Stereolab, Drive Moya, Speedy Wunderground

Stereolab

Wenn etwas klingt, wie es klingt, weil es irgendwie schon immer so klingt, zugleich aber nie klang, wie es den Anschein erweckte, also irgendwie Klangbetrug war, dann sind wir ziemlich schnell bei Sterolab. Tim Gane und Lætitia Sadier machen schließlich seit 1990 einen Sound, der auch damals schon seltsam aus der Zeit gefallen, aber zugleich hypermodern war. Und ihn zu beschreiben, fällt heute, wo das Indiepop-Duo längst zur mehrköpfigen Band angewachsen ist, kaum leichter.

Das erst Album seit neun Jahren, insgesamt Nummer 11, ist nostalgisch wie eh und je. Mit seinen Syntie-Flächen und Spinett-Samples, dem lässigen Sixties-Appeal plus wirre Dada-Attitüge, erinnert Margerine Eclipse zu Sadiers windschiefem Engelsgesang jedoch flattert es hinreißend zwischen futuristischem Barock und antiquierter Electronica hin und her, überzuckert mit swingender Eleganz, untergraben von existenzialistischer Harmonieabkehr.  Stereolab werden halt immer ins Ohr laufen wie Honig und sich dort leicht verkanten.

Stereolab – Margerine Eclipse (Warp Records)

Drive Moya

Ach nee, schon wieder Österreich? Das Seltsame an der schier endlosen Schwemme flamboyanter bis vogelwilder Musik aus der Alpenrepublik, ist ja gar nicht so sehr die hohe Qualität, sondern deren Unermesslichkeit – als sei jeder dritte Österreicher bereits ein Popstar. Auf dem Weg dorthin ist nun das nächste Konglomerat kreativer Jungs um den Gitarristen und Sänger Christian “Juro” Jurasovich entstanden, der zuvor in Gruppen wie Mimi Secue tätig war.

Sein Wiener Trio Drive Moya macht im Hochgebirge der Kreativität aber was Neues: Krautgaze, einen getragenen Postrock im Stile der Neunziger, der seine Fuzzgitarren so flächig auswalzt, dass hinter der Kurve zum Emocore Sonic Youth und Teenage Fanclub Richtung Noise spazieren. Zum Beispiel, wenn Stücke wie The End nicht frei von Doors-Avancen Töne zersägen wie im Tortureporn-Keller und dabei doch manchmal geschmeidig sind wie Chartsgedudel. Muss Bergluft gut tun!

Drive Moya – The Light We Lost (Noise Appeal)

Speedy Wunderground

Kompilationen sind immer ein bisschen schwierig zu empfehlen, weil sie ja kein genuin kreiertes Werk einzelner Bands oder Künstler*innen sind, sondern eben einfach bunte Tüten. Aber was heißt “einfach” – die vierte Kompilation des Londoner Indie-Labels Speedy Wunderground ist mit bunt fast schon farblos umschrieben. Auf Year 4 flicht Gründer Dan Carey nämlich einen Blumenstrauß britischer Newcomer, deren Beiträge allesamt bislang nur auf 7# erschienen sind und fast schon zu schön, um wahr zu sein.

Vom düsteren Wave-Noise der Scottibrains über Squids harmonisches Britrockgeschrammel The Dial bis All We Are, einem Seitenprojekt von Alex Kapranos, dem sein Hauptprojekt Franz Ferdinand zumindest in den Vocals aus jeder Zeile springt, hat alles darauf Eigenständigkeit und fügt sich doch im Umfeld acht verschiedener Bands zu einem Panorama, das abermals aufzeigt, was alternative Musik von der Insel dem westlich gelegenen Festland voraus hat: komplett unangestrengte Nonchalance selbst dann, wenn es ruppig wird. Ach UK…

Speedy Wunderground – Year 4 (Speedy Wunderground)



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