Trumps Humor & Wedhorns Fritzi

Die Gebrauchtwoche

21. – 27. September

Über Tote, heißt es, solle man nichts Schlechtes sagen. Auch das ZDF beherzigt diese Hybris bürgerlicher Pietät, kennt aber Wege, Verstorbenen dennoch eins mit auf den ins Jenseits zu geben. Anders als pietätlos ist es nämlich nicht zu bezeichnen, womit der Sender am Samstag des frisch verstorbenen Michael Gwisdek gedenkt: Einer Folge Traumschiff. Dem wollte die ARD nicht nachstehen und feiert den Toten – nein, nicht mit Andreas Dresens Nachtgestalten oder Jan Ole Gersters Oh Boy, für die er zu Lebzeiten preisgekrönt wurde, sondern der öligen Komödie Eins ist nicht von dir.

Fast scheint es, also wolle das Öffentlich-Rechtliche von toten Stars nur das Schlechte zeigen. Sendungen also, wie sie auch unter der Führung von Christine Strobl reihenweise bei der Degeto entstehen. Da sie die Süßstofffabrik trotzdem modernisierte, hat eine Breaking News vom Donnerstag durchaus Gewicht: Anfang 2021 beerbet Strobl den quotenbewussten Volker Herres als ARD-Programmdirektor und wird ihrerseits wohl vom noch viel quotenbewussteren NDR-Unterhaltungschef Thomas Schreiber ersetzt.

Mit ihr an der Spitze, könnte die ARD an Bedeutung gewinnen, damit deutsche Preisträger bei den International Emmys nicht mehr von Streamingdiensten, sondern Fernsehsendern stammen. Die Ausbeute von Schitt’s Creek allerdings dürfte schon an der Sprachbarriere scheitern. Als erste Comedy überhaupt gewann die Serie in allen Genre-Kategorien und stellt sogar Game of Thrones in den Schatten – obwohl die Kleinstadt-Groteske der Großstadtkomiker Dan und Eugene Levy (hierzulande auf TV Now) vier Staffeln kaum bemerkt, geschweige denn nominiert wurde.

Am Beispiel TikTok zeigte sich derweil Trumps Humor: Erst drohte er seinem Sandkastenfeind China mit der Schaufel, warf aber nur ein paar Krümel und feierte sich sodann als Härtester im Hort. Schließlich übernimmt die Software-Fabrik des Trump-Fans Larry Ellison das US-Geschäft nur treuhänderisch und schafft zwar einige Jobs im Wahlstaat Texas, mag aber auch nicht dafür garantieren, dass Oracle keine Teenager ausspioniert, womit Ritter Donald seinen Kreuzzug gegen TikTok begründet hatte.

Die Frischwoche

28. September – 4. Oktober

Welche Wähler er damit gewinnen will, hätte man heute bei ProSieben gesehen. Quentin Tarantinos Django Unchained handelt schließlich von Amerikas Rassismus, auf dem die Macht des Präsidenten beruht. Aus gegebenem Anlass allerdings läuft stattdessen die Dokumentation Rechts. deutsch. radikal, in der sich Thilo Mischke zur besten Sendezeit unter Nazis mischt und dabei weit zur Mitte bürgerlicher Faschisten vordringt. Der AfD zum Beispiel, deren Fraktionssprecher im Bundestag Vergasungsfantasien äußerte und dafür sogar entlassen wurde.

Mit dieser Programmänderung zeigt sich ProSieben also abermals als vorletzte Stimme der Vernunft im Privatfernsehen, das meist nur noch auf Niveau des Comedy-Preises funkt, den Freitag erstmals Sat1 überträgt. 24 Stunden zuvor beweist das ZDF, das selbst der Krebs mit etwas Humor unterhaltsam sein kann. Wie Tanja Wedhorns Fritzi sechs Teile zwischen Therapie und Alltag, Trotz und Verzweiflung wechselt, ist bei aller Leichtigkeit verblüffend tiefgründig – und tausendmal bedeutsamer als der neue alte Passau-Krimi um eine Berliner Bullin im bayerischen Zeugenschutz, parallel dazu im Ersten.

Während aus der Welt des Streamings nur die 5. Staffel Billions, mittwochs auf Sky, ratsam ist, holt Tele 5 Samstag (23.10 Uhr) Handmaid’s Tale mit Elisabeth Moth als Gebärmaschine einer misogynen Retrozukunft aus dem Netz. Eine Gesellschaft, die sich allenfalls jene rassistischen Mörder herbeisehnen, denen Diane Kruger in Fatih Akins Aus dem Nichts heute um 22.30 Uhr Rache schwört. Abgesehen vom dänischen Achtteiler Kidnapping (Donnerstag, 21.45 Uhr, Arte) geht es aber vor allem um Deutsch-Deutsches zum 3. Oktober, das Info 45 Minuten zuvor mit einer Doku über Prostitution in der DDR feiert oder das ZDF mit dem Samstagsmelodram Zwischen uns die Mauer.

Pan Tau sieht Sonntag (10.10 Uhr) nur auf den ersten Blick nach einer Wiederholung der Woche aus. Tatsächlich passt das deutsche Remake die tschechische Legende der Gegenwart an. Richtig wiederholt wird dagegen Emmerichs Weltuntergangsschinken 2012 von 2009 (Sonntag, 20.15 Uhr, Neo), gefolgt von Paul Newman und Robert Redford als Butch Cassidy and Sundance Kid (23.20 Uhr, 3sat). Der Tatort, wieder Schimanski, wieder Dienstag (22.15 Uhr) im WDR: Kuscheltiere von 1982.



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