Yonder Boys, Aaron Taylor, Idles

Yonder Boys

Americana aus der Mark Brandenburg, das klingt ein bisschen wie TikTok made in Texas, also erstmal absurd, aber gut – wir haben komische Zeiten voll komischer Konstellationen, die früher mal unmöglich schienen, jetzt aber genauso realistisch sind wie ein Borderliner als US-Präsident oder wahlweise drei Männer aus Amerika, Chile, Australien, die sich im technoiden Berlin vereinigt haben, um nostalgischen Country-Punk zu machen.

Yonder Boys nennt sich das singende Gitarrenduo aus Jason Serious und David Stewart Ingleton, die der Tausendsassa Tomás Peralta um Kontrabass, Mandoline plus allerlei Schlagwerk ergänzt. Ihr Debütalbum klingt entsprechend nach Surf-Sound für die Prärie. Mit unbedingt lebensbehahender, sehr humorvoller Poesie reiten die Yonder Boys acht Stücke lang im Banjo-Stakkato durchs weite Land und zeigen damit, dass Herkunft nun wirklich nichts mit dem Leben von Menschen zu tun haben muss.

Yonder Boys – Acid Folk (Blue Whale Records)

Aaron Taylor

Während neu interpretierte Traditionals stets einem Konservatismus-Vorbehalt unterliegen, mäandert der Soul seit den Sechzigern so konsequent durch die Popmusik, dass niemand mehr zu sagen vermag, was daran neu ist und was alt. Ob Aaron Taylors Future-Funk also aus der Vergangenheit zu uns kommt oder der Zukunft – dem neuen Album des Londoners mit ghanaisch-karibischen Wurzeln ist das kaum  anzuhören.

Musikalisch zwischen André 3000 und Curtis Blow kratzt seine Schmuse-Gesang über retrospektive Motown-Harmonien, löst sie zwar gelegentlich im Säurebad schiefer Jazz-Sequenzen auf wie in Shooting Star feat. Benni Sings auf. Am Ende findet jeder der elf Tracks jedoch zurück in den hochsommerwarmen Mainstream dieses ubiquitärsten aller massentauglichen Sounds. Läuft gut rein, läuft gut raus, kriegt man irgendwie nie genug von.

Aaron Taylor – Icarus (Edenic Records)

Hype der Woche

Idles

Onomatopoesie ist die Versprachlichung bekannter Geräusche: Tiktak, Dingdong, Klippklapp, süß. Wobei die Wortbilder selbst dann oft arglos klingen, wenn sie wie Peng Schüsse vertonen. Die Onomatopoesie der Idles indes handelt nicht nur von Schießgewehren, sondern Krieg. Krieg auf den Straßen, Krieg in den Köpfen, Krieg überall. Wenn Joe Talbot “Clack clack clack a clang clang! That’s the sound of the gun going bang bang” oder “Tuka tuk tuk tuk tun tuka! That’s the sound of the drone button pusher” proklamiert und danach einfach bloß schreit, wissen wir also, dass sich nicht nur der Opener des dritten Albums im War befindet, sondern ganz Ultra Mono (Partisan Records). Seit ihrem Debüt Brutalism 2017 lässt kaum jemand die Wut über die Wut brachialer, aber auch bedächtiger, reflektierter, klüger raus als das Noise-Quintett aus Bristol. Permanent beschleunigt von Adam Devonshires Bass, geht’s bei aller Gewalt schließlich um Rassismus und Neoliberalismus, toxische Männlichkeit und Machtmissbrauch jeder Art. Großartig wie die Sleaford Mods mit Band. Bamm, Bamm, Bamm!

 



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