Bilderbuch, Underworld

Bilderbuch

Die Antithese des Pop war schon immer die Antithese des Pop war schon immer die Antithese des Pop. Was alles immer nur aufsaugt, ohne etwas abzugeben wie ein Schwarzes Loch im Weltall, negiert sich als eigener Stil schließlich selbst. Wir sollten es also vermeiden, den Pop von Bilderbuch als Pop zu bezeichnen. Dieser Wiener Schwamm sämtlicher Einflüsse zeitgenössischer Musik ist nicht nur Pop in seiner reinsten, also verwaschensten Form; er ist ein eigenes Universum, das sich permanent ausweitet und noch ein paar Milliarden Jahre zu haben scheint, bis es wieder in sich zusammenfällt. Dafür muss man nur mal das fünfte Album hören.

Wenn Maurice Ernst auf Mea Culpa in schläfrig versoffener Falco-Arroganz singt, “ich glaube an Apps / an Safer Sex / ich glaube an Speed / ich glaube an Weed / ich glaub mir wird schlecht / ich glaub ich muss weg” und dazu die Gitarre slappt wie Nile Rodgers im Bällebad, wird alles drumherum für kurze Zeit so sanft in Watte gepackt, dass alles andere wichtiger erscheint, aber für den Moment völlig egal. Bilderbuchs Salonpunk zwischen Mozart, Prince, Modern Talking ist derart voll von sinnlosen, aber hinreißenden Accessoires – nebenan könnte der Gasherd explodieren: man würde einfach weiter vor sich hinsummen, bis die Nacht einbricht und danach der Tag und immer so weiter

Bilderbuch – Mea Culpa (Maschin Records)

Underworld

Wer hingegen bei Underworld so vor sich hinsummen kann, ist entweder taub oder flucht gerade zu laut über den nostalgischen Furor von Karl Hyde und Rick Smith. Seit Ende der 80er, als Techno schlicht Techno hieß und kaum Variationen kannte, stampfen die zwei Londoner unverdrossen im vollsynthetischen Stechschritt durch die Disco und haben dabei nie an Tempo, geschweige denn Druck verloren. Dass sie nun einen musikalischen Mehrteiler starten, klingt da zunächst mal wie die Fortsetzung des ewig Gleichen. Oberflächlich betrachtet ist Episode 1 von Drift denn auch der übliche Underworld-Hardcore zu Hydes hypnotischem Sprechgesang.

Dank der Multimedia-Künstlergruppe Tomato und einer Reihe alter Weggefährten der Frühphase digitaler Musik allerdings wird er mit viel Wut im Bauch in die Gegenwart teleportiert und auf der Plattform underworldlive erlebbar. Noch immer trampeln beide mit dem Programmierer Darren Price im basslastigen Uptempo oberhalb der 100bpm durch die Bauchhöhlen der Zuhörer. Wie anno 1996 – Born Slippy! – sorgen die aufgemöbelten Drones und Samples jedoch für wahrhaftigen Aufruhr im Innern, der sich eins-zu-eins auf die Tanzfläche überträgt. Ein fabelhaftes Album für Nostalgiker des Techno mit Zug in die Zukunft.

Underworld – Drift Episode 1 (Smith Hyde/Caroline)

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