Donalds Furor & Dunjas Fußball

Die Gebrauchtwoche

13. – 19. August

Es war ein weithin hörbares Fanal der Vernunft, als gut 300 US-Zeitungen von eher links bis erstaunlich weit rechts Donald Trumps Hetztiraden gegen die freie Presse in Leitartikeln kritisiert haben. Dass Journalisten keine „Volksfeinde“ seien, ist zwar eigentlich keiner einzigen Silbe der Erwähnung wert. Doch wie die Sturmhaubitze im Weißen Haus auf den konzertierten Debattenbeitrag vom vorigen Donnerstag reagierte, belegt dessen Notwendigkeit. Trump verkündete nicht nur die Vergabe eines „Fake-News-Awards“, was mit „würdelos“ nur unzureichend beschrieben wäre. Nein, der US-Präsident hetzte so aufpeitschend gegen den Initiator dieser lagerübergreifenden Aktion, dass der Boston Globe mit Mord- und Bombendrohungen eingedeckt wurde.

Der Medienkrieg von rechts geht also auch dort weiter, wo man es bis vor zwei Jahren wohl am wenigsten erwartet hatte. Wären die jüngst verkündeten Umstrukturierungspläne der Mediengruppe RTL derweil schon umgesetzt, könnte das vulgärste Senderfamilienkind darüber allerdings kaum noch berichten. Am Wochenende soll das ohnehin nicht allzu informative RTL2 nämlich gar keine Nachrichten mehr enthalten, während die am wochentäglichen Hauptabend um drei Stunden vor, also ins Nirgendwo der Aufmerksamkeit verlegt werden sollen.

Wer sowas wiederum an prominenter Stelle analysieren könnte, das wäre die herausragende Dunja Hayali. Bis in die tiefste Faser ihres Moderatorinnenleibs hinein vertrauenswürdig, hat sie zwar gerade mit Anschuldigungen zu kämpfen, die ihrer Integrität durchaus schaden; nach einem Bericht des Medienmagazin Zapp ließ sie sich schließlich als Moderatorin von PR-Veranstaltungen für die Glücksspiel- und Pharma-Industrie einspannen, was sich nur bedingt mit einer objektiven Berichterstattung über eben die vereinbaren ließe, wenn es darum in den Talkshows oder Morgenmagazinen der streitbaren Journalistin ginge. Trotzdem steht Dunja Hayali diese Woche wegen etwas völlig anderem im Fokus.

Die Frischwoche

20. – 26. August

Ab Samstag nämlich leitet die gelernte Sportreporterin erstmals das aktuelle sportstudio und kehrt damit nicht nur zu den beruflichen Wurzeln zurück, sondern stellt sich erneut voll in den Wind, besser: Sturm einer kleinen, aber lautstarken Gemeinschaft wütender Selbstdarsteller, die ihre Hasskommentare über Hayalis ersten Auftritt in der Männer-Domäne längst vorgefertigt haben. Vielleicht, sagte sie unlängst, „sollte ich mich absichtlich mit 1. FC Bayern München versprechen“. Vielleicht aber auch nicht, liebe Dunja Hayali. Ironie zählt ja nicht gerade zu den Kernkompetenzen besorgter Bürger und ähnlicher Ttrolle.

Aber auch sonst drehen sich einige der folgenden sieben Tage zentral um Hayalis große Leidenschaft – den Fußball. Weil die ARD heute den ganzen Abend über den prominenten Rest der ersten DFB-Pokalrunde überträgt, entfällt der vielfach sehenswerte Infotainment-Abend im Ersten, inklusive der Reportagen ab 22.45 Uhr. Durchaus positiv beeinflusst das ZDF hingegen den Sendeablauf am Freitag. Weil dort der Bundesliga-Auftakt zu sehen ist, entfallen die üblichen Krimi-Reihen. Geht doch. Heute Abend (21.55 Uhr) können Fußball-Nichtfans daher zu Arte schalten und die fabelhafte Tragikomödie Wir sind alle Astronauten über ein Pariser Ghetto-Hochhaus und seine Bewohner sehen, in fünf Tagen böte sich Netflix an.

Denn dort startet parallel zum 1. FC Bayern München gegen Arminia Hoffenheim erst die indische Eigenproduktion Ghoul um, hüstel, Terrorzombies auf dem Subkontinent, wofür man besser ein ausgeprägtes Faible haben sollte. Und dann geht der polnische Zehnteiler Ultraviolet online, in dem ein paar hippe Hacker freiwillig die Arbeit der unterforderten, tendenziell korrupten, oft politisch motivierten Polizei übernehmen. Das ist zwar keinesfalls die Neuerfindung des Krimi-Rades, entfaltet aber allem Anschein nach (vorab gab es leider nur Trailer und Originalepisoden ohne Untertitel zu sehen) einen angenehm spröden Charme.

Von dem kann in der Arte-Serie Elven ab Donnerstag (20.15 Uhr) mittlerweile nicht mehr die Rede sein. Obwohl der Achtteiler aus Norwegen stammt und somit atmosphärisch nur das Beste verheißt, reißt der Achtteiler um einen aufrechten Landpolizisten, der hoch im Norden zum Teil einer militärischen Verschwörung wird, selbst hartgesottene Fans skandinavischer Thriller nicht mehr vom Sitz. Das schafft Vox seit Jahren immer wieder mit seinem Doku-Marathon am Samstag. Diesmal widmet ihn das anspruchsvolle RTL-Senderfamilienkind viereinhalb Stunden lang dem King of Pop, der dieser Tage 60 Jahre alt geworden wäre.

Neun Jahre jünger als Mein Freund Michael ist die erste Wiederholung der Woche am Montag um 20.15 Uhr auf Arte: Der Mann vom Großen Fluss, ein legendärer Spätwestern mit James Stewart als Farmer, der seine Familie vom Sezessionskrieg bewahrt. Von 1981 stammt Indiana Jones und die Jäger des verlorenen Schatzes, den Kabel1 am Dienstag erstaunlicherweise erst nach dem drei Jahren jüngeren Tempel des Todes zeigt. Und verglichen damit ist der Tatort-Tipp ein echter Frischling. In Gefallene Engel von 1998 kriegen es die bayerischen Kommissare Batic und Leimayr mit einem Serienkiller zu tun.

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