30 x Marie Brand: Millowitsch & Schönemann

brand

Meine Schauspielgene waren stärker

Mariele Millowitsch und Hinnerk Schönemann ermitteln seit stolzen 14 Jahren gemeinsam im ZDF. Ein Gespräch zum 30. Fall von Marie Brand über merkwürdige Kleider und coole Anzüge, Mathe-Sechsen und Siez-Freunde.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Frau Millowitsch, Herr Schönemann – erinnern Sie sich noch an Marie Brands ersten Fall vor 14 Jahren?

Hinnerk Schönemann: Ich kann mich vor allem an die Begegnung mit Mariele erinnern. Wir hatten uns zwar vorher schon einmal getroffen, hier aber erstmals intensiv zusammengearbeitet. Und ich erinnere mich noch gut, wie merkwürdig Maries Kostüm aussah.

Mariele Millowitsch: (lacht) Merkwürdig?!

Schönemann: So ein langes blaues Kleid. Das hat sich bei mir ebenso eingebrannt wie dieses Gefühl, auf jeden Fall noch mehr Fälle drehen zu wollen.

Millowitsch: Stimmt. Den Film hab‘ ich seither aber nicht mehr gesehen, warum fragen Sie?

Weil auffällt, dass sich die Ästhetik seit damals anders als in vielen anderen Krimreihen gar nichts so sehr verändert hat. Liegt das an Ihnen oder dem Format?

Millowitsch: Eher an uns, denn wir haben uns ja schon verändert. Ich habe deutlich mehr Falten, Hinnerk ist verglichen mit damals ein richtiger Kerl geworden. Inhaltlich allerdings sind wir uns in der Tat treu geblieben.

Schönemann: Als mir die Rolle angeboten wurde, wollte ich was anderes machen als die Anzugträger von damals, so mit Jeans und Hoodie, eher cooler New Yorker als normaler Kölner. Der Kostümbildner war aber irgendwie anderer Meinung und gab mir einen Satz Anzüge. Ich verstehe dieses Kleidungsstück bis heute nicht, habe es aber anprobiert und gemerkt: funktioniert. Nur in einem Punkt nicht: Die waren damals so schmal geschnitten.

Mariele Millowitsch: Sind sie heute ja wieder.

Schönemann: Aber weil meine Figur so sportlich ist und ständig laufen muss, waren die Hosen einfach zu eng. Deshalb wurden mir so elastische Streifen eingenäht. Ich hatte bis dahin weder beruflich noch privat je Anzüge getragen, privat mach ich das bis heute nicht. Aber als Simmel kann ich mir mittlerweile gar nichts anderes mehr vorstellen. Das ist sozusagen der Teil von mir, dem Klamotten wichtig sind.

Millowitsch: Das schafft auf jeden Fall großen Wiedererkennungswert, der ist den Zuschauern wichtig.

Dafür haben seit 2008 handgezählte 19 Autorinnen und Autoren sowie 15 Regisseure gesorgt. Kriegen die alle einen Werkzeugkasten mit Standards zur Hand, die erfüllt werden müssen, oder kommt der Wiedererkennungswert durch Sie beide automatisch?

Schönemann: Sowohl als auch. Es gibt uns als wiederkehrende Figuren, aber auch Wiedererkennbares in der Erzählung unserer Fälle. Dazu zählt zum Beispiel, dass ich vor jeder Verfolgung in jeder Folge einmal mein Jackett ausziehe und Marie gebe, die dafür schon ihre Hand aufhält. Solche Running Gags sollten alle Regisseure berücksichtigen. Ebenso wie die Art, in der Marie und Simmel kommunizieren, dieses leicht neckische. Gehört einfach dazu.

Millowitsch: Ich glaube auch nicht, dass es so einen Werkzeugkasten gibt, lege aber schon Wert darauf, dass sich neue Regisseure zuvor intensiv mit den Figuren befassen – und sei es bei YouTube. Das gehört zu den Hausaufgaben einer Regisseurin oder eines Regisseurs, die eine solche langlaufende Reihe übernehmen. Ich hätte keine Lust, ihnen das erstmal mühselig zu erklären.

Aber drohen die Running Gags nicht nach mittlerweile 30 Einsätzen, sich irgendwann totzulaufen und das Publikum eher zu nerven?

Millowitsch: Ich denke, die Leute lieben solche sich wiederholende Gags, das merkt man schon auch an den Einschaltquoten. Als Simmel mir sein Jackett mal nicht in die Hand gedrückt hatte, sind sie jedenfalls nicht eingebrochen.

Schönemann: Wenn man eine Krimireihe wie diese macht, wäre es einfach unachtsam und damit respektlos gegenüber Format und Publikum, alte Gewohnheiten grundlos wegzulassen.

Darf man eigentlich davon ausgehen, dass Sie sich privat duzen?

Schönemann: Selbstverständlich.

Wieso siezen sich ihre Figuren dann beharrlich, obwohl sie seit 14 Jahren eng miteinander zusammenarbeiten und ständig in höchster Gefahr aufeinander angewiesen sind?

Millowitsch: (lacht) Also bei mir zuhause um die Ecke gibt es einen Polizisten, der hat mich das Gleiche fragt und meint, das würde er mit Kollegen definitiv nicht machen.

Schönemann: In Notsituationen rutscht Simmel schon mal der Vorname raus. Aber wenn man sich die Persönlichkeitsstrukturen ansieht, würde es ihnen einfach nicht entsprechen, sich das Du anzubieten.

Millowitsch: Ich finde das Sie auch deshalb gut, weil es für Respekt voreinander steht und für berufliche Distanz und damit für eine Grundhaltung der beiden.

Wie einst die erklärten Siez-Freunde Gerhard Delling und Günter Netzer als ARD-Moderatoren…

Schönemann: Aber wer weiß, ob die sich privat nicht doch geduzt haben.

Nach eigener Aussage nicht. Färben die Eigenschaften oft gespielter Figuren eigentlich irgendwann auf ihre Darsteller ab?

Millowitsch: Außer, dass ich privat viel mehr gestikuliere als Marie und viel weniger analytisch bin, sind wir gar nicht so unterschiedlich. Aber es färbt definitiv mehr von mir auf sie ab als umgekehrt.

Schönemann: Also der Simmel ist ja nicht nur vom Kleidungsstil her weit weg von mir. Vielleicht spiele ich ihn deshalb auch so gern. Zugleich hole ich einen Teil von ihm aber natürlich aus mir raus und vergrößere es. Deshalb erkennt man sich in seinen Rollen immer mal wieder, aber nicht mal annähernd zu 100 Prozent.

Millowitsch: Ich sammele jedenfalls keine Primzahlen wie Marie das macht. Im Abitur hatte ich in Mathe ‘ne 6.

Schönemann: Ernsthaft?

Millowitsch: Das war noch vor dem Punktesystem, ich bin ja schon ganz schön alt (lacht) und war damals mit 5 vorbenotet. Es gab noch nicht mal Leistungskurse.

Schönemann: Ich musste mich auch eher durch die Schule quälen, obwohl – Biologie mochte ich sehr, das wollte ich ja auch mal studieren und später eher was Handwerkliches machen als Schauspieler werden. In den Beruf bin ich eher reingeschubst worden.

Das kann man von Ihnen definitiv nicht behaupten, Frau Millowitsch…

Millowitsch: Ich habe eher versucht, vom Beruf meiner Ahnen wegzukommen und vermute mal, es geht fast jedem Kind einer solchen Familie so, Distanz zu suchen. Immerhin habe ich dadurch Tiermedizin studiert und hatte mit normalen Menschen zu tun. Aber meine Schauspielgene waren offenbar stärker.

Ist Tierärztin eine Exit-Option, wenn es mit dem Schauspiel nicht mehr funktioniert?

Millowitsch: Nee, das ist zu lange her. Ich möchte spielen, bis ich umfalle.

Auch noch im Millowitsch-Theater?

Millowitsch: Nein. Theater reizt mich gar nicht mehr.

Schönemann: Geht mir genauso, ich habe ein paar Jahre Theater gespielt, aber gemerkt, das ist nicht meine Ausdrucksform. Ich mag das Schnelle des Films, statt dieser langen Vorbereitung auf jedes Stück, das dann auch noch häufiger aufgeführt wird.

Wie häufig kann Marie Brand denn noch aufgeführt werden, bevor es sich abnutzt?

Schönemann: Solange wir dürfen

Millowitsch: Und solange ich mich noch ohne Hilfe zur Leiche runterhocken kann und auch wieder hochkomme. Wenn Hinnerk mir hochhelfen muss, ist es vorbei.

Warum heißt es eigentlich Marie Brand, obwohl sie von Anfang an gleichberechtigte Partner darin sind?

Schönemann: Weil es für Mariele geschrieben wurde und sie auch früher als Besetzung feststand als ich. Damit kann ich gut leben.

Millowitsch: Na ja, du sagst beim Drehen schon öfter, pass auf, die Reihe heißt bald „Simmel ermittelt“ (lacht).

Schönemann: Auch so’n Running Gag.


One Comment on “30 x Marie Brand: Millowitsch & Schönemann”

  1. nouseforislam says:

    Die Frau, die nicht mit Ungeimpften drehen will…..schon klar…..


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