Sharik Khan & Viktor Marek, Pippa, Metallica

Khan & Marek

Mitte der Neunziger, Berlin hieß noch Bonn, durchwummerte ein Sound die Metropolen, der sich Oriental Dub nannte und es schaffte, exotisch zu klingen, ohne kolonialistisch zu sein. Zeitgenössischer Techno wurde darin so elegant mit dem Sound des Nahen und Fernen Ostens verwoben, dass die Hinterhof-Raves nur so schunkelten. Wenn man dem elektrophilen Grenzgänger Viktor Marek 25 Jahre später dabei zuhört, wie er die suprakulturelle Melange mit dem pakistanischen Sitar-Star Ashraf Sharif Khan verfeinert, wird diese Zeit wunderbar präsent.

Zehn Jahre lang hat der Hamburger Nischenkünstler und Mitbetreiber des Golden Pudel Club angeblich mit seinem Kollegen aus Lahore am Duo-Debüt Sufi Dub Brothers gearbeitet. Das Ergebnis ist eine Tanzmusik, der man die interkontinentale Brückenbildung zwar anhört. Die interkontinentale Soundsprache steht jedoch stets im Schatten einer Eigendynamik, die sich von jeder kulturellen Aneignung emanzipiert. Dass Khans pulsierende Sitar ein asiatisches Element ist, geht in den technoiden Vives von Marek so unter, als kämen beide ursprünglich von dort, wo sie vereinigt wurden. Einem kleinen Studio in Hamburg.

Ashraf Sharif Khan & Viktor Marek – Sufi Dub Brothers (Fun In The Church)

Pippa

Alles egal. Wer so etwas singt, könnte als prinzipienlose Nihilistin gelten. Und wenn ihr dann auch noch alles mit einer derart sedierten Stimme egal ist wie bei Pippa, verbirgt sich dahinter womöglich die Überzeugung der Generation Eurodance, im Grunde zählt nur der Moment und selbst das nur, wenn die Pillen wirken. Alles falsch! Denn die sehr junge, sehr hippe, sehr lässige Wienerin mag auf ihrer zweiten Platte zwar käsig nölen, “wer du bist, was du denkst, wo du stehst, das ist alles egal” – dahinter verbirgt sich ein musikalischer Geist von kolossaler Anteilnahme.

Auf Idiotenparadies versteckts sie die halt nur unterm musikalischen Mix des anything goes, in dem nicht nur das Vokabular scheinbar ziellos durchs Überall irrt. Mal mit radebrechenem Neunziger-HipHop versetzt, mal mit elektronischem Lala-Pop der Nuller, mal pianobetupft klassisch, mal zappelig technoid, pflegt Pippa zwar oberflächlich den Gestus der Prokrastination. In der Tiefe ihrer Kompositoinen aber glitzert purer Enthusiasmus – auch wenn er gelangweilt wirkt. “Läuft / ich pack mein Leben nicht / aber I love it / alles random hier”.

Pippa – Idiotenparadies (LasVegas Records)

Hype der Woche

Metallica

Wenn irgendwas im Pop hingegen nicht random ist, dann der Erfolg des Heavy Metal. Breiter Schritt, dickes Brett, orchestrales Pathos, heiliger Ernst – damit haben es auch Metallica zum Perpetuum Mobile ihrer Selbstreplikation gebracht. Seit gefühlt 500 Jahren macht die dänisch-amerikanische Zackengitarrenband, was sie mit mehr oder weniger langem Haar schon immer verlässlich auf Top-1-Kurs macht. Das dürfte also auch S&M2 (Blackened Recordings) widerfahren, mit dem James Hetfied und Lars Ulrich als Koproduzenten die Klassik-Version ihrer Hits mit dem 80-köpfigen San Francisco Symphony von 1999 fortsetzen. Dem Gesamtwerk fügen sie damit zwar nichts Neues hinzu, aber auch das knattert durchs Gehirn wie der zugehörige Konzertfilm von Regisseur Joe Hutching, der demnächst weltweit in 3.700 Kinos läuft. Für Fans unerlässlich, für alle andern, tja, irgendwie auch.



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