Tanja Wedhorn: Melodram & Rückgrat

Antwort gestrichen

Mit den Stars öffentlich-rechtlicher Leichtigkeit zu sprechen, ist immer heikel. Viele wünschen sich Anerkennung im Feuilleton, wollen aber ihr Stammpublikum nicht mit Realität überfrachten. Ein Paradebeispiel, wie Anspruch und Wirklichkeit kollidieren, liefert Tanja Wedhorn. Nachdem die talentierte Theaterschauspielerin 2004 als Bianca den Telenovela-Boom entfachte, bekam sie vor allem leichtere Rollen im Gefühlsfach. Bis die 48-Jährige endlich ihre Traumrolle als krebskranke Fritzie bekam, die ab morgen im ZDF gekonnt zwischen Gefühl und Wahrhaftigkeit wechselt. Es wäre ein Anlass gewesen, mit ein paar Klischees aufzuräumen. Im Gespräch war Wedhorn auch respektvoll und offen – bis sie das Transkript ihrer Aussagen las und fast nichts davon gesagt haben wollte. Nicht nur das: Sie verweigerte auch jeden Dialog darüber, ließ diverse Deadlines verstreichen und sorgte so dafür, dass drei Auftraggeber leer ausgingen, vom Interviewer ganz zu schweigen. Protokoll einer Rückgratlosigkeit.

Von Jan Freitag

Frau Wedhorn, wie lange haben Sie sich nach dieser Serie gesehnt?

Tanja Wedhorn: Lange. Und wie. Na klar.

Warum?

Wegen der Bandbreite der Figur, in deren Leben durch die Krebsdiagnose nichts mehr ist wie vorher. Egal ob sie zum Geburtstag ihres Sohnes einen Kuchen backt oder einkaufen geht – unter allem liegt die Diagnose und lässt den alltäglichsten Dingen eine neue Bedeutung zukommen. Ich hatte im Vorfeld durchaus Angst, dieser Diagnose Herausforderung nicht gerecht zu werden. Das hat mich fast in die Knie gezwungen.

Und wie sind Sie stehengeblieben?

Dank der Erzählung einer Bekannten, deren Schwester, Mutter und beste Freundin Brustkrebs hatten und damit jeweils sehr unterschiedlich umgegangen sind. Das zeigte mir: es gibt nicht den einen, womöglich gar richtigen Ansatz, dieses Schicksal darzustellen.

Haben Sie sich in Vorbereitung auf Fritzie die Frage gestellt, wie Sie selbst auf die Diagnose reagiert hätten?

Klar.

Und?

Im Gegensatz zu Fritzie würde ich zwar auch kämpfen wie eine Irre, aber erst mal zusammenbrechen. Und ich würde wohl sofort mit jemandem darüber reden, den oder die ich liebe.

Persönlich neigen Sie also nicht zum Verdrängen wie ihre Filmfigur?

In einem so lebensbedrohlichen Fall sicher nicht, nein. Bei harmlosen Dingen bin ich eine Vermeiderin: ich öffne Zuhause nur sehr ungern meine Post. Rechnungen und Bürokratiekram hasse ich. Erst wenn der Stapel bedrohlich hoch ist und ich einen guten Tag hab, gehe ich das dann an.

Florian interpretiert Fritzis Verdrängungskunst an einer Stelle falsch als Harmoniesucht. Sind sie selber eher harmonie- oder streitsüchtig?

Totale Harmoniesucht, ganz schrecklich. Nein, gar nicht schrecklich. Ich streite mich einfach nicht so gerne.

Kann man sich mit Ihnen trotzdem über die Qualität des Fernsehens streiten?

Jetzt? Das ist genau der Moment, in welchem ich lieber die Post öffne.

 

An dieser Stelle ging das Interview noch 20 Minuten weiter. Es lief gut, es lief fröhlich, es lief nicht nur harmonisch, aber so interessant, dass Tanja Wedhorn am Ende des Gesprächs sagte, wie nett sie es fand, auch mal härter gefragt zu werden. Ihre wahre Antwort auf die vorige Frage lautet also: 

Jetzt in diesem Moment würde ich zwar lieber die Post öffnen, aber Sie haben ja offenbar was auf dem Herzen, also schießen Sie los!

Klingt es aus Ihrer Sicht positiv oder negativ, wenn ich Sie als vielleicht beste Schauspielerin des vielleicht schlechtesten Fernsehens bezeichne?

ANTWORT GESTRICHEN

Nein, das nicht. Aber beim Rest, nun ja…

ANTWORT GESTRICHEN

Kalkulierendes, stereotypes Fernsehen, das niemandem wehtun will wie das Traumschiff, auf dem sie ja auch schon gefahren sind.

ANTWORT GESTRICHEN

Klingt da jetzt durch, dass Ihnen seit Bianca, vor der Sie erfolgreich am Theater gespielt haben, nicht so richtig gute Bücher geschickt werden?

ANTWORT GESTRICHEN

Da wartet man vielleicht für immer…

ANTWORT GESTRICHEN

Dafür sind Sie es ein bisschen bis heute!

ANTWORT GESTRICHEN

Sie haben also nichts zu bereuen?

ANTWORT GESTRICHEN

Meinen Sie denn, Fritzi könnte einen Meilenstein dorthin bilden?

ANTWORT GESTRICHEN

Mit dem Potenzial der Fortsetzung?

ANTWORT GESTRICHEN



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