Döpfners Millionen & Körners Unbeugsame

Die Gebrauchtwoche

TV

27. Februar – 5. März

Um es trotz und wegen aller Polemik mit der akkuraten Menge Zynismus festzuhalten: jeder journalistische Arbeitsplatz birgt ein menschliches Schicksal, das Solidarität, Zuwendung und Schutz bedarf, aber nicht jeder journalistische Arbeitsplatz ist erhaltenswert, womit wir bei Welt und Bild wären. Beide Blätter haben sattsam Erfahrung damit, menschliche Schicksale so zu manipulieren, dass sie – sorry, fürs billige Wortspiel – in(s) Welt-Bild passen.

Erstere zum Beispiel empfand palästinensisches Leben vor 40 Jahren offen als unwert, was bei der Bild für praktisch alle Lebensformen abseits von der erhofften Kaufzielgruppe gewissensreduzierter Populismusfans gilt. Wie also soll man all jene, die ihr Gewissen am Axel-Springer-Platz 1 parterre abgeben, mit Solidarität, Zuwendung, Schutz versorgen? Gar nicht, liebe Springer-Bagage! Wer dem Teufel ins Rektum kriecht wie die schreibende Gauleitung des Gossenjournalismus, stinkt nicht nur schwefelig, er verdient die Arbeitslosigkeit.

Wenn Mathias Döpfner an euch nun 100 Millionen Euro spart, damit sein Konto mittelfristig die Zehnstelligkeit entert, könnt ihr die freie Zeit vielleicht dafür nutzen, in euch zu gehen, Buße zu tun, Schweigekloster vielleicht oder mal ein paar Wochen im Flüchtlingslager helfen. Alles besser als der Dreck, den ihr sonst in die Welt kübelt und damit schlimmer seid als Rupert Murdoch, der wenigstens zugibt, wie sein rechtes Pöbelforum Fox News nach der US-Wahl 2020 Lügen verbreitet hatte.

Dass Sean Hannity, Jeanine Pirro oder Maria Bartiromo dafür rausgeflogen sind, ist im Gegensatz zum RBB-Programmchef Jan Schulte-Kellinghaus freilich nicht überliefert, der nun durch die (vorerst) unbescholtene Martina Zöllner ersetzt wird. ARD und NDR haben währenddessen die Serienloser vergangener ESCs durch eine Band namens Lord of the Lost ersetzt, die sich im Mai um den letzten Platz bewirbt. Viel Erfolg dabei!

Die Frischwoche

0-Frischwoche

6. – 12. März

Wenig Erfolg dürfte nach Wochen verheerender Kritik normalerweise die lineare Ausstrahlung von Der Schwarm ab heute im ZDF haben, aber deutsche Zuschauer sind mindestens ebenso merkwürdige Wesen wie das Nord- und Ostseegetier, dem der Naturfilmer Thomas Behrend parallel für die ARD-Reihe Erlebnis Erde: Unserer Meere nachgeschwommen ist. Unsere und überhaupt alle weiblichen Wesen dürften zwei Tage später dagegen gern im Zentrum aller Kanäle stehen.

Am Weltfrauentag allerdings haben sich die meisten davon fürs alltägliche Regelprogramm entschieden, weshalb der Bachelor zur Primetime RTL-Sexismus kultiviert und selbst Arte nur ein Re:-Plätzchen vor acht für feministische Themen (Frauenmorde) bereithält. Immerhin zeigt 3sat um 20.15 Uhr Torsten Körners herausragende (Un-)Gleichberechtigungsdokumentation Die Unbeugsamen über Politikerinnen der ersten fünf BRD-Jahrzehnte und wie die Herren der Schöpfung sie darin bekämpft haben.

Selbstgerechte, graue, misogyne, lächerliche, aber mächtige Typen übrigens, die auch den italienischen Sechsteiler Und draußen die Nacht bevölkern, mit dem Arte in seiner Mediathek parallel eines der folgenschwersten Attentate der europäischen Nachkriegsgeschichte nachstellt: Den Mord am Christdemokraten Aldo Moro, der 1978 ein Bündnis mit der kommunistischen Partei eingehen wollte. Ähnlich historisch: Der Reichstagsbrand, dem Arte linear zugleich einen Schwerpunkt widmet. Und damit zur Fiktion dieser Woche.

Heute startet Magenta TV die Biopic-Miniserie Becoming Karen Blixen. Mittwoch zeigt Netflix die liebenswerte, aber bisweilen seichte Late-Coming-of-Age-Dramedy Faraway um eine deutsch-türkische Frau auf Selbstfindungstrip. Bei Paramount+ läuft ab Donnerstag die sechsteilige Romanze Love Me, während die Sky-Serie Christian zeitgleich Mystery mit Mafiosi verbindet und In Search of Tomorrow tags drauf fünfmal die Geschichte der Science-Fiction erzählt. Unwissenschaftliche Fiction zum Schluss: Bernd Münchow als Thirtysomething in der dreiteiligen Neo-Komödie Like a Loser und die nächste Paartherapie, diesmal: Familie Anders, ab Sonntag mit wechselnden Promi-Patient:innen im ZDF.

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