2 Bier – 1 Platte

Meute & Miles Davis

Meute aus Hamburg spielen analogen Techno. Die elfköpfige Marching Band bedient sich dafür altbekanntem Liedgut, zum Beispiel von Trentemøller oder Âme. Nach zwei Jahren auf großen Festivals und Guerillakonzerten auf Europas Straßen, haben sie im Oktober ihr Debutalbum Tumult veröffentlicht. Die große Tour beginnt Mitte November. Thomas Burhorn, Kopf und Trompeter vom Meute, erzählt im Interview von seinem musikalischen Vorbild: Miles Davis. Heute bei Wasser statt Bier – Medium Sprudel.

Interview: Marthe Ruddat

freitagsmedien: Miles Davis als musikalische Inspiration überrascht bei dir ja wenig. Bist du über die Trompete zu seiner Musik gekommen?

Thomas Burhorn: Ich spiele Trompete seit ich acht oder neun bin, aber es dauert ja immer ein bisschen, bis sich der eigene musikalische Horizont erweitert und man herausfindet, wofür man sich wirklich interessiert.  Wenn man Trompete spielt, landet man automatisch irgendwann auch bei Miles Davis. Kurz vor seinem Tod Anfang der Neunziger hat er dann eine Biografie rausgebracht, da war ich ungefähr 16. Ich habe die Biografie verschlungen, weil sie total spannend war.

Miles Davis gilt als einer der einflussreichsten Jazzmusiker aller Zeiten. Er brachte mehr als einhundert Alben heraus. Sein Schaffen in wenigen Sätzen zusammen zu fassen, ist unmöglich. Eine Biografie könnte da helfen, es gibt so einige. Davis selbst hat kurz vor seinem Tod eine Autobiografie veröffentlicht.

Was unterscheidet Davis von anderen Jazzmusiker*innen?

Miles Davis war ein ganz besonderer Typ, der auffiel. Er hatte Rückgrat und hat sich nicht verbiegen lassen. Trotzdem hatte er einen Sinn dafür, seine Musik an den Mann zu bringen. Manche Musiker, auch im Jazz, sind sehr idealistisch, da kommt dann am Ende nicht viel bei rum. Er hat irgendwie beides geschafft: verkaufen und sich selbst dabei nicht verkaufen. Deshalb war er und ist er nach wie vor auch ein persönliches Vorbild. Und dann ist da natürlich noch das Musikalische.

Inwiefern?

Miles Davis ist ja einfach ein roter Faden, der sich durch die ganze Jazzgeschichte zieht. Er hat mehrmals in seinem Leben Meilensteine gesetzt und stilprägende Alben heraus gebracht. Er hat die wahnsinnigsten, hervorragendsten Musiker zusammen gebracht und es geschafft mit ihnen Musik zu machen, in der es nicht um bloße Virtuosität geht. Wenn du dir die Namen anschaust – Wayne Shorter, Herbie Hancock und so weiter – die könnten ganz andere Dinge spielen. Miles Davis hat mit seinen Liedern immer den Kern der Musikqualität aus den Leuten geholt.

Die Auswahl an Lieblingsalben wäre bei Miles Davis groß gewesen. Du hast dich für A Silent Way entschieden. Warum?

Klar, es gibt auch andere tolle Alben von ihm. In der Musik von A Silent Way ist eine Magie, die mich besonders berührt hat. Mit diesem Album hat Davis den Grundstein für elektronische Musik gelegt und die hat mich schon immer interessiert. Ich meine eine ganz andere Art und Weise als beispielsweise Kraftwerk elektronische Musik beeinflusst haben. Davis hat Jazz und elektronische Musik auf eine ganz freigeistige Art zusammen gebracht. Musik ohne Gesang, die etwas sehr Hypnotisches, Repetitives hat und der Vorreiter für elektronische Musik war. Er hat eine Musik kreiert, die Tiefe hat und einen in eine ganz andere Welt zieht.

A Silent Way erschien 1969 und besteht aus genau zwei – jeweils 18 bzw. 19 Minuten langen – Songs. Bei den Aufnahmen wurde Davis von zahlreichen namhaften Musikern unterstützt, so zum Beispiel Chick Corea und Herbie Hancock.

Du hast gesagt, Davis ist auch ein persönliches Vorbild. Er galt allerdings nicht gerade als einfacher Mensch…

Klar, Davis hatte seine persönlichen Probleme. Viele Drogengeschichten, er war eine Zeit lang Zuhälter. In seiner Biografie geht er damit sehr selbstreflektiert um und gibt sich auch selbstkritisch. Ich glaube, er war trotzdem ein Typ, bei dem man immer wusste, woran man ist, nicht so unberechenbar wie Klaus Kinski. Im musikalischen Bereich war er nicht unangenehm, eher rigoros. Ich kannte ihn ja nicht, aber so schätze ich ihn ein. Er hat sich einfach vieles nicht gefallen lassen. Deshalb glaube ich: Wenn er persönlich wurde, dann war auch immer klar warum. Und wenn nicht, dann gab es da halt auch noch dieses Drogenproblem. Es gibt doch aber keine Person, die zu 100 Prozent ein Vorbild für jemanden ist. Man kann sich aber die Scheiben abschneiden, die für einen selbst beeindruckend sind. Und die Seiten, die man doof findet, die muss man akzeptieren oder sich eben überlegen, wie man damit umgeht. Ich bin ja aber auch nicht der totale Miles Davis-Sektenjünger.

Davis wird zum Teil nachgesagt, Stilkrisen durchlitten zu haben. In Folge dessen habe er sich dann neu erfunden und neue Stile geprägt. Hast du so etwas auch schon mal erlebt?

Ich würde das niemals als Stilkrisen bezeichnen, ganz im Gegenteil. Ich finde es eine bewundernswerte Gabe, immer wieder neue Dinge zu machen und zu erfinden. Selbst wenn das aus einer Krise heraus geschieht. Ich selbst habe eigentlich schon vor langer Zeit beschlossen, keine Band mehr zu haben. Ich hatte schon damit abgeschlossen – zu viel Arbeit. Insgeheim hatte ich aber immer für mich in Klammern gesetzt: Es sei denn, es entsteht eine Sache, mit der wir neue Maßstäbe setzen könnten. Und das zum einen aus der schöpferischen Leidenschaft heraus. Zum anderen will man ja aber auch, dass die Leute interessiert, was man macht. Und das ist nun mal meistens bei neuen Sachen so. Ich glaube, das haben auch die Künstler gemeinsam, die immer viel auf Tour sind: Sie haben ihr eigenes Genre kreiert. Rammstein oder Deichkind beispielsweise, die haben etwas ganz Neues geschaffen.

Wäre Miles Davis ein Mitglied Deiner Wunschband?

Meine jetzige Band ist eigentlich meine Wunschband. Wirklich.

Burhorn’s Wunschband startet am 16. November ihre große Tour in Bremen. Am 24. November haben sie Heimspiel in Hamburg, das Konzert ist allerdings bereits ausverkauft. Alle Infos zu weiteren Terminen und dem Album gibt’s auf den klassischen sozialen Kanälen und hier.

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