Müllers Rechte & Murder Mystery
Posted: July 27, 2026 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen |Leave a commentDie Gebrauchtwoche

20. – 26. Juli
Morgen Kinder wird’s was geben, morgen werden sich AfD-Fans ausnahmsweise wieder über das Erste freuen, wenn Dieter Nuhr auftritt und die Opfer des Berliner CSD womöglich zu Tätern umdeutet. Punchline-Tendenz: Selber schuld, ihr Tucken! Samstag drauf dann könnte ihn der NDR wie acht Tage zuvor ja abermals in Inas Nacht bitten, wo der salonrechte Leib- und Enddarm-Comedian vom Dienst einfach nur ein lustiger Zotenonkel von nebenan sein darf.
Kritische Fragen? Nicht bei Frau Müller. Die will einfach nur arglos saufen, weshalb der blasbraune Nuhr bei ihr faseln durfte, es wirke „so provokant oder fremd, was ich sage“, weil er „oft von Reisen nach Hause käme und denkt, was haben die denn für Probleme hier.“ Nina Mülllers Reaktion? „Na ja, was anderes.“ Haha. Also gut, dann halt was anderes. Wenigstens beinahe. Etwa, dass rechte Medien wie die Bild gerade versuchen, Kritik an der Doppelmoral des Springer-Zöglings Jens Spahn in Sachen Leihmutter-Baby als linke Homophobie abzubügeln.
Oder dass Friedrich Merz im ZDF-Sommerinterview sagte, Schweizer würden 200 Stunden mehr im Jahr arbeiten, was laut Recherchen von correctiv entweder verlogen, ignorant oder dumm, vermutlich aber von allem etwas war. Oder dass sein heimliches Vorbild in Sachen Tatsachenverdrehung – Karoline Levitt – zurück in Donald Trumps Pressestab ist und einfach weiterlügt wie vor ihrer Babypause.
Man sieht also: Die Einschläge der wissens- und wissenschaftsfeindlichen Autokratie, sie kommen näher. Und da wirkt es alles andere als beruhigend, dass eine KI aus ihrem Testumfeld bei OpenAI ausbrechen und eigenmächtig externe Software hacken konnte. Das war aus Sicht vieler Fachleute zwar noch kein Zeichen für böses Bewusstsein, aber auch keines für Entspannung. Gleiches gilt beim Rekordbußgeld, das die EU-Kommission an Google verhängt hat.
Wegen unlauteren Wettbewerbs, so lautet der Vorwurf. Wobei 890 Millionen Euro zunächst mal nach einer ziemlich happigen Strafe klingen (die Meta natürlich anfechtet). Dummerweise entspricht die Summe allerdings nicht mal dem Tagesumsatz eines Quasi-Monopolisten, der sich auch weiterhin ebenso wenig um europäische Regeln scheren dürfte wie die AfD um die Rechte der LGBTQA+-Community.
Die Frischwoche

27. Juli – 2. August
Über den Anschlag darauf diskutiert Sarah Tacke in Vertretung von maybrit illner fortan fünf Donnerstage lang tages- bis wochenaktuelle Themen. Und weil sie zuvor bereits reichlich Erfahrung als WiSo-Moderatorin oder stellvertretende Leiterin der wichtigen ZDF-Redaktion für Recht und Justiz sammeln konnte, wird es ab 22.15 Uhr sicher gehaltvoll. Was sonst so läuft?
Tags drauf zum Beispiel in der sendereigenen Mediathek die europäische Koproduktion This is Not a Murder Mystery, die natürlich trotzdem eine Murder Mystery ist. Schon weil der berühmte Surrealist René Magritte darin fünf Teile lang mit ein paar Kollegen wie Salvador Dalí Mordfälle auflöst, die mit ihrer mysteriösen Kunst zu tun haben. Nicht unbedingt weltbewegende Alternative History, aber sehr originelle.
Das gilt so ungefähr auch für die parallel gestreamte Crime-Serie Back Up um zwei neuseeländische Polizistinnen, die einst liiert waren und jetzt gemeinsam Schwerverbrechen lösen – was das ZDF zum denkbar bräsigen Untertitel Auf Streife mit der Ex animiert. Eine Frau prägt ab Montag auch die Disney-Serie Furious, wenngleich mit ungewohnter Rollenverteilung: Es geht um eine Serienkillerin, die Männer tötet. Und auch in der norwegischen Near-Future-Serie For Live wechseln tradierte Geschlechterperspektiven.
Die erfolgreiche Osloer Kommissarin Victoria (Tone Mostraum) landet dort selber lebenslang im Gefängnis und versucht den Justizirrtum eines autokratischen Digitalstaates anno 2040 geradezurücken. Wer Nordic Noir mag… Wer Techno mag, den bedient hingegen die ARD-Doku Love is Stronger. In der Mediathek begleitet das Erste Dr. Motte dabei, wie er an seine Loveparade erinnert, während er die Ersatzveranstaltung Rave the Planet organisiert. Nicht gerade das Niveau von Capital B, aber angenehm nostalgisch.