Trevor Powers, Slaves

Trevor Powers

Im Kopf eines anderen zu sein, das hat schon der irre Experimentalfilm Being John Malkovich einst gezeigt, klingt fantastisch, kann furchtbar sein, in jedem Fall aber nach einer faszinierender Idee, der man sich zu gern mal hingeben würde. Denn wie es im Kopf eines anderen aussieht, das weiß bislang ja nur der (oder die) andere allein, Änderung (bislang) ausgeschlossen. Es sei denn, der (oder die) andere lädt uns bereitwillig ein, den Kopf zu besteigen. So wie Trevor Powers. Das Solodebüt des Amerikaners nämlich klingt so derart nach einer Reise durchs Innere seiner wirren Gedankenwelt, dass es eigentlich Being Trever Powers heißen müsste.

Der Titel lautet allerdings Mulberry Violence und ist ein Konzeptalbum, das er abseits seines bisherigen Projektes Youth Lagoon mit Freunden und Kollegen auf einer texanischen Obstplantage eingespielt haben soll. Von so viel Natürlichkeit ist darin allerdings wenig zu spüren. Die Texturen, Töne, Arrangements klingen vielmehr nach einer psychotischen Rundreise durch sein Seelen(un)heil. Ein Track nach dem anderen schrubbt sich mit Fiepsen, Piano, Rauschen, Drums, Sägen, Synths, Scheppern, Kazoo, Grunzen und seiner kratzenden Falsettstimme zu einer Art avantgardistischen Ethnonoisepop, bei dem man besser horizontal auf der Couch liegt. Dann aber ist es ein echtes Klangerlebnis im Chaos.

Trevor Powers – Mulberry Violence (Baby Halo)

Slaves

Im Rahmen des Handelsüblichen herrscht auch im neuen Album der Slaves ein angemessenes Durcheinander. Das Metier des Duos aus der Grafschaft Kent ist schließlich eine Form von Garagenrock der diesen Titel auch wirklich verdient. Isaac Holman legt seinen Cockney-Slang dabei so breit übers eigene Schlagzeug, dass sein Partner Laurie Vincent kaum anderes, als Bass und Gitarre tief in die Hüfte zu hängen und derart rotzig zu verzerren, als wären die artverwandten Sleaford Mods Regensburger Chorknaben. Dass sie damit ihre ersten zwei Platten in die heimischen Charts gebracht haben, spricht dabei unbedingt fürs dortige Publikum.

Denn auch Acts of Fear and Love drischt neun gar nicht mal kurze, aber wesensmäßig knackige Punkgewitter aus der Box, die alles Wunderbare am alten Britrock kompilieren und so durch den Fleischwolf ihres Furors drehen, bis einem selbst unter freiem Himmel förmlich Clubdeckenschweiß aufs Gesicht tropft. Dafür ist interessanterweise erneut kein übertriebenes Tempo nötig (das es natürlich dennoch oft gibt). Tracks wie das getragene Magnolia schöpfen ihre Geschwindigkeit vielmehr aus einer Intensität, in der die beiden den Raum mit Riffs und Wut verfüllen. Grandioses Album für die wirre Zeit, in der wir leben.

Slaves – Acts of Fear and Love (Universal)

 

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