Bildschirmbanner & gute Feinde

Die Gebrauchtwoche

3. -9. Dezember

Es fehlte eigentlich nur noch ein durchlaufendes Bildschirmbanner vom ersten Wahlgang inklusive Breaking News zur Kandidatenmimik vorm zweiten – der Medienhype um ein Ereignis, das in der Vergangenheit bestenfalls am Schluss der Tagesschau stattgefunden hätte, wäre komplett gewesen. Die senderübergreifende – gut, jetzt nicht bei den Privaten, also: die öffentlich-rechtliche Aufmerksamkeit für die Wahl der neuen CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer zeugt von einer tiefsitzenden Sehnsucht nach Relevanz demokratischer Prozesse, die der Populismus möglich gemacht hat.

Ihm dafür gleich zu danken, wäre sicher zu viel des Lobes ans freidrehende Blut-und-Boden-Lager. Aber man muss schon anerkennen, wie der politische Diskurs von rechts außen befeuert wird. Und amerikanische Verhältnisse, in denen die Fox-Moderatorin Heather Nauert von der Sprecherin des Außenministeriums zur UN-Botschafterin aufsteigt – so weit sind wir hierzulande zum Glück ja (noch) nicht (ganz). In Deutschland wird Mann (Steffen Seibert) eher mal vom heute– zum Regierungssprecher oder vom BamS-Vize mit Hitler-Fimmel (Nicolaus Fest) zum AfD-Aushängeschild (mit EU-Ambitionen).

Bevor Horst Seehofer zur FAZ wechselt und durch den rechtsgewendeten Ex-Linken Jürgen Elsässer ersetzt wird, der die Chefredaktion der neurechten Weltverschwörungspostille compact sodann an Friedrich Merz abgibt, feiert aber erstmal der Troubadour altrechter Heimattümelei seinen 80. Geburtstag: Heinz-Georg Kramm. Das ZDF, der Heimattümelei zumindest fiktional ja auch nicht vollends fremd, widmet dem nationalsten aller Volksmusiker morgen ein Porträt.

Die Frischwoche

10. -16. Dezember

Na, hoffentlich vergisst Mensch Heino zur besten Sendezeit nicht, wie weit rechts der Mitte die Schlagermaschine steht. Und damit am Gegenpol der Roten Kapelle, die im Nationalsozialismus gar nicht links stand, aber so grausam verfolgt wurde, dass sie im reaktionären Mainstream der jungen Bundesrepublik als Staatsfeind galt. Davon erzählt der Dokumentarfilm Die guten Feinde. Am Mittwoch um 22.45 Uhr erkundet Christian Weisenborn darin auf Arte, wie sein Vater dem NS-Terror knapp entronnen von den alten Eliten bis ins Grab als Volksverräter verfolgt wurde.

Schwer da eine Überleitung zur guten Unterhaltung dieser Woche zu finden. Weshalb wir einen Umweg in die, nun ja, gut gemeinte machen. Nachdem Sat1 Anfang des Jahres mit einer Verfilmung des Thriller-Fabrikanten Sebastian Fitzek (Das Joshua-Prinzip) baden ging, geht RTL mit einer weiteren Adaption zu Wasser. Passagier 23 bezeichnet das reale Phänomen, dass im Schnitt 20 Menschen pro Jahr von Kreuzfahrtschiffen verschwinden. Aus dieser Vorlage macht Alexander Dierbach ein Actionsdrama, in dem Lukas Gregorowicz den Verlust seiner eigenen Familie damit aufarbeitet, eine vermisste Frau an Bord zu suchen.

Schon spannend, aber leicht konstruierte Effekthascherei. Fitzek eben. Schon mysteriös, aber recht melodramatischer Durchschnitt. ZDF eben – muss man angesichts vom „Harz-Krimi“ sagen, in dem Josefine Preuß heute einem Geheimnis auf die Spur kommt, dass sie in die Untiefe ihrer Vergangenh… ups! War kurz eingenickt. Und wurde vom Rechtsmediziner (Tim Bergmann) als Hauptfigur (Dr. Abel) einer Krimi-Reihe (Zersetzt) nicht geweckt. Wahnsinnsidee. Vielleicht kopiert sie ja jemand in Hollywood und nennt es, sagen wir: CSI…

Dann doch lieber echtes Popcorn-Entertainment wie die ProSieben Wintergames, eine Art Wok-WM ohne Stefan Raab, gefolgt von drei Stunden Joko gegen Klaas, zusammengenommen 325 Minuten Riesenspaß für kleine Kinder im Körper großer Jungs. Riesenspaß für echte Erwachsene im Körper echter Erwachsener verspricht dagegen das Comeback von Ellen De Generis. Nach 15 Jahren Abwesenheit erklimmt sie am Samstag auf Netflix wieder die Standup-Bühne. Wer wirklich was aufs Zwerchfell braucht, sollte am selben Tag NDR einschalten, wo ab 23.10 Uhr das Beste vom Tatortreiniger läuft. Vier Stunden am Stück.

Und bereits eine Wiederholung der Woche wie das Politdrama Gewalt, Macht, Leidenschaft von 1976 (Montag, 21.50 Uhr, Arte) mit den sehr jungen Gérard Depardieu und Robert de Niro als Jugendfreunde, die der italienische Faschismus entzweit. Vereint werden dagegen Whitney Houston und Kevin Kostner in Bodyguard von 1992 (Dienstag, 20.15 Uhr, Kabel1), was sich allein schon wegen des Titellieds immer wieder lohnt. Schwarzweiß empfehlenswert: Karla, ein DEFA-Film von 1965, wo eine Lehrerin (Jutta Hoffmann) heute um 23.10 Uhr (MDR) ihrer Klasse zum Ärger der Staatsmacht das Denken beibringt. Dazu animiert der Tatort-Tipp jetzt weniger, aber wenigstens war das Odd-Couple Thiel/Boerne vor 15 Jahren in 3 x Schwarzer Kater (Dienstag, 22.10 Uhr, WDR) noch witzig.

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