Aesop Rock, Luke Titus, Kala Brisella

Aesop Rock

Weißer HipHop, falls er als Kategorie überhaupt zugelassen ist, hat seit jeher ein Akzeptanzproblem, das von Vanilla Ice angefüttert und selbst von den Beastie Boys oder Eminem nie ganz aus den Köpfen gerüttelt wurde. Nonafroamericans müssen sich daher vom Mainstream abheben, um Respekt zu kriegen. Durch Avantgardismus zum Beispiel wie Clipping, Aufsässigkeit wie El-P, Antiattüde wie The Streets oder auch die Fähigkeit, ohne Flow zu rappen.

Das nämlich kultiviert das New Yorker Weißbrot seit bald 20 Jahren und nein, er ist damit nicht sensationell erfolgreich, schafft es aber auch auf der achten Platte ein 21-teiliges Kompendium unterschiedlich angepisster Weltbetrachtungen in einen Sound zu tauchen, bei dem man sich in einem Kellerclub wähnt, der atmosphärisch an Saw erinnert – nur dass man darin wirklich gern gefangen ist.

Aesop Rock – Spirit World Field Guide (Cargo)

Luke Titus

Ob virtuose Schlagzeuger auch gute Bandleader sein können, ohne sich zumindest gedanklich von ihrem Instrument zu verabschieden, ist seit den großen Tagen des Jazz ebenso offen wie die Frage, ob Drums zwingend bloß Hintergrundgeräusche liefern sollten oder auch eigenständig agieren dürfen. Der Schlagzeuger Luke Titus aus Chicago beantwortet sie nach einer Reihe Percussioneinsätze für andere klar mit janeinvielleicht.

Sein Debütalbum Plasma ist nämlich immer dann, wenn es den Rhythmus in den Vordergrund drängelt, kakophonisch und wirr. Sobald Luke jedoch fröhlich in den harmonischen Weiten von HipHop, House, Soul, Electronik herumschlendert und dort Sequenzen seiner verstiegenen Mikropopkultur zusammenklaubt, kriegen die meisten der 13 Stücke eine Art polyphoner Struktur. Und um die geht es Luke Titus. In aller chaotischen Schönheit.

Luke Titus – Plasma (Sooper Records)

Kala Brisella

Die Vergänglichkeit aller, also auch unserer Zeit braucht manchmal nur ein paar wenige, leidlich gereimte Zeilen, um sich ihrer selbst mal bewusst zu werden. “Ist dies mein Ende / oder ein Anfang / ich drive slow durchs Universum / fliege langsam durch das All / es ist ein Wahnsinn / der mich antreibt / ich kann’s nicht sagen ob ich heut noch lange bleib” – so beginnt das neue Album von Kala Brisella und macht deutlich, wohin es will – und wohin eher nicht.

Durchdrungen von funkigen Riffs zu zackigen Drums und Wavebasstupfen, streunern die Berliner*innen Anja Müller, Dennis Deter und Jochen Haker durch ihr Postpunktpopbiotop und machen mit jedem der elf launig dialektischen Songs klar, dass ihre Musik weder neu noch für die Ewigkeit gemacht ist, im Moment allerdings die Realität erträglicher, verständlicher, besser macht.

Kala Brisella – Lost in Labour (Tapete)



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