Beach Bunny, Alex the Astronaut, She and Him

Beach Bunny

Wenn die Zivilisation, kleines Gedankenspiel, ein Strandhäschen wäre – das Empowerment marginalisierter Gruppen würde nicht noch immer in den Startlöchern Cis-Mann-dominierter Machtstrukturen feststecken, sondern fast schon am Ziel sein. Beach Bunny ist schließlich nicht nur eine der aktuell erfrischendsten Alternative-Bands, sondern auch so divers vielschichtig und dabei nie verkrampft, wie überhaupt nur möglich im Cis-Mann-dominierten Musikzirkus.

Niemand im Chicagoer Quartett entspricht irgendeiner Perfektionsschablone, Gitarristin Lili Trifilio traut sich allen Ernstes, zugleich lieblich und tough zu singen und sein. Ihre Westcoast-Kompositionen von der Ostküste klingen wie scheppernde Selbstermächtigungen ohne wütenden Unterton. Das zweite Album Emotional Creatures darf demnach sogar Gefühl im Titel tragen und das auch noch ein bisschen süßlich unter die garagigen Powerpop-Riffs reiben. Selten klang emanzipierte Kraftmeierei tiefenentspannter.

Beach Bunny – Emotional Creatures (Mom + Pop Records)

Alex the Astronaut

Und wo wir grad bei zweiten Platten unaufgeregt feministischer Nebenflusspaddlerinnen mit Potenzial zur emotionalen Überwältigung sind: die Australierin Alex the Astronaut hat ihr Debütalbum mit einer Reihe Songs fortgesetzt, an denen abermals alles, aber auch wirklich alles bezaubernd ist. Bezaubernd klug bezaubernd komisch, bezaubern kreativ, bezaubernd räudig, bezaubernd ergreifend, bezaubernd woke und aware und tough und alles, was Energie einflößt.

Mit gerade mal 26 Jahren singt sie zu ihrer punkig angefolkten Westerngitarre über die richtig beiläufigen Dinge des Lebens und lässt dazu Schnorchelblasen aus der Tiefsee aufsteigen. Hier der tägliche Einkauf im Supermarkt, dort der wöchentliche Besuch bei der Psychologin, alles verabreicht mit der erzählerischen Wucht einer Kimya Dawson und der schnodderigen Shoegaze-Attitütde von Fazerdaze – das macht How to Grow a Sunflower Underwater zur Quintessenz kämpferischer Lebensfreude.

Alex the Astronaut – How to Grow a Sunflower Underwater (Network Music)

She and Him

Wer wie das Westküsten-Duo She and Him aus Portland/Oregon kommt, wo gefühlt ausschließlich vegan-woke Feminist:innen ein Leben in diversem Saus und Braus leben, hat all die Kämpfe um Lebensfreude mit Sinn und Verstand hingegen schon ausgefochten. Zooey Deschanel und M. Ward können sich demnach längst ihrer Lieblingsbeschäftigung jenseits linker Positionsschlachten widmen: in den Dünen des Pop buddeln und fantastische Sandburgen am Strand daraus bauen.

Ihr neuestes Projekt: eine Hommage an den Surfsound der Sixties, stilsicher Melt Away: getauft, als Tribute To Brian Wilson deklariert. Und wie lässig die humorbegabte Schauspielerin (New Girl) an der Ukulele mit Gitarrist M. alias Matthew die Sonnenseiten dieser fernen Zeit des Erwachens durchdekliniert, ohne dabei nostalgisch zu klingen, das macht ungeheuer viel Laune. Es regt aber auch zum Nachdenken an über die Entwicklungen der modernen Musik in den vergangenen 60 Jahren.

She and Him – Melt Away: A Tribute To Brian Wilson (Fantasy-Concord)



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