K.O.G., The Gotobeds, Denzel Curry

K.O.G. & The Zongo Brigade

Folklore ist auch nicht mehr, was sie mal war. Träumte man sich damit einst in eigene oder exotische, also heimische oder fremde Welten, dient sie im zitierfreudigen Turbopop oft nur als Stichwortgeber selbstfreferenzieller Vielschichtigkeit – ein Schicksal, das besonders afrikanischen Sounds zuteil wird, die als purer Ethnosound jenseits seiner Ursprünge schlichtweg nicht anschlussfähig sind. Vielleicht liegt es also, dass eurozentristisch geschulte Ohren erstmal mit K.O.G. fremdeln. Allerdings nur ganz kurz.

Hinterm Kürzel von “Kweku of Ghana” verbirgt sich nämlich der Sheffielder Klangvisionär Kweku Sackey, der mit dem jamaikanischen Rapper Franz Von und einer vielköpfigen Band namens Zongo Brigade ein amerikanisch inspiriertes Futurefunk-Fundament unter treibende Afro Fusion legt und die Basis auf dem Umweg des Überbaus gewissermaßen mit sich selbst versöhnt. Heillos aufgetakelt mit Bläsern, HipHop und Percussion in wild wechselnden On/Offbeat-Kreiseln, ist das Debütalbum Wahala Wahala ein tolles Feuerwerk des kosmopolitischen Durcheinanders und einfach grandios.

K.O.G. – Wahala Wahala (Pure Vida Sounds)

The Gotobeds

Ob es unter den Abermilliarden The-Bands der Musikhistorie eine gibt, deren Name fluffiger ist als The Gotobeds, bleibt Geschmackssache, aber was das Rootspunk-Quartett aus der verrosteten Stahlstadt Pittsburgh macht, ist nicht annähernd so schläfrig wie sein Label. Auch auf dem dritten Album Debt Begins at 30 klingt der Garagensound nach den Ursprüngen ihres Metiers im britischen Kohlegürtel, hat sich aber angemessen von dessen ungewaschener Dilettanz verabschiedet.

 

Das Besondere am Sound von Cary, TFP, Eli and Gavin ist allerdings weniger die Modernisierung eines nostalgischen Sounds, als vielmehr, dass weder das Gestern noch das Heute Deutungshoheit für sich beanstprucht. Während der Opener Calquer The Hound zum Beispiel nach einer misanthropischen Fusion aus Clash und Shellac klingt, scheppern die Gitarren auf Poor People Are Revolting fast noisig, ohne bloß Krach zu machen. Alles in allem ein unfassbar stimmiges Album einer Band, die sich keiner Zeit zuordnen lässt. Und will.

The Gotobeds – Debt Begins at 30 (Sub Pop)

Hype der Woche

Denzel Curry

Mit Anfang 20 ein aufstrebendes Genre geprägt zu haben, ist ja schon mal was. Diesem Genre dabei in drei Jahren vier Alben hinzuzufügen, ist sogar noch viel mehr. Ihm auch, nachdem es bis zum Rand der akustischen Folter ausgewalzt wurde, noch Impulsen zu geben – im Durchlauferhitzer Cloud Rap grenzt das an ein Wunder. Eines, das Denzel Curry auf Zuu (PH Recordings), dem neuen Longlplayer im Fachgebiet des sphärischen HipHop, spielend vollbringt. Wie so vieles aus der virilen Szene in Florida, verzichtet auch Curry zwar nicht auf ein, zwei “Niggers” pro Punchline, aber auf die nervigen Bass-Kanonaden des Trap und schafft in der Mitte dieser maßgeblichsten aller aktuellen Sprechgesänge ein vielschichtiges, meinungsstarkes, bedeutsames weil unberechenbares Album. Man lernt dabei viel übers Lebensgefühl randständiger Existenzen in den USA, kann sich aber auch gut die Birne wegkiffen und durch den Wald tanzen.

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