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Franz Ferdinand

Was man über Franz Ferdinand unbedingt noch mal sagen müsste? Eigentlich nichts. Warum auch? Das Quintett aus Glasgow dürfte ohne eine messbare Zahl an Gegenstimmen zur besten Band der New Wave of New Wave zählen, die den Alternative Rock mit Post Punk zum neuen Genre vermengt hat, das mit Franz Ferdinand eigentlich ganz gut umschrieben wäre. Glamour, Garage, Sinfonik, Dreck, Charisma – alles vom ersten Album vor 14 Jahren an, die in keiner Liste der besten Platten des Pop fehlt, schon drin und nie wieder weg. Da ist es schwer, das Niveau zu halten, geschweige denn, zu steigern. Was Franz Ferdinand mit ihrer (tatsächlich erst) fünften Studio-Platte entsprechend nicht schaffen. Dass sie dennoch rundum gelungen ist, ein episches Meisterwerk des zeitgenössischen Indierock, spricht für sich.

Ohne den langjährigen Lead-Gitarristen Nicholas McCarthy, dafür mit dem Studiovirtuosen Philippe Zdar (Cassius) als Produzent, erinnert Always Ascending oft ans selbstbetitelte Debüt von 2004 und emanzipiert sich gleichsam von der Legende. Die Keyboards sind präsenter als damals, die Samples flächiger, die Riffs dafür etwas weniger voluminös. Alles klingt verkopfter, was bei einer derart ausgefuchsten Band mit einem Entertainer wie Alex Kapranos am Mikro schon was heißen will. Und dennoch treibt Paul Thomsons Schlagzeug die zehn Stücke vom Opener an zu so virtuoser Dynamik, dass man sich sofort in eines der unübertroffenen Live-Konzerte träumt. Wenn die Retorte nach ganz großer Bühne klingt, ist man ziemlich sicher im Himmel des Britrock. Bei Franz Ferdinand.

Franz Ferdinand – Always Descending (Domino)

Nick J.D. Hodgson

Wenn man einer der fabelhaftesten Bands des Britrock entstammt, liegt die Messlatte für eine Solo-Karriere höher. Nick Hodgson war bis 2012 Drummer der Kaiser Chiefs, die auch dank seines angenehm reservierten Schlagzeugs schon bei der Gründung erwachsener klangen als Gleichaltrige. Zu verdanken war dies auch seinem Songwriting, das ihm bei aller Melodramatik stets etwas Distanziertes, ja Rätselhaftes verliehen hat. Ähnlich wie Hodgsons H.D. zwischen Vor- und Nachname, unter denen er nun ohne die Kaiser Chiefs auf Reisen geht. Doch dann beginnt Tell Your Friends wie ein Sommerhit der frühen Siebziger: atmosphärisch noch Blumenkindern nah, musikalisch schon Glamrock.

Das klingt kurz ein bisschen durchlässig und dünn. Mit jedem Stück allerdings entfaltet dieses bemerkenswerte Debüt an der Seite von Musikern, die bis auf den Sänger laut Cover und Inlet offenbar nicht der Rede wert sind, eine sehr, sehr lässige Dynamik. Das Geigengespinst über der Single-Auskopplung Suitable zum Beispiel bedeckt nicht etwa den Staub ausgedudelter Westcoast-Harmonien, sondern schwelgt überaus eigensinnig im Augenblick. Tell Your Friends ist kein Evergreen wie vor 13 Jahren Employment, gewiss. Aber ein Bündel guter Songs mit frischer Aura.

Nick J.D. Hodgson – Tell Your Friends (Prediction Records)

Leyya

Mit einem Bündel solcher Songs kam 2015 auch Leyya aus Österreichs tiefster Provinz ums Eck der Club-Szene größerer Städte geschlichen und ist seither einfach drin geblieben. Spanish Disco hieß ihr Debütalbum vor knapp drei Jahren. Mit spielerischer, oft leicht arroganter Nonchanlance kreierte es seinerzeit einen putzigen Mix aus Trip-Hop und Engelspop, der in schlechteren Momenten an 2raumwohnung erinnerte, in besseren an Róisín Murphy mit mehr Verve. Mittlerweile ist das Duo nach Wien gezogen, wo Marco Kleebauer und Sophie Lindinger den Nachfolger Sauna produziert haben. Nun kann die große Stadt, das lehrt die Erfahrung, ebenso Mainstream bedeuten wie Subkultur. Eingeflossen ist beides.

einige der 13 Stücke wie Oh Wow quälen sich durch Quark gleich ins Unterbewusstsein und fordern durch disruptives Raunen Aufmerksamkeit. Das hittaugliche Dancepop-Gespinst Zoo dagegen dringt ohne Umweg ins Gemüt und flattert mit einer famosen Saxophonspur herum. Der Text verweist dann allerdings darauf wie das Duo weiter um Trotz bemüht ist: „Don‘t believe what they say about me / don’t believe a word“, haucht Sophie unter Marcos Electrowispern durch, „ don‘t believe a word“. Leyya, so sagt uns dieses Lied, will niemandes Liebling sein und ist es doch für viele. Könnte schlimmer kommen.

Leyya – Sauna (LasVegas Records)

Hype der Woche

The Dead Brothers

Ferner vom Mainstream, ferner überhaupt von Pop und Radio und allem, was der Konsumgesellschaft ohne Umwege übers Gehirn vom Ohr in den Geldbeutel springt, sind die Dead Brothers aus Genf. Das Quartett um den singenden Songwriter Alain Croubalian mischt seit fast 20 Jahren Country, Tango, Folk, Blues und Walzer zu einer Art alpinem Western-Chanson, der das Metier massenkompatibler Berechnung ganz klein und ärmlich erscheinen lässt. Auch das siebte Album Angst (Voodoo Rhythm Records) reitet in seinem deutsch-französischen Esperanto durch die Schweizer Berge und lässt dazu so beherzt Geigen, Tuba, Banjo, Wurlitzer, Zithern oder Dudelsäcke durcheinander rauschen, dass man diesen Soundtrack nie wieder abstellen will. Sicher, manchmal ist das ein bisschen betont folkloristisch. Darunter aber schimmert immer wieder der Wille durch, Musik in ihrer ursprünglichen Dringlichkeit zu zelebrieren. Das gelingt den Dead Brothers erneut zum Niederknien schön.

 

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