Oppositionsmedien & Hotelhauptrolle

TVDie Gebrauchtwoche

20. – 26. Februar

Wir, „die Medien“, sind jetzt also Oppositionspartei, die man daher ausschließen könne, ja müsse, sofern sie dem US-Präsidenten wie die New York Times und CNN nicht bedingungslos huldigen. So sagte es Donald Trumps externes Bauchgehirn Steve Bannon. Das gilt zwar vorerst nur fürs Weiße Haus, wo vor gut vier Wochen bekanntlich die einzige, die ewige, die letztgültige Wahrheit mit viel Trara eingezogen ist. Aber wer weiß – weil diese wahre Wahrheit keinerlei Vermittlung durch so etwas Profanes wie „die Medien“ bedarf, könnten sie auch hierzulande irgendwann auf der Oppositionsbank sitzen, statt bloß darüber zu berichten.

Ob sich der Tonfall dann wieder so verschärft wie zu jener Zeit, in der Wolfgang Petersens Welterfolg Das Boot spielt, von dem Andreas Prochaska für Sky bald eine Serienfortsetzung dreht, darf man dennoch bezweifeln. Auch ins Spätmittelalter von Martin Luther, dessen Frau Katharina der ARD in Form eines Biopics vorigen Mittwoch gut sieben Millionen Zuschauer beschert hat, wird der antiquierte Gesellschaftsansatz vieler Rechtspopulisten wohl kaum münden. Aber wohin genau? „It’s exiting“, würde der Empörungsprofi Trump da wohl twittern.

Es bleibt spannend.

Allerdings nicht in einer etwas weniger weltbewegenden Sache: Pastewka kehrt als Pastewka zurück. Endlich. Wenngleich nicht zu Sat1, sondern Amazon Prime, eine Art neoliberaler TV-Entsprechung des US-Präsidenten, die mit allen Mitteln der Sozial- und Umweltverachtung ihren Profit maximiert, was die Vorfreude aufs Comebeck der besten deutschen Sitcom nach drei Jahren Pause ein wenig trübt. Auch, wer sich auf Harald Schmidts Nebenrolle im Schwarzwald-Tatort gefreut hat, wird enttäuscht: Der Entertainment-Rentner hat dem SWR kurzfristig abgesagt. Einfach, weil er es sich leisten kann, anderen Menschen und ihren Plänen so rüde vor den Kopf zu stoßen. Ein Jammer, wenn Größe von einst zu Altersstarrsinn schrumpft.

0-FrischwocheDie Frischwoche

27. Februar – 6. März

Und damit zur Jugend, die im Serienstart der Woche eine Hauptrolle hat. Ab Donnerstag (20.15 Uhr, Arte) spielt die junge Lynn van Royen das belgische Provinzgewächs Kato, die sich blutend in der Badewanne von Zimmer 108 eines wallonischen Provinzhotels wiederfindet. Dummerweise ist Kato tot, wandelt aber weiter unter Lebenden, von denen einige (wie ihre Mutter) durch die Leiche hindurchsehen, während andere (wie ihr Vater) sie als leibhaftig wahrnehmen. Die Figurenzeichnung glaubhaft, die Atmosphäre dicht, die Bildsprache stimmig – all das macht die Jagd einer Toten nach dem Mörder ihrer selbst anders als hierzulande auch nur denkbar irgendwie – lebendig.

Dagegen dürfte die Verleihung der Goldenen Kamera im ZDF zwei Tage später bei allem Glamour an einen Totentanz erinnern. Den man nicht nur deshalb besser nicht mit den Oscars am Sonntag zuvor vergleicht, dessen Highlights ProSieben heute um 17 Uhr zeigt. Weil Serie das neue Kino ist, müssten da eigentlich längst auch neue Streams wie Greenleaf um das dunkle Geheimnis eines amerikanischen Bischofs (Ab Freitag auf Netflix) oder der Mystery-Zehnteiler Stan Lee’s Lucky Man um einen vom Pech verfolgten Mordermittler in London prämiert werden, den ein magischer Deal zum Glückspilz macht (ab Mittwoch auf Sky).

Fiktional ist die Woche dagegen eher dünn bestückt, weshalb es nur Sachliches zu empfehlen gibt. Die heutige Dokumentation Evangelium etwa (Arte, 23.35 Uhr) über einen Regisseur zum Beispiel, der mit Bewohnern eines italienischen Flüchtlingscamps ein biblisches Theaterstück inszeniert. Tags drauf widmet der Kulturkanal der Oktoberrevolution zum 100. Geburtstag ab 20.30 Uhr einen fast fünfstündigen Schwerpunkt mit Lenin-Porträt und Russland-Analyse, bevor dort am Mittwoch um 21.40 Uhr das Hohelied auf New Orleans gesungen wird und wie sich die Stadt vor zwölf Jahren musikalisch von den Folgen des Hurricans Katrina befreit hat.

Parallel dazu betreibt die ARD wieder und wieder und wieder ihr nie endendes Sponsoring der öffentlich-rechtlichen Cashcow FC Bayern München, dessen sportlich erwartbar irrelevantes Heimspiel im DFB-Pokal gegen Schalke anstelle eines Spiels mit offenem Ausgang übertragen wird. Apropos kostenlose Werbung: Am Donnerstag (13.45 Uhr) zeigt ZDFinfo die gewiss sehr interessante Doku Reklame fürs Volk über selbige in der DDR, was übergangslos auf die farbige Wiederholungen der Woche verweist: Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett (Montag, 20.15 Uhr, BR), eine Klamotte mit Heinz Erhardt als Fabrikant auf Urlaub unterm Pöbel, die 1962 im Grunde ein 90minütiger Verkaufsclip zum gleichnamigen Schlager war, dessen Peinlichkeit ein merkwürdiges Bild auf unsere Eltern wirft, die sich damals über sowas beömmelt haben.

Tatsächlich brüllend komisch war 2010 hingegen der hinreißende Mehrteiler vom österreichischen Regie-Genie David Schalko Aufschneider mit Josef Hader als Pathologe im Clinch mit den Ärzten über Tage (Montag, 23.10 Uhr, 3sat). Und weil es diese Woche nix Schwarzweißes von Belang gibt, gleich zur Tatort-Wiederholung am gleichen Tag (20.15 Uhr, RBB): Der lange Arm des Zufalls mit Boris Aljinovic, der es in seinem zweiten Fall als Berliner Kommissar Stark 2010 mit dem missglückten Überfall auf einen Geldtransporter zu tun kriegt.

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