Rush Limbaugh & Aylin Tezel

Die Gebrauchtwoche

15. – 21. Februar

Sitten & Gebräuche ist ein sehr deutscher Zweiklang, vergleichbar mit Recht & Ordnung, Lohn & Brot oder auch das einst beliebte Führer-Hauptquartier, was sogar noch deutscher klingt als Dreiklänge wie 30, 60, 95 Grad. Ein besonders seltsamer Sittengebrauch ist diesbezüglich das seltsame Konstrukt, über Lebende herziehen zu dürfen, aber bloß nicht über Tote. Meistens ist das auch okay. Hier aber wollen wir alle Pietät kurz fahren lassen und freuen uns aufrichtig über den Tod von Rush Limbaugh.

Jahrzehntelang hat der Moderator Amerikas Talk Radio mit Hasstiraden gegen alles verdreckt, was links von Goebbels, Strauß, Papst Franziskus steht. Schwule und Frauen, Liberale und Klimaschützer, Abtreibung und Feminismus – aus Sicht dieses besonders weißen aller alten Männer Teufelszeug, das nur seine Götter von Reagan bis Trump austreiben konnten, die er entsprechend vehement ins Amt pöbelte. Nun ist der Zigarrenfan mit 70 Jahren gestorben, und als theoretisches Objekt seiner praktischen Verachtung muss man sich kurz mal zügeln, ihm kein qualvolles Siechtum gewünscht zu haben. Wie gesagt – Sitten & Gebräuche.

Mit denen hatte auch Jochen Breyers Interview mit Karl-Heinz Rummenigge im ZDF-Sportstudio zu tun, wo er dem Bayern-Präsident virtuos vor die Lederhosen knallte, wie selbstgerecht, neoliberal und weinerlich sein Verein die Sitten & Gebräuche von Politik & Sport verachtet. Freilich nicht, ohne sich dabei auf Sitten & Gebräuche zu berufen, die auch Google hochzuhalten vorgibt, wenn es ein Titanic-Cover sperrt, weil es die Würde von Papst Franziskus, Oberhaupt eines frauen-, demokratie- und kinderfeindlichen Führerkultes, höher einstuft als Meinungs- und Pressefreiheit.

Aber das teilt der Tech-Gigant aus Mountain View mit seiner Konkurrenz im Menlo Park, wo Facebook alle Nachrichtenseiten Australiens sperren ließ, weil deren Betreiber die Frechheit besaßen, dem Billionen-Konzern einige Hunderttausend seiner 86 Milliarden Dollar Gewinn dafür abzunehmen, ihre journalistischen Inhalte zu verbreiten. Dagegen sind sieben deutsche Ziffern nicht mal mehr Peanuts: mit seiner heißen Brandmeister-Folge Feuer erzielte der Bergdoktor Donnerstag im ZDF 7,26 Millionen Zuschauer. Ein neuer Quotenrekord für den Publikumskrösus und damit fast auf Tatort-Niveau, das gestern in Dortmund wie immer spielend erreicht wurde. Wenngleich erstmals ohne Aylin Tezel an Jörg Hartmanns Seite.

Die Frischwoche

22. – 28. Februar

Die jagt dafür ab morgen in der Neo-Serie Unbroken sechs Folgen lang Menschenhändler – und zwar aus ganz eigenem Interesse: Gleich zu Beginn wird der hochschwangeren Kommissarin Alex Enders das Kind aus dem Mutterleib gestohlen, was dramaturgisch zwar konventionell ist, schauspielerisch allerdings außergewöhnlich. Und das gilt ausnahmsweise auch mal für den Drei-Mimik-Superstar Jürgen Vogel.

Im Autokabinenkammerspiel Keine besonderen Vorkommnisse ist er ab Donnerstag bei TV Now an der Seite von Serkan Kaya als Polizist zu sehen, der sechs Episoden sehr unterhaltsam auf einen Drogendeal wartet, der sich partout nicht ereignet. Schöne Idee – auch wenn sie australischer Herkunft ist. Ähnlich schöne Idee, ähnlich toll gespielt ist die Tragikomödie Glück kommt selten allein (Sonntag, 20.15 Uhr, ZDF) um eine Dreiecksbeziehung von Max Hopp, Valerie Niehaus und Dirk Borchardt, die Ernst Stötzner als herrlich verschrobener Ex-Kommunist aufmischt.

Alte Idee, routiniert gespielt, also irgendwie öde, ist die Fortsetzung der Superschurkenserie Pennyworth, zeitgleich auf Starzplay, die 2. Staffel der Sky-Anwaltsserie For Life ab Mittwoch oder die Premiere einer schönen Hobby-Detektivin Mit Liebe zum Mord tags drauf bei Universal TV. Und auf den Vox-Hundecoach Martin Rütter als Quizkegelmaster von Die rote Kugel ab Dienstag kann die Welt ohnehin verzichten.

Ganz im Gegensatz zur hinreißend wirren Milieu-Studie Solsidan (Donnerstag, 21.45 Uhr, One) aus Schweden, Stephen Kings Horrorserie The Stand (Sonntag, Starzplay) aus den USA oder die brasilianische Sportdoku Pelé, die dem Fußballer ab Dienstag auf Netflix ein sehenswertes Denkmal setzt, ohne ihm in den Arsch zu kriechen.



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