Reichelts Leiste & Jasnas Tatort

Die Gebrauchtwoche

TV

17. – 23. Mai

Ach Julian, armes Alphatier – hat dich schon wieder eine Praktikantin in der Bild-Besenkammer abgewiesen? War dein rohes Stück Frühstücksfleisch nicht blutig genug? Macht dir der Haarausfall doch mehr zu schaffen als dieses dauernde Ziehen im Leistenbereich? Der profilneurotischste Chefredakteur auf dem Boulevard reaktionärer Emanzipationsopfer kann zwar tüchtig austeilen, aber einstecken? Da kriegt Don Reichelt Blähungen, die ihn direkt zum Hamburger Landgericht flatuliert haben, wo er gegen einen Spiegel-Artikel mit dem sehr glaubhaften Titel „Vögeln, fördern, feuern“ vorgegangen ist. Mit Erfolg.

So scheint es.

Denn zwei Monate, nachdem das Magazin Reichelts misogynes Machtgehabe publik machte, verhängten die Richter eine einstweilige Verfügung gegen den Verlag. Allerdings nicht, weil die Vorwürfe im Artikel falsch seien, sondern weil Reichelt eigene Presseabteilung ihn nicht rechtzeitig über die Interview-Anfrage des Spiegels informiert hatte. Dazu sei kurz mal an Christian Drosten erinnert, dem die Bild Mitte 2020 ganze 60 Minuten Zeit gegeben hatte, um sich zu einer fingierten Corona-Kampagne zu äußern. Bei der Spiegel-Anfrage an Reichelt waren es Tage.

Jahre gedauert haben zwei Prozesse, die seriösere Journalisten als Springers Schlüpferstürmer betrifft. Zum einen beteiligt Mark Zuckerbergs neues Nachrichtenportal Facebook-News Urheber*innen fortan an der Verbreitung ihrer kreativen Werke mit einem niedrigen Milliardenbetrag, verteilt über mehrere Jahre. Zum anderen erlaubt es die Urheberrechtsreform fortan, eben jene Werke ungefragt, vor allem aber kostenlos in Teilen zu verwenden, sofern es sich nur um Bruchstücke handelt. Ersteres ist ein Tropfen auf dem heißen Stein, letzteres ein Schlag ins Gesicht, beides behandelt Künstler*innen aller Gewerke wie Rohstoffminen einer renditeorientierten Verwertungslogik.

Die Wut darüber kann nur in Revolte oder Eskapismus münden. Wir wählen hier kurz mal den Fluchtinstinkt und wundern uns darüber, dass die ARD mit ihrem Primetime-Ausflug des Großstadtreviers am vorigen Mittwoch fast sieben Millionen Zuschauer erreicht hat. Dieses Niveau erreichen fiktional eigentlich nur noch Tatorte wie jener, der nun Premiere feiert.

Die Frischwoche

0-Frischwoche

24. – 30. Mai

Heute betreten Jasna Fritzi Bauer, Dar Salim, Luise Wolfram Bremen und setzen damit – im Gegensatz zum Polizeiruf, der sein 50-jähriges Jubiläum am Sonntag ausgerechnet mit den hervorragenden, aber doch schon recht alten weißen Schauspielerin Peter Schneider und Peter Kurth in Halle feiert – den Trend junger Teams fort. Wenngleich dieses hier im Premierenfall Neugeboren am Bremer Brennpunkt etwas zu eifrig seine Marotten pflegt. Man könnte also ersatzweise einen Sat1-Film empfehlen.

In Sönke Wortmanns Komödie Der Vorname streiten sich zwei Paare darum, ob man ein Kind im 21. Jahrhundert Adolf nennen darf. Zurück zur ARD: da startet Dienstag (22.50 Uhr) das FilmDebüt im Ersten mit Andreas Döhlers Milieustudie Die Einzelteile der Liebe um getrennte Eltern (Birte Schnöink und Ole Lagerpusch) und ihren Versuch, sich fürs Glück der Kinder zusammenzuraufen. Ums eigene Glück geht es Samstag in der 2. Staffel von Maria Furtwänglers Fahrschulkomödie Ausgebremst, allerdings nur in der Mediathek. Also dort, wo Arte tags zuvor BeTipul zeigt, das israelische Original der Psychiater-Serie In Therapie.

Parallel dazu startet bei Amazon die Young-Adult-Serie Panic um tödliche Mutproben als Zugangsticket zu einer dystopischen Zukunftsgegenwart. Donnerstag dann kehren fünf von sechs Hauptdarstellern der hedonistischen 90er-Prokrastination Friends bei Sky zurück. Und Disney+ hat zwei Neustarts im Programm: Die 2. Staffel der Homevideo-Kollage Launchpad und die 1. von Rebel mit der früheren Ich-heirate-eine-Familienmutter Katey Segal als eine Art Erin Brokovich, bevor dem Portal am Samstag Erstaunliches gelingt: Im Prequel zum Klassiker 101 Dalmatiner spielt Emma Stone die boshafte Modequeen Cruella als junge Frau im Kampf mit Emma Thompson als ebenso böse Kollegin. Und das ist für Disney-Verhältnisse fast schon tiefgründig.



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