Womöglich. Was aber kein Problem ist, wie ich finde. Hermann Hesse hat Siddhartha ja auch geschrieben, ohne je in Indien gewesen zu sein.

Von Karl Mays Winnetou ganz zu schweigen…

Sehen Sie! Aber hier geht es ja sogar noch weiter: Am Set wurde dreisprachig gesprochen – Isländisch, Englisch und Deutsch. Das war manchmal schon chaotisch und führte dazu, dass nicht alles immer wie aus einem Guss wirkt. Vielleicht wäre es besser gewesen, alles in Bohlingers Original zu machen; in Übersetzungen geht ja immer ein bisschen verloren. Trotzdem hat es gut geklappt.

Wie ist es denn, sich hinterher selbst zu synchronisieren?

Ach, das hab ich schon so oft gemacht. Reine Routine. Zumal man auch bei deutschen Produktionen hinterher immer noch für die Sprachkorrektur ins Synchronstudio muss. Das gehört dazu. Trotzdem: Original ist Original. Deshalb synchronisiere ich nicht unbedingt gerne.

Sie haben jetzt zwei Island-Krimis abgedreht. Gibt es eine Option auf weitere Teile?

Keine offiziell formulierte. Die ARD schaut halt, wie es läuft, und wenn die Quote stimmt, wird bestimmt überlegt. Auch da stellt sich wieder die Frage, wie man so zusammenkommt, aber ich wäre grundsätzlich Fall bereit.

Wäre das dann nicht schon eine Vorstufe zur Tatort-Kommissarin?

Kann schon sein. Aber diese Regelmäßigkeit kann ich mir grad überhaupt nicht vorstellen. Mein Lebensmittelpunkt ist Amerika, und ich will am Alltag teilnehmen, also auf keinen Fall eine Mutter sein, die ihre Kinder zum Geburtstag nur anruft. Alles, was in Europa stattfindet, muss ich individuell entscheiden.

Steht da demnächst denn etwas an?

Im Moment ist noch nichts spruchreif, aber ich schreibe auch gerade ein Drehbuch, gemeinsam mit Family füllt mich das vollständig aus. Mehr Arbeit brauche ich zurzeit nicht.

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