Katie Von Schleicher, Japanese Breakfast

Katie von Schleicher

Es ist bekanntlich ein unterhaltsames Spielchen, den Klarnamen seltsam bezeichneter Menschen im Musikbetrieb nachzuspüren. Elvis Hitler – ja, den gab’s im Psychobilly der Achtzigerjahre wirklich mal – zum Beispiel ist erkennbar ein Fake, Elvis Costello allerdings auch, von Marilyn Manson, Alice Cooper, Roy Black ganz zu schweigen. Aber Katie Von Schleicher? Klingt für eine Amerikanerin eigentlich etwas artifiziell, um wahr zu sein. Steht jedoch offenbar im Pass – und somit für etwas anderes, das die Songwriterin aus New York kennzeichnet. Sehr eigenwilligen, manchmal fast verschrobenen, überwiegend bemerkenswerten Alternative-Pop.

Fehlt nur noch ein Attribut: dunkel. Das wurde der Mittzwanzigerin mit Wohnsitz Brooklyn nach ihrer EP Bleakspoitation vor gut einem Jahr angehaftet, stimmt aber nicht so ganz.  Atmosphärisch mögen viele der elf Tracks zwar gelegentlich an Tori Amos erinnern, stilistisch hingegen (und ein bisschen auch optisch) steht Katie Von Schleicher der hinreißenden Leslie Feist weit näher. Ihre Gesang scheint aus dem selben Resonanzraum zu kommen – leicht zerbrechlich, aber zäh und seltsam kraftvoll, begleitet von einer zurückhalten, nie nachrangigen Melange aus verwitterten Synths, plötternden Keyboards und einer wirklich lässigen Gitarre im Wind. Solche Debüts machen die Namen dahinter ziemlich egal.

Katie Von Schleicher – Shitty Hits (Full Time Hobby)

Japanese Breakfast

Musik ist bekanntlich ein probates Mittel der Trauerverarbeitung. Beim Hören wie beim Machen befreit sie das Herz schließlich gut vom Schmerz oder macht ihn zumindest erträglich. Michelle Zauner, zuvor Sängerin der Emorock-Band Big Little League, hat daher im vorigen Jahr versucht, den Krebstod ihrer Mutter mit einem Solo-Album zu bewältigen – und war damit offenbar erfolgreich. Klang Psychopomp zuvor zwar trotzig, aber unverkennbar bekümmert, scheint der Nachfolger Soft Sound From Another Planet die Phase der Aufarbeitung auf den Weg kämpferischer Selbstermächtigung verlassen zu haben.

Vom Tonfall her wie Andy Warhols Muse Nico, nur mit weniger Kühle im Ausdruck, ringt Michelle Zauner spürbar befreit ums Gleichgewicht ihrer wunden Seele. In Stücken wie dem kratzbürstigen Opener Diving Woman etwa steckt dabei viel Sonic Youth, in poppigeren wie This House reichlich Gefühlstheater. Und zwischendurch hat sie das Gewesene gar so kompensiert, dass Machinist mit scheußlich verzerrtem Disco-Quark bestrichen wird. Mut zum Mainstream im Seitenarm des Alternative – wer sich sowas traut, kommt wieder ganz gut mit sich selbst zurecht.

Japanese Breakfast – Soft Sound From Another Planet (Dead Oceans)

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