RTL-CSO Marc Schröder: Linear & Digital

TV steht für Total Video

RTL befindet sich seit lange nicht nur mit der linearen Konkurrenz, sondern auch mit Video-Portalen in einem knallharten Wettkampf um Marktanteile und Deutungshoheiten. Zugleich aber hat der Privatsender die Fortsetzung von Deutschland 83 gemeinsam mit Amazon Prime produziert, wo Deutschland 86 zurzeit ebenso abrufbar ist wie beim US-Sender sundance TV. Ein Gespräch mit Marc Schröder (Foto: Bernd Arnold/journalist), als CSO der Mediengruppe RTL besonders für deren Digitalstrategie verantwortlich, über das Fernsehen von gestern, heute, morgen und wie seine Sender fortan bestehen wollen.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Herr Schröder, wie sehen Sie persönlich lieber fern – auf 4,8 Zoll, Touchpad-Größe oder einem Meter Bildschirmdiagonale?

Marc Schröder: Meine Videonutzung ist da vielfältig. Beim entspannten Fernsehabend mit einem Spielfilm oder einer guten Serie, bevorzuge ich den großen Screen im Wohnzimmer. Für den kurzen Newsclip reichen aber schon vier Zoll.

Also anlassbezogen.

Genau, es kommt auf die Inhalte an. Abgesehen davon hängt die Nutzung allerdings auch von der Situation ab. Wenn ich im Zug sitze und Zeit habe, schaue ich mir dort nicht nur Newsclips auf dem Smartphone an, sondern auch mal eine Serienepisode.

Dienen die Vorlieben des CSO der Mediengruppe RTL da auch als Indikator, was deren Kundschaft wollen könnte?

Von sich auf die Allgemeinheit zu schließen, nenne ich Marktforschung mit der Stichprobengröße 1 und die halte ich für gefährlich und warne entsprechend davor. Da verlassen wir uns neben der Intuition lieber auf richtige Marktforschung.

Darüber hinaus lebt die Zukunft der Mediennutzung direkt bei Ihnen im Haus. Dienen Ihre eigenen Kinder da als erste Gradmesser?

Es hilft jedenfalls bei der Einschätzung unserer Mediennutzung, diese Generation unmittelbar vor Augen zu haben. Auch da ist mir die Stichprobe zwar zu klein, um auf die Allgemeinheit zu schließen, aber es gibt mir ein erstes Gefühl dafür.

Entscheidet also vor allem die Nachfrage übers Angebot der Mediengruppe RTL oder manchmal – egal, auf welchem Bildschirm – auch die eigene Idee vom Fernsehen?

Die Mediengruppe RTL ist zunächst mal ein Unternehmen. Neben dem Kulturgut produziert es also auch ein Wirtschaftsgut. Deshalb ist es bei uns ganz klar so, dass wir Inhalte für Zielgruppen schaffen, die werberelevant sind. Genau darauf ist unser Portfolio zugeschnitten. Das Besondere ist, dass wir dabei auf viele Experten und Talente bauen können, um diese Zielgruppen mit massenattraktiven Inhalten zu erreichen. Wir können unterhalten und informieren, hochwertige Nachrichten und Shows produzieren, über unsere Formate Themen setzen und damit Nachfrage adressieren.

Sie setzen also schon gezielt Themen?

Historisch betrachtet, haben wir das immer wieder erreicht. Soaps wie Gute Zeiten, schlechte Zeiten oder die großen Shows sind weiterhin Formate, über die man morgens im Büro an der Kaffeemaschine spricht, mit denen wir auch regelmäßig Talk of the Town sind. Team Wallraff oder Das Jenke Experiment, ein RTL-Themenmonat Hartz IV oder die Doku Asternweg bei VOX schaffen es gezielt Themen zu setzen, die von hoher gesellschaftlicher Relevanz sind und den Nerv der Zuschauer treffen. Das sind TV-Events, über die ganze Deutschland spricht.

Ist das nicht ein bisschen nostalgisches Wunschdenken aus der analogen Ära?

Schauen Sie sich nur die Berichterstattung darüber in den Print- und Onlinemedien oder die Interaktion in sozialen Netzwerken an, wo wir übrigens, wie kaum eine andere Medienmarke in Deutschland, über insgesamt 30 Millionen Facebook-Fans verfügen. Natürlich verschließen wir vor der Fragmentierung auch nicht die Augen, die erleben wir in unserem Medium seit Jahrzehnten und haben sie durch diverse Sendergründungen ja auch selbst aktiv vorangetrieben. Es ist naturgemäß schwerer als vor 15 Jahren, große Themen zu setzen und damit eine zweistellige Millionenreichweite zu erzielen. Aber wenn das noch irgendwo gelingen sollte – dann im linearen Fernsehen. Wir beobachten hier auch jenseits des Sports noch Massenphänomene.

Dafür muss allerdings auch die Mediengruppe RTL versuchen, junge Zuschauerschichten an sich zu binden. Wie lockt sie die Generationen Y bis Z vor den Fernseher?

Abgesehen davon, dass es der Mediengruppe RTL zunehmend egal ist, auf welcher Art Bildschirm ihr Angebot genutzt wird, konfektionieren wir die Inhalte auf alle Zielgruppen zu. Da hat unsere Senderfamilie für jeden Bedarf den zugehörigen Kanal. Daneben haben wir mit TV Now seit gut zehn Jahren ein Video-on-demand-Angebot, das der Zeit- und Ortsunabhängigkeit jüngere Zielgruppen gerecht wird.

Nur technisch oder auch dramaturgisch?

Wir erreichen mit Informationen wie RTL Aktuell oder Team Wallraff und Unterhaltung von Der Lehrer auf RTL bis zur Höhle der Löwen bei VOX weiterhin sehr viele junge Zuschauer. Linear – aber zunehmend eben auch bei TV Now. Darüber hinaus experimentieren wir natürlich auch mit verschiedenen Erzählformen und haben das viele Erfahrungen gesammelt.

Zum Beispiel?

Dass sich anspruchsvolle, horizontal erzählte Serien besonders für VoD-Plattformen eignen. Dafür dürfen wir allerdings nicht immer nur vom Gleichen mehr schaffen oder die nächste noch komplexere Crime-Serie aus den USA importieren, sondern das tun, was wir am besten können: bessere Unterhaltung spezifisch für den deutschen Markt generieren.

Ihr Fokus, so scheint es, liegt dabei unmissverständlich auf Fiktion und Entertainment. Wird es darüber hinaus mehr Information und Dienstleistung geben – seien es digitale Lifestyle-Channels, seien es neue Nachrichtenportale?

Wenn Sie sich TV Now anschauen, bieten wir bereits heute einen breiten Themen- und Genremix. Das werden wir fortsetzen, stärken und ausbauen. Wir werden daher auch in exklusive lokale Inhalte investieren, aber nicht in einer Monokultur, wie es anfangs bei den amerikanischen Streamingportalen der Fall war. Auch da beobachten wir zwar eine Verbreiterung des Angebots, aber noch nicht wie bei klassischen TV-Sendern. Darin wollen und werden wir uns deutlich unterscheiden.

Aber ist für ein wirtschaftlich denkendes Unternehmen da nicht die Verlockung groß, auf rentable statt nachhaltige Inhalte zu setzen, also eher Fashion als News?

Journalistische Bewegtbildinhalte sind auf n-tv, aber auch RTL Basis und integraler Bestandteil unserer Sender- und Webangebote. Aktuelle Informationen haben bei der Mediengruppe von Beginn an einen sehr hohen Stellenwert. Wir nehmen unsere gesellschaftliche Verantwortung sehr ernst.

Wie passt es dann dazu, dass RTL II die Abendnachrichten auf 17 Uhr vorverlegen und das Wochenende gänzlich newsfrei halten will?

Die Sendeplatzverlegung ist eine programmstrategische Entscheidung von RTL II. Darüber hinaus sind wir überzeugt, dass Nachrichten nicht auf jedem unserer Sender gleichermaßen nachgefragt werden. RTL produziert pro Werktag fünfeinhalb Stunden News und Magazine. Gemeinsam mit n-tv bietet die Mediengruppe neben dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk so einen privat finanzierten Qualitätsjournalismus, der die Menschen rund um die Uhr auf allen Plattformen informiert. Und die Brücke vom seriösen Spielfilm zum Makeup-Video ist breit. Ohne zu weit in die Zukunft zu blicken, liegt unser Fokus aber eher auf längeren Formaten. Ob das immer 42-minütige Episoden sind, sei mal dahingestellt, aber zwischen 25 und 3 Minuten ist abgesehen vom Inhalt schon ein gehöriger Unterschied. Um nicht beliebig zu werden, muss man sich hier klar positionieren.

Positionieren sich zumindest die Vollprogramme der Gruppe als Teil der alten Medien, die sie drei Jahrzehnte nach Öffnung des dualen Systems nun mal sind, auch gegen die Probleme der digitalen Kommunikation von Hate-Speech bis Fake-News?

Auf jeden Fall, da haben wir nicht nur hohe journalistische Ansprüche, sondern auch gesellschaftliche Verantwortung. Wir setzen auf professionellen Journalismus als Mittel gegen Fake News, die wir als Online Desinformation bezeichnen. Denn Begriffe „Fake“ und „News“ in einem Atemzug zu nennen, ist ein leider beliebtes und durchaus wirksames Mittel, eine ganze Branche zu verunglimpfen. Darüber hinaus spielt es denjenigen in die Karten, die diese bewusste Manipulation von Informationen mit meist wirtschaftlicher oder politischer Motivation verschleiern wollen. Sauberes journalistisches Handwerk, eine hochwertige journalistische Ausbildung sowie ein konsequentes Qualitätsmanagement sind der Schlüssel, um Vertrauen und Treue der Zuschauer und Nutzer zu sichern. Darin investieren wir und dafür sorgen über 700 Mitarbeiter in journalistischen Funktionen bei der Mediengruppe RTL, in Außenstudios im Inland und Korrespondentenbüros weltweit sowie ein eigens geschaffenes Verifizierungsteam. Hinsichtlich Hate-Speech haben wir zunächst mal keine eigene Plattform mehr, in der die Communities selbst solche Inhalte einstellen könnten.

Sie meinen user generated content, den der Watchbox-Vorläufer Clipfish schon 2013 eingestellt hat.

Genau. Die Zeiten, in denen Clipfish auch ein Videoforum war, sind länger vorbei. Nichtsdestotrotz schauen wir, was insbesondere auf Facebook in den Diskussionen zu unseren Inhalten passiert. Wir stehen zu unserer Verantwortung als Inhalteanbieter. Darüber hinaus nutzen aber auch wir einschlägige Plattformen aus den USA, um mit den Nutzern in Dialog zu treten. Und wenn dort Äußerungen jenseits des juristisch Erlaubten oder gegen unsere Netiquette veröffentlicht werden, lautet unser Motto ganz klar: Handeln. Und das bedeutet bei Rechtsverstößen nicht nur löschen, sondern verfolgen. Hier arbeiten wir unter Koordination der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen und dem Ministerium des Inneren von NRW mit den Behörden und Plattformanbietern zusammen, um eine effektive Strafverfolgung im Netz zu gewährleisten.

Könnte ein digitaler Nachrichtenkanal über die strafrechtliche Verfolgung von Hate-Speech hinaus nicht zur Verbesserung der Streitkultur im Netz beitragen?

Den haben wir bereits. Er heißt n-tv und stellt auch online relevante News im Vordergrund – auch wenn die App klar auf die mobile Nutzung anderer Zielgruppen als am Fernseher zugeschnitten ist. Zudem bauen wir RTL.de grad zum General-Interest-Portal aus – journalistischer, aber auch weiblicher und boulevardesker. Dadurch werden wir digital gut und komplementär aufgestellt sein.

Wird es dazu eine Art kommerzielles funk geben, mit dem ARD und ZDF ihren Jugendkanal ins Netz verlegt haben?

Auf absehbare Zeit nicht. Da fehlt schlicht ein Geschäftsmodell, über das sich funk dank des Rundfunkbeitrags nicht kümmern muss. Für uns ist es – mit Verlaub – absurd, dass öffentlich-rechtliche Anstalten dank gebührenfinanzierter Inhalte gigantische US-Plattformen kostenlos ausstatten und stärken. Wir haben zwar mit Formaten wie Comedy Rocket experimentiert und festgestellt, dass an so anspruchsvoller Komik durchaus Interesse besteht. Auf Youtube ist die Monetarisierung allerdings nach wie vor schwierig für jemanden, der professionell produzierten Inhalt einstellt. Insofern zeigen wir so etwas eher im eigenen digitalen Kontext.

Wie würden Sie die digitale Gesamtstrategie der Mediengruppe RTL in einem Satz zusammenfassen?

Wir wollen die besten, relevantesten Inhalte für unsere Zielgruppen auf all unseren Plattformen so konfektionieren und verbreiten, dass die Nutzer immer und überall Zugriff darauf haben.

Und welche Bedeutung hat das lineare Fernsehen dabei noch?

Für uns steht TV seit langem für Total Video. Lineare wird es als Ursprung und Basis unseres Geschäfts wichtiger Bestandteil dieser Strategie bleiben, konzeptionell aber ein Element unter vielen. Der klassische Weg, auf dem Bewegtbildinhalte zum Zuschauer kommen, nimmt ab.

Welche Rolle werden neue Wege wie Snapchat und Facebookin da künftig spielen?

Wir sind stets früh dabei, wenn sich neue Verbreitungswege öffnen, und bereit, Portalen wie Snapchat die nötige Zeit zu geben. Irgendwann kommt jedoch der Punkt, wo man vom Experimentierfeld zum Geschäftsmodell kommen muss, und ob das auf absehbare Zeit geschieht,  gleicht dem Blick in die Glaskugel. Zumal wir nicht wissen, welche Innovationen demnächst hinzukommen. Wir nutzen Facebook oder Twitter zur Kommunikation mit unseren Communities, aber noch nicht als Ertragsfeld.

Wie ist es mit digitaler Technik von Virtual Reality bis 360˚-Ansichten – sind das auch noch Experimentierfelder oder schon Zukunftsmodelle?

Was VR betrifft, sind wir über Gehversuche bereits hinaus, die Group hat sich sogar am VR-Unternehmen Inception beteiligt. Und vor zwei Jahren haben wir Stern TV bereits auf der IFA im 360° Stream gezeigt. Anders als auf dem Smartphone haben solche Ansichten auf großem Bildschirm noch ihre Probleme. Genauso wenig, wie bei 3D, wird es demnach eine flächendeckende Ablösung des Mediums Video durch VR und 360˚ geben.

Und wenn es die Kundschaft fordert?

…würden wir eine gute Balance zwischen Bedarf und Ertrag finden. Unsere Erfahrung ist, dass VR insbesondere im Bereich Live-Konzerte und Computerspiele zur Anwendung kommen wird. Ich habe dagegen mal eine VR-Version vom Kleinen Hobbit gesehen und bis dato nichts von weiteren, größeren Plänen der Filmindustrie gehört. Wir investieren, testen, experimentieren immer da, wo wir einen zusätzlichen Nutzen für unsere Zuschauer und Werbekunden sehen, es macht jedoch wenig Sinn, zu viel vor der Welle zu investieren.

Beim Wetter testen Sie dagegen bereits die Zukunft und ersetzen Moderationen durch automatisierten Bot-Prognosen…

Bei wetter.de setzen wir diese Möglichkeit in der Tat seit einiger Zeit für einfache ortsgebundene Vorhersagen ein. Es macht aber derzeit keinen Sinn, künstliche Intelligenz mit komplexen Themen, wie Berichten zu Unwettern, der Dürre und Hitze des Sommers oder Ursachen des Klimawandels zu betrauen. Hier bedarf es weiterhin der Einordnung und hohen Kompetenz unserer Journalisten.

Was halten Sie denen entgegen, die Digitalisierung vormals analoger Medien für massiven Stellenabbau verantwortlich machen?

Dass Digitalisierung die Chance bietet, Zuschauer und Nutzer überall und jederzeit mit Inhalten zu erreichen. Allein 2017 wurden 45 Millionen bewegtbildfähige Screens in Deutschland verkauft. Auf all diesen Endgeräten möchten wir unser Publikum erreichen. Und wie bereits erwähnt, verfügt die Mediengruppe RTL mit rund 700 Journalisten über eine der größten Redaktionen Deutschlands, die auf allen Plattformen veröffentlicht. Um die Chancen der Digitalisierung noch besser zu nutzen, bauen wir derzeit insbesondere die Online-Redaktion sogar deutlich aus – gerade aufgrund der steigenden Möglichkeiten für Journalismus.

ProSiebenSat1 Media wird mit Schuhshops und Reisebüros gerade zum Gemischtwarenladen mit angeschlossener Fernsehsparte. Wie viel Diversifizierung abseits vom klassischen Kerngeschäft wird es bei der Mediengruppe RTL geben?

Ich finde den Vergleich schon deshalb schwierig, weil ProSiebenSat1 als börsennotiertes Unternehmen die oberste Konzernebene ist, während über der Mediengruppe RTL noch die RTL Group kommt und eine Stufe höher Bertelsmann. Diversifikation stellt sich bei uns also völlig anders dar. Zumal ProSiebenSat1 als deutsches Unternehmen zur Diversifikation gezwungen ist. Für uns ergibt es dagegen bei internationalen Geschäften vielfach keinen Sinn, eine Technologie, die global skaliert, nur von Deutschland aus zu betreiben. Hinzu kommt, dass akquisitorische Investments oft davon getrieben sind, TV-Werbung zu brauchen.

Im Tausch gegen Firmenanteile.

Unser Ansatz ist ein anderer, wir nennen ihn TV-Werbevertrieb, wofür wir innerhalb unseres Vermarkters IP-Deutschland ein Team namens Unit3 aufgestellt haben, das Unternehmen auf flexiblerer Grundlage Werbung verkauft, ohne sich daran zu beteiligen. Alles andere erscheint uns zu riskant. Unser Fokus liegt auf strategischer Diversifikation. Da agieren wir mediennah, selektiv, fokussiert und schauen uns nur Unternehmen an, die nachhaltig von uns profitieren.

Zum Beispiel?

Couponing. Da haben wir im Bereich E-Commerce B2C zwei Akquisitionen getätigt, die keinen größeren Logistikaufwand betreiben müssen: Gutscheine.de und Sparwelt.de. Beide haben, was Markenbekanntheit und Suchmaschinensichtbarkeit betrifft, von TV-Werbung profitiert.

Und welcher Rolle bemessen Sie dem Gaming inklusive der Boom-Sparte E-Sports bei,  wo besonders ProSieben sehr aktiv ist?

Computerspiele sehe ich derzeit – von Promo-Kooperationen wie RTLspiele.de abgesehen – jenseits unseres Horizonts. E-Sport dagegen macht aus dem Thema Games ein Videoprodukt, das der Übertragung von Formel1 oder Fußball konzeptionell sehr nah kommt. Die Phänomene finden allerdings schwerpunktmäßig auf Digitalkanälen wie Twitch statt. Und die globale Verbreitung macht es lokalen Partnern – in diesem Fall gegen den Mutterkonzern Amazon – schwer, darum ein Geschäftsfeld zu errichten.

Sind ProSiebenSat1 und die Öffentlich-Rechtlichen da überhaupt noch Ihre Hauptkonkurrenten oder längst Medienkonzerne wie Amazon oder der Streamingdienst Netflix?

Alle sind Mitbewerber eines fragmentierten Marktes, den die Öffentlich-Rechtlichen zwar durch die Art ihrer Finanzierung verzerren, aber trotzdem bespielen – und zwar zusehends jenseits des linearen Angebots. Das macht sie für uns sehr relevant, aber unser Referenzrahmen bleibt die Gesamtnutzung des Mediums Video. Die gute Nachricht ist: Es wächst auch dank der großen Streamingdienste. Kopieren hilft da nicht weiter, ein RTL-Netflix kann nicht unser Ziel sein.

Zugleich setzen Sie auf Kooperationen wie im Fall von Deutschland 83, dessen Fortsetzung zuerst bei Amazon laufen wird.

Solang man die dringend nötige Exklusivität der Inhalte in Kooperationen abbilden kann, wie es ARD und Sky ja gerade auch mit Babylon Berlin machen, ist das denkbar. Wenn man sich mit der Konkurrenz zusammentut, ist Exklusivität natürlich relativ, könnte aber am Ende auch ein Weg von vielen sein. Darüber hinaus werden wir mit unseren Mitteln eine Alternative bieten und die ist künftig TV Now als eigenständiges, vollumfängliches VoD-Angebot.

Den Vorläufer dieser Video-on-Demand-Plattform haben Sie damals noch unterm Titel „RTL Newmedia“ bereits ab 1999 mit aufgebaut.

Lang ist’s her, wir haben da auch mal Video gezeigt, aber es gab ja noch gar keine Breitbandanschlüsse…

Knapp zehn Jahre später ist unter Ihrer Führung RTL Interactive entstanden, wo das multimediale Geschäft jenseits vom Fernsehen gebündelt wird. Wie hat sich Ihr Tätigkeitsfeld seither verändert?

Da muss ich in aller Bescheidenheit ergänzen, dass ich 2008 auf einer sehr guten Basis aufsetzen konnte. Heute besteht der Unterschied zunächst in der Streichung des „neu“ in „neue Medien“. Klingt banal, kennzeichnet aber die Tatsache, dass digitale Medien einst als Insellösung betrachtet, organisiert und auf grüne Wiesen ausgelagert wurden, um sich dort ordentlich auszutoben. Mittlerweile ist die Digitalstrategie kein Spielplatz mehr, sondern integraler Bestandteil jeder Gesamtstrategie, die in sich digital sein muss.

Warum sind Sie 2007 nach Ihrem Intermezzo bei der Telekom zu RTL zurückgekehrt. Heimweh?

Auch, aber ich hatte seinerzeit schon bei der Telekom Video-Angebote entwickelt, angefangen vom ersten großen Breitband-Portal T-Online Vision bis hin zu T-Home, das nun Entertain heißt. Sie sehen – bei mir war schon immer alles Video. Aber nach sechs Jahren war dieser Abschnitt einfach abgeschlossen. Interessanter ist daher die Frage, warum ich zur Telekom gegangen bin.

Und?

Weil unser erster Geschäftsplan bei RTL 2002 ergeben hatte, dass sich Video-on-Demand seinerzeit nicht rechnen konnte. Weil bei der Telekom nicht nur Videos, sondern auch DSL-Anschlüsse verkauft werden sollten, war das dort etwas anderes.2008 dagegen war die Zeit auch bei RTL reif, im Jahr zuvor ist dort RTL Now entstanden, da war es überaus spannend, zurückzukehren.

In ein Management übrigens, das Anke Schäferkordt allein unter einem Dutzend Männern führt. Ist das in Zeiten von MeToo und Quoten ein Unfall?

Bei der  Mediengruppe RTL gibt es über 50 Prozent weibliche Mitarbeiterinnen und eine Reihe von Frauen in leitenden Funktionen. Gleichzeitig wissen wir, was den Frauenanteil in Führungspositionen betrifft, dass wir noch besser werden können und halten stetig Ausschau nach geeigneten Kandidatinnen. Manchmal lässt es sich aber einfach nicht erzwingen.

Was hat Ihr Wechsel ins strategische Management für Sie persönlich geändert?

Dass ich heute noch übergreifender denken darf. Strategische Aspekte waren zwar auch zuvor schon sehr wichtiger Teil meiner Aufgaben. Aber sich nun von manchen Zwängen des operativen Geschäfts freimachen zu können, empfinde ich als große Chance. Als Strategieverantwortlicher habe ich mit allen Geschäftsbereichen zu tun, um die Entwicklung einzelner Inseln zum Kontinent voranzutreiben. Das Wesen meiner Arbeit heißt Integration. Wann eine Sendung wie und auf welcher Plattform ausgestrahlt wird, entscheidet ja keine Abteilung für sich, sondern ein übergreifendes Content-Board, das vom Programmeinkauf über die Sender bis zu TV Now alle einbezieht.

Zum Abschluss ein letzter Blick in die Glaskugel: Wo sehen Sie sich und RTL 2028?

Wir werden noch mehr Vielfalt haben und Inhalte weiter ausdifferenzieren. Auf der anderen Seite wird es weiter die Highlight-Formate geben, also zentrale Lagerfeuer. Bei der Anzahl fiktionaler Eigenproduktionen legen wir ein hohes Tempo vor. Schon heute sind rund 90 Prozent der Inhalte von RTL Eigen- und Auftragsproduktionen. Wir werden ein Zeitalter großer Kreativität und Qualität erleben. Aber das wird für alle Marktteilnehmer nötig sein, um sich zu differenzieren.

Das Interview ist zuvor im Medienmagazin journalist erschienen
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Jürgen Vogel: Blochin & The Team II

Sonst stirbt das Gefühl ab

Die internationale Koproduktion The Team (Foto: Quellenangabe: ZDF/Miklos Szabo) geht derzeit auf Arte und im ZDF in die 2. Staffel. Und wieder ist der vierteilige Thriller furchtbar missraten – daran kann auch Jürgen Vogel bei aller Mühe nichts ändern. Ein Gespräch über seine Sehnsucht nach Zuschauern, die Synchronisation der eigenen Figur, Tatort-Pläne und was The Team 2 mit Pilcher zu tun hat.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Jürgen Vogel, wissen Sie wer nächste Woche 25. Geburtstagstag feiert?

Jürgen Vogel: Nee, wer denn?

Die Rosamunde-Pilcher-Reihe im ZDF!

[lacht] Echt, so lang gibt’s die schon?

Seit 1993. Irgendwelche Geburtstagsgrüße nach Mainz und Cornwall?

Dafür weiß ich zu wenig darüber, aber wie kommen Sie jetzt auf Pilcher?

Weil ich Sie fragen wollte, was The Team II wohl mit einer Pilcher-Verfilmung zu tun haben könnte.

Außer, dass wir auf dem gleichen Sender laufen nicht allzu viel, hoffe ich.

Wo auch immer sich die Figuren beider Reihen in der Welt aufhalten – alle sprechen dort absolut akzentfreies Hochdeutsch miteinander…

Na, das macht die Frage jetzt doch mal interessant. Ich musste mich selbst ja für die deutsche Fassung synchronisieren und habe mir da wirklich große Mühe gegeben, ein bisschen weniger künstlich zu klingen und nicht immer alles ganz klar zu prononcieren. Sonst stirbt das Gefühl ab. Trotzdem finde ich es insgesamt furchtbar, alles zu übersetzen. Es läuft in Belgien in Originalfassung…

Also Französisch, Englisch, Deutsch, Dänisch.

Es läuft in Dänemark in Originalfassung. Es läuft zum Glück – bitte schreiben Sie das auf – in der Mediathek in Originalfassung. Wo es nicht in Originalfassung läuft, ist im Zweiten. Dazu muss man allerdings wissen, dass das ZDF zu keinem Thema mehr böse Leserbriefe kriegt als bei schwer verständlichem Ton. Weil das Stammpublikum schon etwas älter ist und daher oft nicht mehr ganz so gut hört, beklagt es sich sehr laut darüber, wenn der Sound nicht supersteril und deutlich ist. Das finde ich okay, aber überhaupt nicht zeitgemäß. Weil es meinen Geschmack nicht trifft, empfehle ich wärmstens die Online-Version mit deutschen Untertiteln.

Vor Ihrer Titelrolle Blochin meinten Sie, der Weltmeister in Sachen Filme zu sein, die gut sind, aber keiner sieht. Sind das dann so die Kompromisse eines Schauspielers, der auch mal von einem Millionenpublikum erlebt werden will?

Ach, jeder macht doch gerne mal was fürs breite Publikum, sofern die Bücher gut sind. Und diese hier sind es, das Thema Kunsthandel und Terrorismus ist spannend, meine Figur darin auch, sämtliche Kollegen inklusive der beiden Hauptdarstellerinnen waren supernett und absolut professionell – all das hatte ich zuvor nicht nur geahnt, sondern gehofft, und wirkte sehr überzeugend auf mich. Es war zwar manchmal harte Arbeit, die Drehbuchsprache so anzupassen, dass sie nicht nach Papier und (lacht) Pilcher klingt, aber sie hat sich gelohnt.

Kannten Sie die erste Staffel denn schon, bevor sie zur zweiten gebeten wurden?

Klar, zumal mit Miriam Stein eine sehr gute Freundin mitgespielt hat. Abgesehen vom Sound fand ich das auch richtig geil. Zum einen wegen der internationalen Koproduktion, zum anderen weil ich diesen „Nordic Noir“ skandinavischer Krimis sehr mag, an denen sich die Reihe orientiert. Aber machen wir uns nichts vor: Das Arthaus-Kino ist komplett im Arsch. Nichts gegen Romantic Comedies von Til Schweiger und Matthias Schweighöfer; die sind toll. Aber weil zusehends Monokultur herrscht, wandern tiefgründig erzählte Figuren von der Leinwand ins Serienfernsehen ab. Nur dort ist noch Kreativität und Vielfalt möglich – scheißegal, ob bei Netflix, Neo, Amazon oder Arte.

Das klingt jetzt eher trotzig als traurig.

Bislang sind die vielschichtigen Charaktere aus Skandinavien, England den USA hierzulande zwar noch selten, weil ARD und ZDF manchmal Angst vor der eigenen Chuzpe haben. Aber in zehn Jahren haben wir das aufgeholt. Und den Weg dahin ebnen – wie zuvor mit „Die Brücke“ – Koproduktionen, in denen das deutsche vom internationalen Fernsehen lernt. Ich sehe das als Chance. Auch für mich.

Ihre Rolle im Team ähnelt Blochin dabei ja insofern, als beide zwar ziemlich physisch und tough sind, zugleich aber äußerst empathisch und familiär.

Wobei letzterer da ständig an seinem Anspruch scheitert, während erstere höchstens ein bisschen in ihrer Patchwork-Situation festhängt.

Aber das Körperliche bleibt Ihren Rollen zueigen. Nutzt sich das nicht irgendwann ab?

Nö, ich bringe das als Typ mit und mag auch als Zuschauer ein paar Actionelemente gern.

Suchen Sie danach gezielt oder freuen sich bloß, wenn sich da was anbietet?

Suchen nicht. In meinem Beruf ist praktisch jeder grundsätzlich daran interessiert, möglichst verschiedenartige Figuren zu spielen. Zugleich hat aber jeder Schauspieler Seiten, die ihm besonders liegen und an ihm gesucht werden. Bei mir ist das neben der körperlichen Ebene eben der Humor, weshalb ich beides ein wenig mehr auslebe als alles andere.

Gibt es einen Charakter, der bislang noch gar nicht dabei war und jetzt endlich mal dran wäre?

Mich interessiert gute, intelligente Comedy, aber da bin ich mir noch nicht so ganz klar, wie ich das unterbringen kann. Ich denke da von Projekt zu Projekt.

Bleibt The Team in diesem Denken eine vierteilige Episode oder ist das auf eine Fortsetzung angelegt?

Ich fände das super und wäre sofort dabei, schon wegen der Möglichkeit, auf Englisch zu drehen. Aber momentan deutet sich da noch nichts an, die Produzenten müssen erstmal schauen, wie es sich international verkauft.

Mit dem Regisseur Matthias Glasner betreiben Sie nebenbei noch die Filmproduktionsfirma Schwarzweiß. Arbeiten Sie selber gerade daran, Ihr Portfolio zu erweitern?

Das haben wir ja mit Blochin versucht, aber wenn man sieht, wie das ZDF abgesprungen ist, zeigt sich: so richtig leicht ist es nicht, das Fernsehen zu verändern. Aber ich entwickle gerade mit Oliver Berben von der Contanstin etwas für die Zukunft.

In Kooperation mit einem Streamingdienst womöglich?

Verraten wird da noch nix.

Wenn man sich die neue deutsche Fernsehvergangenheit ansieht, wo Serien wie KDD oder Im Angesicht des Verbrechens von der Kritik gefeiert, aber vom Publikum verschmäht wurden – wie bringt man Qualität und Quantität denn bloß in Einklang?

Schwer zu sagen, denn selbst die besten US-Serien laufen auf kleinen Sendern wie Vox am Publikum vorbei. Das hat natürlich mit den starren Sendezeiten zu tun, denen die Menschen einfach nicht mehr folgen. Die Zukunft ist daher die Mediathek, wo man so gucken kann, wie es das eigene Zeitbudget erlaubt, nicht die Programmplanung. Darum muss die Einschaltquote auch dringend online gemessen werden.

Zwei Möglichkeiten gäbe es noch, im linearen Programm richtig Quote zu machen.

Na?

Fußball-Profi zu werden oder Tatort-Kommissar. Der erste Zug ist abgefahren, wie ist es mit dem zweiten?

Da gab es immer mal Anfragen, aber die waren mir bislang zu wässrig. Wenn ich den Tatort-Kommissar machen würde, müsste die Figur nach 35 Jahren im Geschäft, wo ich eher für interessante Randfiguren stehe, definitiv besonders sein. Und da rede ich jetzt gar nicht von explodierenden Autos.

Tendenz also eher Verdeckter Ermittler in Hamburg als Currywurstbude in Köln?

Zu ersterem gibt es in der Tat schon Ideen, aber die erzählen wir ein andermal…


Nico Hofmann: Amazon & Deutschland 86

Mir geht’s um den Brennmoment

Seit er vor 20 Jahren erst als Regisseur, dann als Produzent das deutsche Fernsehen von Autorenkino auf Eventmehrteiler gekrempelt hat, beeinflusst Nico Hofmann (Foto: Ufa/RTL) sein Medium mehr als jeder andere in Fernsehland. Für die Fortsetzung der RTL-Serie Deutschland 83 hat er nun Amazon ins Boot geholt, wo sie ab heute ins Jahr 1986 verlegt wird. Ein Gespräch mit dem 58-jährigen UFA-Chef über globale Zusammenarbeit und dramaturgische Herzensangelegenheiten.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Nico Hofmann, wenn heute Abend die Fortsetzung von Deutschland 86 startet – sieht man der Serie an, dass es nicht vom deutschen Fernsehsener RTL, sondern dem amerikanischen Streamingdienst Amazon verantwortet wird?

Nico Hofmann: Ob man es an der Ästhetik sieht, weiß ich nicht. Aber es ist ganz sicher so, dass es im Rahmen der erzählerischen Konzeption von Anna und Jörg Winger mit ihrer Verlagerung des Geschehens nach Südafrika und Libyen, mit mehr politischer und dramaturgischer Radikalität, mit dieser spielerischen, fast tarantinohaften Persiflage von Actionelementen vom Auftraggeber eine Art von Freiheit erfordert, die Amazon wahrscheinlich eher gewährt als lineare Fernsehsender. Ich erinnere mich gut ans „Macht mal!“ von Prime-Chef Christoph Schneider. Das war ein toller Moment für uns als UFA und mich als alter Hase.

Zugleich beinhaltet des „Macht mal!“ offenbar die Erlaubnis, ruhige Handlungsstränge von Deutschland 83 drei Jahre später mit allerlei Bombast zu füllen. Ist das die Steigerungslogik internationaler Koproduktionen, um weltweit zu funktionieren?

Nein. Zu Beginn, in Afrika, mag es vielleicht mehr Action geben, aber das ist ganz klar der Dramaturgie geschuldet. Sicherlich wird das Meinungsspektrum durch die Fangemeinde dieses Formats in fast aller Welt enorm erweitert. Weil die Autorin Anna Winger nicht vom ZDF-Hauptabend, sondern vom amerikanischen Serienfernsehen kommt, ist der Look natürlich international. Dennoch gibt es keine Steigerungslogik, im Gegenteil: Das serielle Überangebot sorgt für eine immer rigidere Eingrenzung der Themen und ihrer Darstellungen. Als Zuschauer breche ich selbst ja nach einer Folge ab, wenn sie mittelmäßig und durchschnittlich unterhalten will. Die weltweite Konkurrenz sorgt daher verglichen mit dem engeren deutschen Markt dafür, dass man hervorstechen muss. Aber da hat sich dadurch auch schon vieles geändert.

Dummerweise hat das besonders der enge deutsche Markt mit miesen Einschaltquoten für Deutschland 83 honoriert.

Offenbar gibt es bei uns ein Verständnis davon, wie historische Fiktion auszusehen hat – was bestimmt auch durch unsere Produktionen geprägt wurde. Mit Die Flucht hat Deutschland 86 nichts zu tun, und Anna Winger findet vieles von dem, was ich einst öffentlich-rechtlich gemacht habe, eher konservativ. Für jemanden, der Geschichte im Fernsehen wie das deutsche Publikum, sehr didaktisch kennt, ist die Serie eher außergewöhnlich – meine Eltern inklusive. Im Ausland dagegen ist Deutschland 83 sensationell gelaufen. Als erste deutschsprachige Serie überhaupt lief die erste Staffel zuerst auf einem US-Kabelsender und erzielte bei Sundance überragende Marktanteile, auf Channel 4 in Großbritannien war es das stärkste nichtenglische Format seit Jahren. Aus dem Ausland  kamen deshalb früh Signale, das Format fortsetzen zu wollen.

Ist Amazon demnach auf die UFA zugekommen?

Die Initiative ging von der UFA aus, aber eigentlich sind beide gemeinsam aufeinander zugekommen. Wir haben ja auch in den Jahren zuvor – wie andere Produzenten – viel gepitcht bei Prime-Video. Als Anna und Jörg dann ihr Fortsetzungskonzept entworfen haben, war relativ schnell klar, dass dessen Radikalität für ein deutsches Privatprogramm allein nicht machbar war – zumal die neue Staffel deutlich teurer ist als die erste. Umso schöner war die Begeisterung von Christoph Schneider, das gemeinsam mit Fremantle, RTL und der UFA zu machen.

Kann man sich die Verhandlungen der vier dann als runden Tisch vorstellen, an dem jeder seine Wünsche und Vorstellungen geäußert hat?

Natürlich gab es Treffen, aber auch zahlreiche Telefonate und Mails.

Die eher dem ökonomischen oder künstlerischen Bedarf nach einem Mitspieler wie Amazon entsprangen?

Insofern beides, als das Programm einzig in dieser Konstellation weitergeführt werden konnte. Wir wollten immer drei Staffeln; ohne Amazon wäre nach der ersten Schluss gewesen.

Ist diese Partnerschaft demnach der Ausnahmefall oder Teil einer größeren Strategie?

Wenn’s nach mir ginge, unbedingt letzteres; ich finde die Partnerschaft ungemein spannend. Zugleich aber werden solche Kooperationen eher schwieriger, weil alle Anbieter am Markt im Moment die Stärkung ihrer eigenen Plattformen betreiben – das gilt für die Mediatheken von ARD und ZDF genauso wie für Amazon oder RTL.

Zugleich wächst der Hang zur internationalen Koproduktion ja schon deshalb, weil sich aufwändige Formate allein kaum noch finanzieren lassen. Wie sorgt man da für Exklusivität?

Jeder Sender nimmt sehr genaue Analysen vor, was prioritär ins eigene Hauptabendprogramm passt. Und da hat RTL rasch entschieden, dass Deutschland 86 zwar ein tolles Angebot, aber kein typisches signature product ist. Genau davon hängt auch ab, welches Budget ein Sender in die Hand nimmt.

Vielleicht haben Sie das deutsche Publikum mit Teamworx und UFA aber auch schlicht zu lang mit deutsch-deutscher Geschichte unterhalten, um es noch damit zu erreichen…

Das glaube ich nicht. National wie international ist das Interesse an historischer Unterhaltung nach wie vor ungebrochen. Besonders die jüngere DDR-Geschichte ist ganz gewiss noch lange nicht auserzählt, inklusive der unmittelbaren Wende-Jahre. Dennoch bin ich weniger denn je auf Geschichte festgelegt.

Haben aber immer noch Lust darauf?

Schon, ich schaue aber sehr viel mehr auf die Erzählart. Mein nächstes großes Thema ist etwa deutsche Kriegsgefangenschaft am Beispiel von Stalingrad, wobei mich die Verzahnung mit der Nachkriegszeit weit mehr interessiert als die Schlacht selbst. Meine Lust auf historische Produktionen lässt da keineswegs nach. Im Gegenteil.

Gibt es dabei denn noch so eine Herzensangelegenheit wie Unsere Mütter, unsere Väter, mit der Sie ja auch die Biografie der eigenen Eltern verfilmt haben?

Klar, etwa Siegfried und Roy mit Philipp Stölzl und Jan Berger. Es ist eine große Kraftanstrengung, das Leben der beiden filmisch in eine adäquate mehrteilige Form zu bringen. Aber was mich dabei immer wieder antreibt, ist die Leidenschaft für zwei Menschen, die Unglaubliches geschaffen haben. Mit beiden bin ich mittlerweile gut befreundet. Das elektrisiert mich ebenso wie Stefan Austs Familienbiografie der Porsches, wobei mich hier die Zeitgeschichte weniger interessiert als die Familiengeschichte. Mir geht es um den inneren Brennmoment.

Der bei Ihnen also nicht autobiografisch verlinkt sein muss?

Nein. Es reicht ein Faszinosum.

Wie lange lässt sich das denn noch im linearen Fernsehen erzählen, bevor es vom liberalen Streaming gefressen wird?

Ich bin mehr denn je überzeugt, dass das Free-TV noch sehr lang überleben wird. Das hat mit der freien Empfangbarkeit zu tun, also dem demokratischen Faktor, nicht wie in Amerika üblich bis zu 150 Dollar im Monat für seine Lieblingsportale auszugeben. Wenn Netflix nicht acht, sondern 25 Euro im Monat kostet, werden die Leute das Abo genauso hinterfragen wie bei der Tageszeitung. Mein Eindruck ist, dass sich die Plattformen eher untereinander als mit Fernsehsendern Konkurrenz machen – die allerdings ihrerseits eigene Mediatheken massiv ausbauen, was zu unglaublich viel In- und Output führen dürfte. Wir erwarten da eine unglaubliche Leistungsschau. Für uns Produzenten ist das natürlich eine tolle Sache.

Mit permanent steigender Qualität?

Das wird garantiert auf die Qualität einzahlen, aber nicht nur. Es wird eher einen Wettbewerb um Talente geben, wie man an der Verpflichtung der Showrunner von Netflix sieht. Nur: im Gegensatz zum Sendeplatz sind Talente begrenzt.


Ali von Wangenheim: SPD-PR & Politiksprache

Wir sind immer im Kampfmodus

Ausgerechnet am Tag der Strafbeförderung von Verfassungsschutz-Chef Maaßen findet Albrecht von Wangenheim Zeit für ein Interview über seine Arbeit als Leiter der SPD-Pressestelle, in der er seit 18 Jahren arbeitet. Eine aufreibende, aber erbauliche Tätigkeit – sagt Ali, wie ihn im politischen Berlin alle nur nennen, im Gespräch mit dem Medienmagazin journalist, das freitagsmedien hier in voller Länge dokumentieren. Nach dem Interview musste der auffallend weißhaarige Kommunikationsprofi übrigens sofort ins Kanzleramt, um das bislang größte PR-Desaster der GroKo zu präsentieren.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Herr von Wangenheim, stimmt es, dass sie im politischen Berlin nur „Der weiße Ali“ genannt werden?

Ali von Wangenheim: (lacht) Hab ich auch so gehört, aber ehrlich gesagt, nein. Die Rheinische Post hat mal einen Artikel veröffentlicht, in dem das behauptet wurde. Im politischen Berlin nennt mich eigentlich jeder nur Ali.

Macht so ein Spitzname den Pressesprecher, der sich berufsbedingt ja hinter dem Objekt seiner Vermittlungstätigkeit auflösen sollte, nicht zu einer etwas exponierten Person?

Grundsätzlich stimmt das. Wir stehen naturgemäß im Hintergrund. Und ich versuche es über diesen Spitznamen hinaus auch tunlichst zu vermeiden, allzu sehr in den Fokus zu geraten. In meiner Position ist es natürlich nicht immer vermeidbar, auch mal in die Kamera zu blicken, aber wir sind dafür da, die Politiker und ihre Inhalte nach vorne zu bringen, nicht die eigene Person.

Entspricht dieses Zurücknehmen Ihrer Mentalität oder fällt es Ihnen manchmal schwer, sich in die zweite Reihe zu stellen?

Nein, nein – ich bin so und arbeite gerne genauso dort, wo ich seit Jahren bin und arbeite.

Was kennzeichnet diese Arbeit im Berliner Politikbetrieb, was muss ein Pressesprecher mitbringen, um darin erfolgreich zu sein?

Weil er Hintergründe erklären, Vordergründe vermitteln, Informationen verbreiten muss, sollte er zunächst unbedingt Vertrauen bei Journalisten, also der Presse genießen. Wenn ihm nicht geglaubt wird, hat jeder Pressesprecher ein Problem. Und sich dieses Vertrauen zu erarbeiten, funktioniert am besten über Erfahrung, also die Zeit.

Vertrauensvorschüsse gibt es nicht?

Selten. Außerdem ist es sinnvoll, so gut mit Sprache umgehen zu können, dass man komplexe Sachverhalte in verständlichen Worten ausdrücken kann, ohne die Komplexität dahinter zu simplifizieren. Dazu gehört, auch wenn viele wie ich selbst das nicht so gern hören, eine gewisse Verkaufsmentalität. Und da ist es in der Parteienkommunikation weit mehr noch als in der Unternehmenskommunikation günstig, wenn man für das, worüber man spricht, wirklich brennt. Parteisprecher brauchen daher dringend politische Überzeugungen.

Hat sich an diesem Bedarf in den 18 Jahren, die Sie mittlerweile für die SPD-Pressestelle tätig sind, etwas geändert?

Formell nicht. Weil der Zeitungsmarkt jedoch langsam, aber stetig abstirbt, während die Vielfalt neuer Medien gleichzeitig zunimmt, erhöht sich das Tempo der Branche enorm. Und die massive Digitalisierung beschleunigt dadurch auch unsere Arbeit massiv.

Das wären die technischen Gründe der Veränderung. Wie ist es mit dramaturgischen, also inhaltlichen Vermittlungsmechanismen?

Die haben sich fast im Gleichschritt verändert. Quantitativ treten wir über die neuen Medien viel öfter direkt mit den Bürgerinnen und Bürgern in Verbindung, ohne dass die alten Medien als Vermittlerinnen hintergründiger Inhalte wegfielen. Und qualitativ zeigt sich, dass wir den Journalisten klassischer Medien unsere Politik noch immer deutlich häufiger im Hintergrund, also weniger oberflächlich erklären. Gleichzeitig gleichen sie sich der Kürze sozialer Medien im Kampf um die knappe Ressource Aufmerksamkeit zusehends an. Und das empfinde ich als ungemein problematisch. Viele Ihrer Kollegen können sich schon aus Zeitgründen intensivere Recherchen kaum noch erlauben und sind darauf angewiesen, Sachverhalte in immer kürzeren Sätzen nahezubringen. Das verändert definitiv nicht nur die Medienlandschaft, sondern auch unsere Sprache als Pressesprecher.

Heißt das, auch Sie haben Ihre Art, zu kommunizieren, angepasst?

Durch meine langjährige Erfahrung womöglich ein bisschen weniger als junge Kollegen. Man lernt es, knapper zu formulieren, kürzer, prägnanter als früher. Im Kern ist meine Arbeitsweise aber absolut vergleichbar mit der des Jahres 2000, als ich aus der Fraktion in die Presseabteilung gekommen bin.

Damals stellte die SPD den Bundeskanzler und lag bei rund 40 Prozent. Heute hat sich dieser Wert mehr als halbiert und die Kanzlerschaft scheint unerreichbar. Wie vermittelt man den schleichenden Niedergang als Parteisprecher glaubhaft, aber mit Würde?

Na ja, Erfolg ist nicht nur eine Frage der Personalien und Wahlergebnisse, sondern auch der inhaltlichen Durchsetzung. Und nüchtern betrachtet, geht das mit dem schleichende Niedergang ja nicht nur uns, sondern auch der anderen Volkspartei so. Zumal der Bedeutungsverlust der SPD keinesfalls erst nach 1998, geschweige denn nach 1989, sondern bereits Ende der Siebzigerjahre eingesetzt hat, als sie den Kuchen der Meinungsvielfalt zunächst mit der Umwelt- und Friedensbewegung, dann den Grünen und der FDP, später der Linken und den Piraten, zuletzt sogar mit der AfD teilen musste, an die auch wir Wähler verloren haben. Wir waren schlicht prädestiniert dafür, kleiner zu werden.

Aber nochmals die Frage: wie vermittelt man schlechte Nachrichten als Pressesprecher über die Medien ans Wahlvolk?

Indem wir die Komplexität der Politik in Abgrenzung zu den genannten Parteien, die die ihre auf einzelne Probleme und Sachverhalte zuspitzen, gut wahrnehmbar und verständlich machen. Wenn uns das gelingt, wahren wir Würde und Glaubhaftigkeit in einem. Nehmen wir mal den Kohleausstieg, der gerade nicht nur wegen der Räumung des Hambacher Forstes heftig diskutiert wird: Die Grünen dürfen es sich da relativ einfach machen, wenn sie schlicht den schnellen Ausstieg fordern. Wir hingegen müssen uns auch noch um gesellschaftliche Folgen wie Stromversorgung oder Arbeitsplätze kümmern. Politik, hab ich mal in einem schlauen Artikel gelesen, beginnt dort, wo es um Ausgleich geht. Alles andere ist Lobbyismus. Und weil ich kein Lobbyist, sondern Pressesprecher sein will, bin ich dafür zuständig, den Ausgleich der Interessen angemessen zu kommunizieren.

Was allerdings im Angesicht populistischer Verkürzungen der politischen Wirklichkeit zusehends schwieriger wird oder?

Absolut. Die Verkürzung politischer Botschaften auf einen Post bei Facebook oder erst 140, jetzt 280 Zeichen lange Tweets, lässt kaum noch inhaltlichen Raum, diesen Interessenausgleich in den sozialen Medien zu verankern. Daran müssen wir also arbeiten, das ist die Herausforderung des Populismus. Es macht unsere Arbeit aber auch so spannend.

Sind politisch wie gesellschaftlich zerrüttete Zeiten wie diese für Pressesprecher demnach bessere Zeiten als solche, in denen die Politik mehr so vor sich hin dümpelt?

Also ich habe in all den Jahren meiner Tätigkeit noch nie Zeiten erlebt, in denen das anders war oder die Politik sogar mehr so vor sich hin gedümpelt ist. Phasen völliger Langeweile, glauben Sie mir, habe ich nicht einen Monat, ja nicht mal eine Woche am Stück erlebt.

Wissen Sie denn von Ihren Vorgängern, ob es mal ruhigere Zeiten gegeben hat?

Nein, das ist eine Illusion. Entscheidend ist aber ohnehin, dass man die innere Ruhe behält, um die verschiedenen Phasen der Unruhe im jeweiligen Kontext zu bewältigen.

Würden Sie den Job nochmal machen?

Jederzeit! Ich bin ein begeisterter Pressesprecher!

Woher rührt diese Begeisterung?

Ich habe bereits während meines Volkswirtschaftsstudiums für die SPD-Fraktion gearbeitet und wollte schon damals Journalist werden oder wie man es später ausdrückte: Irgendwas mit Medien machen. Weil ich einfach Spaß habe, mit Menschen und Sprache zu arbeiten, führte das dann irgendwie fast zwangsläufig in die Pressestelle der SPD. So habe ich gelernt, beide Seiten der Berichterstattung zu verstehen und eine Art vertrauensvoller Zusammenarbeit aufzubauen, von der alle etwas haben, obwohl man ja eigentlich auf verschiedenen Seiten steht.

Das klingt, als empfänden Sie sich eher als Mediator denn Interessenvertreter?

Da ist was dran. Ohne unseren Job zu überhöhen, empfinde ich mich wie Journalisten als integraler Teil der Medienlandschaft.

Allerdings ohne die gebotene Neutralität und Objektivität journalistischer Berichterstattung…

Da ich am Ende des Tages die Interessen meines Arbeitgebers vertreten muss und will, würde ich mich nie objektiv, gar neutral nennen. Andererseits kann ich mich gut genug in Journalisten hineinversetzen, um auch deren Interessen gegenüber meinem Arbeitgeber zu vermitteln. Insofern ist mir eher der Ausgleich zwischen beiden Anliegen durchaus wichtig, und das ist in der Branche, glaube ich, auch bekannt.

Und führt abgesehen vom „weißen Ali“ zu der verbreiteten Einschätzung, sie seien korrekt, verbindlich, gut vernetzt. Sehen Sie das ähnlich?

Letzteres bei aller Bescheidenheit auf jeden Fall, die anderen zwei Adjektive sollen lieber andere bewerten.

Sind „korrekt, verbindlich, gut vernetzt“ denn Grundvoraussetzungen, um diesen Beruf glaub- und gewissenhaft ausführen zu können?

Da gibt es ziemlich unterschiedliche Auffassungen vom Pressesprecher. In der Politik jedenfalls ist das Vertrauen noch wichtiger als in der Unternehmenskommunikation – wo ich auch deshalb nie tätig war. Da ist der Verkaufsaspekt höher, es geht ehrlicherweise um Reklame. Letztlich betreibe auch ich die für meinen Arbeitgeber. Würde ich aber zusätzlich nicht auch vieles erklären, fiele sowohl die Glaub- als auch die Gewissenhaftigkeit schwer. Trotzdem wünschte ich mir manchmal, ich würde den Aspekt des Verkaufens ein wenig besser beherrschen.

Welche Voraussetzungen braucht ein Pressesprecher sonst noch – Belastbarkeit?

Unbedingt, sowohl psychisch als auch physisch. Und das hat sich in den vergangenen Jahren, seit ich die Pressestelle leite, nochmals erhöht.

Sollte das Ego dafür eher groß oder klein sein?

Ich weiß, dass der eine oder die andere in meiner Branche mit einem durchaus großen Ego ausgestattet, aber bei mir spielt es eher eine untergeordnete Rolle. Den Kameras muss ich persönlich jedenfalls nicht unbedingt stellen.

Sie steht es mit Prinzipientreue?

Ja. Aber nur möglichst wenige Prinzipien, die man dafür umso treuer verfolgt.

Und Nibelungentreue?

So verschieden die Persönlichkeiten sind, für die ich gearbeitet habe, hatte ich stets das Glück, es mit viel Spaß und Überzeugung zu tun. Es gibt daher nicht einen einzigen Fall, in dem ich froh gewesen wäre, nicht mehr für sie tätig zu sein. Im Gegenteil. Die Vertrauensverhältnisse waren stets so gut, dass es zwar theoretisch in Richtung einer Art Nibelungentreue hätte gehen können. Ich bin allerdings nie in die Situation gekommen, das austesten zu müssen.

Ist Ihr Ethos, die eigene Sicht der Dinge jemals so mit denen der Partei kollidiert, dass es zu einem inneren, gar äußeren Zerwürfnis kam?

Nein, solch ein Zerwürfnis hatte ich eigentlich nie, also insofern, als ich etwas entgegen meiner eigenen Überzeugung vertreten musste. In Kleinigkeiten bin ich längst nicht immer einverstanden mit dem, was meine Partei oder die Fraktion macht. Aber alles war und ist nach meinem Dafürhalten bislang irgendwie erklärbar. Und sobald es das ist, kann ich es in meiner Funktion nicht rundweg ablehnen. Am Ende zählen auch für mich die besseren Argumente.

Sie sind jetzt auf dem Sprung zur Pressekonferenz, auf der die Zukunft von Hans-Georg Maaßen verkündet wird, dessen Absetzung als Verfassungsschutzchef die SPD gefordert hat. Schalten Sie angesichts dieses Erfolgs bei zwei Prozent Zuwachs der vorigen Sonntagsfrage in einen höheren Kampfmodus?

Wir sind eigentlich immer im Kampfmodus, aber sein Umfang entscheidet sich selten an Einzelereignissen; dafür sind unsere Aufgaben als Pressestelle zu vielschichtig und die Wahlumfragen zu variabel.

Haben Sie sich angesichts dieser dauernden Habachtstellung je gewünscht, dass Politik insbesondere für eine Partei wie die SPD bisweilen ein wenig langweiliger wäre?

Oh ja, ganz häufig! Unter der permanenten Anspannung bei stetig wachsender Geschwindigkeit kommunikativer Prozesse leidet nämlich definitiv das ruhige Nachdenken. Diese Zeit zur besonnenen Ausführlichkeit fehlt mir verglichen mit früher enorm. Wann lese ich schon mal die Seite 3 einer Tageszeitung? Aber das betrifft ja nicht nur den Beruf des Pressesprechers, sondern die Gesellschaft im Ganzen und die Politik im Besonderen.

Sie sagten eingangs, kein Lobbyist zu sein.

Ganz genau.

Weil Interessenvertretung dennoch gern über einen Kamm geschoren wird – hatten Sie je das Gefühl, ihr Beruf würde gesellschaftlich zu wenig anerkannt?

Nein, nie. Eben weil ich kein Lobbyist bin, sondern Sprecher einer Partei, zu der ich vollumfänglich stehen kann.


Daniel Küblböck: Glamour, Trash & Reflexion

Das Bohlen-Thema nervt!

Dass Daniel Küblböck wohl von einem Kreuzfahrtschiff in den Tod gesprungen ist, beendet ein bizarres Showdasein zwischen Bohlen-Spielzeug und Selbstbehauptung, Plastikpop und Schauspielstudium, DSDS und ARD. Ohne ihn persönlich zu kennen, hatte fast jeder ein sehr präzises Bild von der Frohnatur aus Bayern, und selten war es positiv. Wer Daniel Küblböck allerdings persönlich erlebt hat wie ich vor zwei Jahren, als er für die Nachmittagsdokusoap Verrückt nach Fluss – ausgerechnet – auf einem Kreuzfahrtschiff gelandet ist, konnte einen reflexiven Mann von Anfang 30 erleben, der sich seiner Ziele, Fehler, Chancen, Wahrnehmung sehr bewusst war. Hier ist – als eine Art Nachruf – das Interview von damals.

Interview: Jan Freitag

freitagsmedien: Daniel Küblböck, Sie sind 31 Jahre alt – würden Sie „schon“ oder „erst“ voranstellen?

Daniel Küblböck: (zögert kurz) Ich würde sagen „schon“ 31. Zumal mich viele für älter halten und überrascht sind, dass ich bei DSDS erst 18 war.

Fühlt es sich also 13 Jahre her an oder länger?

Das ist situationsabhängig. Wenn ich wie jetzt grad tief im Schauspielstudium stecke, scheint es eine Ewigkeit her, wenn ich in Ruhe drüber nachdenke wieder nur ein paar Momente. Und in Videos von damals sehe ich eine Naivität, die mir jetzt fremd ist, während die Lebensfreude darin weiter zu mir gehört. Wenn ich nun auf die Bühne will, ist es nicht das Rampenlicht, sondern die Theaterbühne, aber alles was ich heute tue, ist irgendwie von der Zeit geprägt.

Kein Wunder – schließlich haben Sie bereits mit 20 ihre Biografie geschrieben!

Mit 18 sogar, aber ich hatte ja damals auch schon mehr erlebt als viele Gleichaltrige.

Fiele die Betrachtung ihrer Jugend anders aus, wenn Sie sie zehn Jahre später nochmals beschreiben würden?

Das Kapitel vor DSDS wäre bedeutend kürzer, weil es damals noch viel aktueller war und ich mit privaten Rückschlägen jener Zeit heute defensiver umginge. Außerdem wäre der Teil im Verhältnis natürlich kürzer, weil ich zwischendurch wieder viel erlebt habe.

Haben Sie im Rückblick alles richtig gemacht?

Um das bewerten zu können, müssen mindestens nochmals 13 Jahre vergehen.

Anders gefragt: Haben Sie irgendwas bereut?

Bereuen klingt so pathetisch. Natürlich hätte ich manches anders gemacht, aber alles hat dazu beigetragen, was für ein Mensch ich heute bin. Selbst der Gurkenlastunfall ohne Führerschein, von dem vielleicht niemand erfahren hätte, wenn die CSU an dem Tag nicht in der Nähe ihren Parteitag gehabt hätte, gehört halt dazu. Und wenn man bedenkt, dass die Tagesschau darüber berichtet hat, scheint es ja seinen Sinn gehabt zu haben.

Ohne DSDS wären Sie aber vermutlich Erzieher geblieben, statt wie jetzt Schauspieler zu werden oder?

Auf jeden Fall, zuvor war die Bühne keine Option. Aber wie da wir in die Öffentlichkeit geworfen wurden, das war schon gewaltig. Heute kennt man von den Kandidaten sogar während der Shows nicht mal die Namen; damals hatte ich als Drittplatzierter Nr-1-Hits – davon können die heute doch nur träumen. Trotzdem war es kein grader Weg zum Schauspiel. Ich hatte kurz darauf Anfragen, die ich zum Glück ausgeschlagen habe, weil ich nicht vom Fach war. Schauspiel war vorher jedenfalls kein Jugendtraum von mir, ich wollte mit Kindern arbeiten. Aber die DSDS-Bühne hat in mir den Wunsch erzeugt, dieses Handwerk wirklich zu lernen. In zwei Jahren bin ich mit dem Studium fertig, dann müssen wir mal sehen.

Ist die Moderation von Verrückt nach Fluss da Teil deines Weges oder ein Abzweig?

Definitiv Abzweig. Ich musste den Schulleiter fragen, ob ich die Zeit zum Drehen freikriege. Er fragte mich dann, für welchen Sender das sei, und als ich ARD sagte, meinte er okay, solange es nicht RTL ist… Ich selber habe das aber gar nicht als Arbeit empfunden, ehr als Tapetenwechsel, zumal ein Teil dieser Flussfahrt durch meine Heimat führt.

Ansonsten reizt sie die Kamera nicht mehr?

Nein. Obwohl mich an diesem Format überzeugt hat, dass verglichen mit RTL wenig gestellt wird, und man etwas über Geschichte erfährt, zum Beispiel, wie nah vor meiner Haustür der Jugoslawien-Krieg stattgefunden hat.

Wen hat die ARD in Ihnen gebucht – den alten DSDS-Daniel oder den neuen Küblböck?

Tja, wenn ich mir das „Verrückt“ im Titel anschaue, hatten die wohl doch auch das Klischee von mir im Hinterkopf, so rein marketingstrategisch.

Der Sender kündigt Sie als „eine der schrillsten Figuren des jungen Jahrtausends“ an.

Ach, ich habe ja auch mit 31 noch meine schrillen Momente, das stört mich gar nicht groß. Und in Deutschland gilt man halt schon als schrill, wenn man schwer einzuordnen ist.

Besonders, wenn man schwul ist…

Ich bin zwar eher bi, aber es stimmt schon – bei dieser Gleichung schwingt Homophobie mit.

Waren Sie damals in Ihrer schrillen Androgynität wirklich Sie selbst oder ein Konstrukt, das RTL aus Ihnen gemacht hat?

Ich glaube, dass alles, was für eine solche Bühne gemacht wird, mehr oder weniger inszeniert wird. Das ist auf seriösen Sprechbühnen nicht anders. So gesehen war auch ich in Teilen eine Kunstfigur, was ich mit 18 Jahren bestimmt nicht immer gemerkt habe und von RTL ziemlich schamlos ausgenutzt wurde. Aber so funktioniert das Geschäft, ich wär mit jemandem wie mir als Sender wohl nicht anders umgegangen. Sie hätten mal meinen Stylisten erleben sollen, wie froh der war, sich mal an einem wie mir austoben zu dürfen; das war schon auch lustig.

Waren Sie dennoch stets das Subjekt Ihres Handelns oder in gewisser Weise Objekt anderer, um nicht Opfer zu sagen?

Als funktionierende Medienfigur bist du – gerade in dem Alter – immer ein Objekt, gar Opfer. Das beginnt ja schon damit, was alles hineinprojiziert wird, worauf man keinen Einfluss hat. Jedes Bild, das an die Öffentlichkeit gerät, ist manipulierbar. Nehmen Sie die ARD-Doku: Da müsste man nur in der Bildunterschrift „vor dem“ durch „vor seinem“ Schiff ersetzen, schon wäre alles am Foto anders. Jeder will doch sehen, was er will, das macht uns alle zum Objekt.

Sind Sie das heute weniger als früher?

Definitiv!

Haben Sie da zum Abschied noch ein Grußwort an Dieter Bohlen?

Nö. Wir haben uns damals auf einer reinen Geschäftsebene getroffen, von der wir beide profitiert haben. Das Bohlen-Thema nervt.


Joachim Luger: Hansemann & Lindenstraße

Kunst kommt nach Brot

Nach 1685 Folgen in fast 33 Jahren hat mit Joachim Luger alias Hans Beimer (Foto: WDR/GFF) eines der letzten Gründungsmitglieder die Lindenstraße verlassen. Vorab gab er uns ein Interview über gute Zeiten, schlechte Zeiten in Deutschlands dienstältester Weekly-Soap, wie sein Abschied aussah und was danach noch so kommen kann.

Interview: Jan Freitag

Herr Luger, was genau machen Sie am 2. September gegen zehn vor sieben?

Joachim Luger: Ich werde mich im Funkhaus Köln einfinden, wo die Lindenstraße vor geladenen Gästen läuft, während das WDR-Orchester live die Filmmusik einspielt. Große Leinwand, großer Saal, danach große Party…

… großer Bahnhof!

Ich bin ehrlich gesagt auch ein bisschen überwältigt, welchen Abschied man mir bereitet.

Wie geht es dann um 19.20 Uhr in Ihnen vor, wenn nach 33 Jahren Ihr letzter Schlussakkord erklingt? (Wie fühlen Sie sich dann, müsste es heißen?)

Ganz ruhig, nehme ich an. Wenn überhaupt Anlass zur Wehmut bestanden hätte, dann Ende Mai, als wir die letzte Folge im Kasten hatten. Da ich ab Anfang Juni einen Theatervertrag in Dresden hatte, musste alles sehr schnell gehen. Hans Geissendörfer hielt im Studio eine sehr anrührende Rede, meine Kollegin Irene Fischer hat mir ein wunderbares Abschiedsgeschenk gemacht.

Nämlich?

Sie hat mir ein Theaterstück geschrieben. Aber weil ich unmittelbar danach nach Dresden gefahren wurde, hatte ich gar keine Zeit, um melancholisch zu werden. Das kam dann erst im Juli, als ich bei einigen Nachdrehs nochmals durch die Kulissen lief. Da wurde mir schon bewusst, welch großen Teil meines Lebens die Serie ausmacht.

Können Sie sich noch an deren Debüt erinnern, den 8. Dezember 1985 um 18.40 Uhr?

Genau sogar. Die Premiere habe ich gemeinsam mit allen Kollegen geschaut und in der Serie übrigens für den ersten Cliffhanger gesorgt. Es war nur ein Wort: „Marion!“, zu meiner Filmtochter, die plötzlich blutüberströmt in Flur stand.

War damals denn denkbar, dass Stand heute 1677 Cliffhanger hinzukommen würden?

Absolut nicht! Als Hans Geissendörfer sagte, ich sei für ein Jahr engagiert, könne aber nebenher kein Theater spielen, kam mir schon das sehr, sehr lang vor. Und als der Vertrag verlängert werden sollte, wollte ich schon deshalb nicht abbrechen, weil die Presse uns so verrissen hatte, dass ein Ausstieg nach Flucht ausgesehen hätte. Zumal ich längst den Stempel Hans Beimer weghatte. Ich wurde schon fast von Beginn an auf der Straße mit meinem Filmnamen angeredet.

Und wann kam der Punkt, an dem klar wurde: die Serie hält womöglich ewig?

Ich war eigentlich alle fünf Jahre aufs Neue überrascht, dass es weiterging, und überzeugt, dass nach 30 Jahren endgültig Schluss sein würde. Schwer getäuscht! (lacht).

Die Quoten waren auch nicht mehr so besonders…

Das stimmt, da wird aber mit zweierlei Maß gemessen. Als wir anfingen, gab es nur ARD, ZDF, die Dritten und RTL. Der Kuchen wurde also noch in größere Stücke geschnitten und war Hauptnahrungsmittel für viel mehr Menschen. Mit den Jahren wurden die Stücke dünn und dünner, da ist es logisch, dass wir nicht mehr die Quoten von damals haben.

Hatten Sie persönlich denn je das Gefühl, jetzt sei aber mal Schluss.

Es gab eine Phase Anfang der Neunziger, als ich mit der damaligen Regie künstlerisch und menschlich überhaupt nicht zurechtkam. Ich stand vor die Wahl, deswegen aufzuhören, aber Hans Geissendörfer sagte zu mir: es gibt viele Regisseure, aber nur einen Hans Beimer. Damit war meine Treue besiegelt.

Die allerdings dazu geführt hat, nur noch selten etwas anderes zu spielen…

Ja, aber ich hatte durchaus meine kleinen Fluchten. In Bochum zum Beispiel habe ich schon früh erfolgreich musikalische, komödiantische Kleinkunst gemacht und ab 1999 auch Boulevardtheater in Düsseldorf und Köln – und das mit großem Vergnügen. Bei all den Problemen, die Hans Beimer Woche für Woche hatte, hätte er eigentlich beim Psychiater landen müssen. Da brauchte es schon einen heiteren Ausgleich. Mein erster Vertrag am Lübecker Stadttheater lautete übrigens: jugendlicher Charakterdarsteller und Komiker. Gut, Jugend war passé, aber die Komik nur in Vergessenheit geraten.

Zugleich war er 33 Jahre lang ein Fels in der Brandung des ständig wechselnden Personals, der selbst im Untergang noch die Ruhe bewahrt.

Bis auf kleine Ausrutscher wie ein kurzes Alkoholproblem stand ich fast bis zum Schluss stets fest auf dem Boden der Realität.

Fast?

Na ja, die Parkinson-Erkrankung war eine ziemliche Herausforderung. In einem Film würde einen die Krankheit für 90 Minuten beschränken, in einer Serie für immer. Die schauspielerischen Mittel auf Dauer mimisch, gestisch, sprachlich, auch inhaltlich so zu limitieren, war mir irgendwann zu wenig und im Grunde eine Reduzierung zu viel. Außerdem vollende ich genau einen Monat nach der letzten Folge mein 75. Lebensjahr; da darf man gern ein bisschen kürzer treten, und Hans Beimer ist meiner Meinung nach vielleicht auch auserzählt. Ich gehe im Frieden.

Aber wäre Ihre Schauspielerleben ohne diesen quasi verbeamteten Serienjob mit mehr Bildschirmpräsenz als jede andere Figur nicht vielleicht besser, reichhaltiger verlaufen?

So ein Gedanke kam tatsächlich mal – schon weil ich niemals beim Ergreifen dieses Berufes eine Festanstellung im Sinn hatte. Aber ich hatte mich nun mal entschieden und wusste die Sicherheit als Familienvater auch zu schätzen. Anfangs habe ich noch in anderen Produktionen gespielt, sogar einmal den Täter im Tatort: Blindekuh. Aber die Angebote blieben zusehends aus.

So funktioniert die Branche.

So funktioniert die Branche. Aber während anfangseinige Kollegen leicht die Nase gerümpft haben über solch eine Serienrolle, kamen im Laufe der Jahre immer mehr auf mich zu, ob ich Ihnen nicht zu einer Rolle in der Lindenstraße verhelfen könnte. Das zeigt mir: Kunst kommt nach Brot. Ich bin zufrieden, habe mich zuletzt aber in der Tat häufiger gefragt, was jetzt noch kommen soll. Es wird halt schwieriger, Dinge zu erzählen, die polarisieren.

Es ging ums polarisieren?

Nicht in erster Linie, aber Hans Geissendörfer wollte schon bewusst gegen den Strich bürsten. Als wir Homosexualität, Neonazis, Kindesmisshandlung, Drogensucht, Antiatombewegung zum Teil einer alltäglichen Serie gemacht haben, wurde darüber noch wochenlang heiß diskutiert, und ein Gauweiler hat uns verklagt, weil es in einer Folge hieß, er sei ein Faschist. Heute gibt es in jeder Vorabendserie Aufreger wie diese, vom Internet ganz zu schweigen.

Wobei die Lindenstraße weniger wegen der Skandale von Bedeutung ist, sondern als eine Art Glossar gesellschaftlicher Befindlichkeiten der vergangenen vier Jahrzehnte oder?

Das ist ihr Verdienst, fast ein Alleinstellungsmerkmal. Was nie in der Lindenstraße vorkam, war auch in der Wirklichkeit nicht von Belang. Das hat sie sich bis heute bewahrt.

Ist das gewissermaßen ihre Lebensversicherung?

Ich gebe generell keine Prognosen ab, weil die meist danebenliegen, wie lange es die Lindenstraße noch geben wird. Aber soweit ich gehört habe, steigt die Zuschauerzahl gerade wieder. Guter Zeitpunkt für einen Abschied.

Hat man bei Ihnen eigentlich mal nachgefragt, welchen Sie gern hätten?

Als ich mit Hans und Hana Geissendörfer darüber geredet habe, hatte ich einen sehr konkreten Vorschlag, der teilweise sogar übernommen wurde. Dass ich sterbe, ist ja kein Geheimnis.

Aber in ihren Stiefeln, am besten im Sattel?

Im Gegenteil. Ich wollte heimlich, still und leise verschwinden, typisch Hans Beimer eben.


Dunja Hayali: Politik, Talk & Sportstudio

Schweigen liegt mir einfach nicht

Seit Samstag moderiert Dunja Hayali (Foto: Jana Kay/ZDF) Das Aktuelle Sportstudio, nachdem ihr selbstbetiteltes Talkmagazin zuvor bereits einen festen Sendeplatz gekriegt hat. Und zwischendurch macht sie auch noch das MorgenMagazin und politische Reportagen – die Journalistin ist zusehends unersetzlich im ZDF. Und steht dafür konstant im Shitstorm des Internets. Ein Gespräch in ihrem Kreuzberger Heimatkiez über leichte Fernsehkost, ihre Rauflust, Andersartigkeit am Bildschirm und warum sie im Stadion 90 Minuten lang alle Krisen vergisst.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Frau Hayali, wenn eine Fußballweltmeisterschaft wie in Russland läuft – was bewegt Sie währenddessen mehr: Sport oder Politik?

Dunja Hayali: Also mit Anpfiff jedes Spiels, das ich mir ansehe, bewegt mich für 90 Minuten ausschließlich die Fußball-WM. Dazwischen ist es dann auch wieder der ganze Rest. Ich habe zwar mit der Vergabe nach Russland als Fan, Journalistin und erst recht als Sportreporterin noch immer meine Schwierigkeiten, aber sobald ich als Fan im Fußballfieber vorm Fernseher sitze, sind die zweitrangig.

Sie erwarten also auch vom Kommentator nicht, dass er während des Spiels permanent die politischen Begleitumstände erörtert?

Im Gegenteil. Wenn ich Fußball gucke, will ich Fußball gucken. Abgesehen vom Surfen ist dieser Zeitraum fast der einzige im wachen Zustand, wo ich alle Aufgaben, Probleme, Sorgen, Shitstorms vergessen kann. Wenn Mönchengladbach verliert, bin ich kurz sauer, aber dann ist auch wieder gut. Fußball, ich schmeiß mal virtuell fünf Euro ins Phrasenschwein, ist einfach die schönste Nebensache der Welt.

Und da bleibt dann sogar das Handy kalt?

Ja, es sei denn ich muss dringend ein Tor bejubeln. Wenn Gladbach wie letztes Jahr gegen Bayern gewinnt, poste ich natürlich sofort darüber.

Kann, darf, muss man diese Hingabe als Moderatorin einer bedeutenden Sportsendung ausschalten?

Kommt drauf an, wer mir gegenübersitzt. Aber niemand, der was vom Fußball versteht, fordert von jemandem, der wie ich seit 40 Jahren Fan eines Vereins ist, absolute Neutralität. Der offene Umgang damit ist wichtig. Transparenz. Zudem war ich ja schon mal zehn Jahre lang Sportreporterin; das war für Gladbach kein Vergnügen. Als Journalistin ist man ja erst recht versucht, Distanz zu seinem Lieblingsclub aufzubauen.

Das ist wie die Lehrerin des eigenen Kindes…

Härter noch! Und schließlich mache ich auch bei jeder Wahl brav mein Kreuz, obwohl ich Journalistin bin. Mein Vorteil ist allerdings, dass ich Wechselwählerin bin. Politisch bin ich flexibel, da geht es mir um Inhalte, nicht um die Partei, beim Fußball bin ich dem Verein gegenüber extrem treu.

Ändert es etwas an Ihrem Verhältnis zum Fußball, dass sie nun die zweitwichtigste Sportsendung des deutschen Fernsehens moderieren?

(lacht empört) Zweitwichtigste?! Na ja, dazu kann ich nur das wiederholen, was ich auf solche Fragen im Freundeskreis geantwortet habe: Ich werde genauso sein, wie ich immer bin, immer schon war. Das schönste Kompliment einiger Schulkameraden, die ich grade wiedergetroffen habe, war: du hast dich in 38 Jahren kaum verändert. Voll im Leben, auf dem Boden – diese Authentizität werde ich auch im Aktuellen Sportstudio beibehalten. Worin genau die besteht, kann ich immer dann, wenn mich junge Journalisten danach fragen, gar nicht sagen. Vieles kommt da aus dem Bauch. Von daher werde ich meine Interviews im Sportstudio nicht anders führen als im MoMa.

Dennoch erwartet man von Ihnen als ausgebildete Sportjournalistin, die zwischendurch viele Jahre im politischen Fach gearbeitet hat, doch sicher, dass Sie mehr noch als Ihre Kollegen über den Tellerrand des Sports blicken oder?

Womöglich. Wobei ich bei aller Freude über diesen Schritt nicht daherkomme und das Sportstudio revolutionieren will. Erstens hat es das nicht nötig, zweitens wäre es gegenüber den Kollegen arrogant und vermessen, drittens kann ich ja nicht machen was ich will. Es gibt einen Chef. Es gibt ein Team. Es gibt Richtlinien.

Und wie werden Sie die im Rahmen Ihrer Möglichkeiten individuell prägen?

Mein Anspruch ist jedenfalls nicht, nach dem Schlusspfiff nur abzufragen, wer wie wo warum gewonnen oder verloren hat. Themen wie Rassismus, Ausgrenzung, Korruption, Doping, dreckige Deals spielen allerdings nicht erst jetzt eine Rolle im Sport. Obwohl ich nicht alles auf den Kopf stellen werde, erwartet mein neuer Chef Thomas Fuhrmann – den ich noch als Redaktionsleiter des MoMa kennengelernt habe – die politische Einordnung sportlicher Themen. Nur: das erwartet er auch jetzt schon. Und zwar mehr denn je. Er wollte ein neues Mitglied, idealerweise weiblich, hier bin ich und sehr froh darüber.

Das klingt, als hätten Sie ein langfristiges Ziel erreicht…

Na ja, ich hab Sport studiert, lang darüber berichtet und seit Kindesbeinen Interesse an allem, was mit Bällen gespielt wird. Da war es als Neuling beim ZDF selbstverständlich, das Sportstudio im Blick zu haben. Wenn man dann allerdings zehn Jahre lang nur noch Fan ist, verabschiedet man sich von solchen Kindheitsträumen. Das gehört zum Erwachsenwerden dazu. Umso spannender finde ich es, wie sich die Stränge meiner journalistischen Arbeit nun aufeinander zu bewegen.

Wenn man ihr aktuelles Portfolio mal aufklappt, gibt es da weiterhin das MoMa

Aber reduziert.

Ab August dann die Sportmoderation, zwischendurch einen regelmäßigen Sendeplatz für Ihre Talkshow dunja hayali

„Talk-Magazin“ bitte, auch wenn das kleinlich klingt. Wir wollen den Anteil der Filmbeiträge mit dem der Gespräche mindestens gleichwertig halten. Und auch wichtig: wechselnde Talkrunden, in den wir auch „Entscheider“ mit Bürgern zusammenbringen wollen.

Darüber hinaus machen Sie weiter Berichte, Reportagen, Vorträge – unterscheiden Sie all diese Spielwiesen nach leichter, schwerer, mittlerer Kost?

Nein, allenfalls in aktuelle, relevante, interessante Kost. Und all dies kommt immer auch auf Gesprächspartner und Zielrichtung an. Man kann mit einem Fußballer ebenso gut über Politik reden wie mit einem Politiker über Fußball. Ich denke generell nicht so gern in Kategorien.

Gibt es dennoch Themen, die Sie von der Härte des politischen Tagesgeschäfts entlasten?

Außer meinem Hund? Nein. Davor bewahren mich allein schon die sozialen Netzwerke, in denen jedes beiläufige Wort, jeder noch so belanglose Fehler ausgeschlachtet wird, als hänge das Schicksal der Menschheit davon ab.

Kommen Sie Druck gut zurecht?

Wenn es ein fairer Druck ist, fördert er sogar meine Konzentration. Ich habe ja weder Angst noch falschen Respekt, aber auch keine Abneigung gegenüber dem sogenannten Elfenbeinturm vermeintlicher Eliten – so sehr ich Menschen mit größerer Distanz dazu verstehe. Von daher kenne ich unter Druck zwar eine Grundanspannung, bin aber selten aufgeregt. Im Gegenteil – ich freue mich auf jedes Gespräch, besonders das konfrontative.

Ist das manchmal sogar Rauflust?

Total, aber nur, wenn es um die Sache geht, nicht um den Krawall an sich. Ohne Erkenntnisgewinn ist mir der völlig egal. Streit oberhalb der Gürtellinie macht unglaublich Spaß und der Druck darin treibt mich an.

Als Sie auf dem Höhepunkt der sogenannten Flüchtlingskrise vor drei Jahren selbst ins Kreuzfeuer des Internets geraten sind, haben Sie dieser Zeitung gesagt, Sie nähmen den Druck gern auf sich, wenn andere, womöglich Schwächere so von ihm entlastet werden. Sehen Sie das 300 Shitstorms später genauso?

Wenn es sein muss, stelle ich mich immer noch bereitwillig in jeden dieser Stürme. Und da hilft es sehr, sie zunächst mal möglichst wertfrei als Feedback von Menschen zu betrachten, denen feinere, diskursivere Plattformen zur Meinungsäußerung fehlen. Ich muss dabei allerdings höllisch aufpassen, wessen Mitteilungsbedürfnis durch mich sogar noch bestärkt wird, wenn ich mich etwa auf Facebook in Diskussionen einmische. Manchmal muss man die Leute auch schlicht ignorieren, das musste ich erst mühsam lernen.

Es ist eine Gratwanderung.

Die alle Seiten betrifft. Verbal aufrüsten tun ja nicht nur jene, die mich beschimpfen, sondern auch jene, die mich verteidigen. Wir brauchen da dringend Diskussionsabrüstungsverhandlungen. Wobei auch meine Nerven manchmal blanker liegen als hilfreich. Das ist auch bei mir tagesformabhängig.

Insgesamt neigen Sie aber auch unter Beschuss zur Dialogbereitschaft?

Schon. Zumal mir Zuschreibungen von „besorgte“ über „frustrierte“ bis „abgehängte“ Bürger missfallen. Das sind unzulässige Zuspitzungen ganzer Persönlichkeiten auf einzelne Zustände. Wenn einer den Holocaust leugnet, ist für mich jede Diskursbereitschaft beendet, da gibt es Null Toleranz. Aber über einige Hardcore-Rassisten hinaus verdient jeder, der bei Pegida mitläuft, ein Mindestmaß an objektiver Aufmerksamkeit für sein Anliegen.

Ist kritischer Journalismus, wie Sie ihn betreiben…

… wie wir ihn ja wohl hoffentlich alle betreiben bzw. betreiben wollen!

Ist der nur anstrengender geworden oder auch aufregender?

Beides. Seit der Journalismus in die anhaltende Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise geraten ist, eröffnen sich für uns alle doch auch enorme Chancen zur Reflexion. All die Diskussionsforen und Rechercheplattformen hätte es ohne diese Entwicklung nie gegeben. Es geht mir nicht darum, Schulterklopfen zu ernten, aber ich kriege auch auf meinen Vorträgen viel positive Resonanz für diese Spiegelung. Andererseits ist unser Job dadurch auch anstrengender geworden. Er besteht ja nicht nur darin, ihn zu erklären, sondern vor allem auch zu machen. Immerhin lernt man dabei jedoch, seine Kräfte neu einzuschätzen und genauer abzuwägen, wie viel Zeit auf Facebook zum Beispiel machbar und sinnvoll ist. Also: Shitstorms und die damit verbundene Ungerechtigkeit sind anstrengend, führen aber zu einer neuen Kommunikation mit denjenigen, für die wir das Ganze machen: Unserer Leser, Zuschauer, User.

Läuft man beim Bedürfnis, es dem Publikum recht zu machen, nicht Gefahr, vor allem das zu thematisieren, was die Leute hören wollen?

Absolut. Wir als Medien müssen aufpassen, diese Diskursverschiebung nicht auch noch anzufachen. Pflegenotstand, Altersarmut, Wohnungsmangel, Verteilungsungerechtigkeit sind mindestens genauso wichtige und teilweise viel akutere Themen als Geflüchtete und Migration, auf die wir unverhältnismäßig viel Zeit und Energie verwenden. Ohne von Schuld reden zu wollen, tragen wir als Medien da eine Mitverantwortung, dieses Thema ungeachtet seiner objektiven Relevanz zuzuspitzen. Der Fall der ermordeten Susanna ist dafür ein besonders einprägsames Beispiel: Sicher haben Behörden, Polizei, der Staat da in gewisser Weise versagt. Aber hätten wir darüber in ähnlicher Form berichtet, wenn der Täter nicht aus dem Irak stammen würde?

Ist es hierzulande mittlerweile auch gefährlich, seiner journalistischen Arbeit nachzugehen?

Ja. Noch nicht wie in der Türkei oder Russland, wo sich die Kollegen ihres Lebens nicht mehr sicher sind. Aber Hatespeech, Vergewaltigungsfantasien, Morddrohungen bis hin zur Veröffentlichung privater Adressen – das sind völlig neue Eskalationsstufen. Mittlerweile bin ich ziemlich abgehärtet, so dass ich Hass-Posts, bei denen anderen die Kinnlade runterklappt, fast gelassen zur Kenntnis nehme. Es gibt aber genügend Beispiele, die mein Leben ungleich komplizierter gemacht haben. Besonders wenn die virtuelle Welt auf meine reale trifft.

Zumal Sie als Frau mit Migrationshintergrund abseits vom heteronormativen Mainstreams an allen Fronten Angriffsflächen bieten…

Vordergrund. Dafür habe ich jetzt mal keine Fakten, sondern nur ein Gefühl, aber es stimmt. Anja Reschke vom NDR kriegt den Hass im Netz als Frau auch doppelt ab. Weil ich wie sie jedoch nicht nur öffentlich-rechtlich arbeite, sondern auch noch anders aussehe, sexuell flexibel bin und tätowiert, kommt da bei mir allerdings schon einiges zusammen.

Verändert es die Arbeitsweise, wenn man sowohl Berichtssubjekt als auch -objekt ist.

Ja. Ich finde es zwar jedes Mal wieder aufs Neue befremdlich, mich auf die andere Seite des Mikrofons zu setzen, statt das Interview zu führen. Aber ich habe hier wie dort das Bedürfnis, dem Grundgesetz und unserem Staatsvertrag genüge zu leisten. Beide tragen mir auf, gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus oder Sexismus, aber für Humanismus, Pluralismus, Rechtstaatlichkeit einzutreten. Das ist mehr als eine Haltung, es ist unser inneres Geländer, wie es Hans Leyendecker gesagt hat. Wenn ich mich an dem nicht festhalten würde, hätte ich gewiss mehr Ruhe und Freizeit, aber es geht hier ums Ganze.

Klingt das fast schon ein wenig Trotz durch?

Nein. Schweigen liegt mir einfach nicht. Und wer wegschaut, macht sich mitschuldig. Es soll ja später niemand sagen, wir hätten es nicht kommen sehen. Und als Journalistin ist mir daran gelegen, ein Gespür für den Mittelweg zu erzeugen. Im öffentlichen Diskurs scheinen derzeit nur Freund oder Feind, Schwarz und Weiß zu existieren, die Grautöne verschwinden ebenso wie die Bereitschaft, andere Meinungen zuzulassen. Ich plädiere da für mehr sowohl-als-auch, statt immer nur entweder-oder. Wir müssen versuchen, auch über polarisierende Themen wie Heimat einen Konsens zu finden.

Und was kann der Journalismus dazu beitragen?

Weil uns Teile der Bevölkerung als Akteur dieser Polarisierung ansehen, wird es durch reine Berichterstattung zusehends schwer, mäßigend Einfluss zu nehmen. Ich versuche das zwar regelmäßig im direkten Gespräch und biete unter anderem Hassmail-Schreibern auch mal an, dass ich sie anrufe; das führt dann manchmal für beide Seiten zu überraschenden Erkenntnissen. Andererseits ist es nicht unsere Aufgabe, den Menschen in diesem Land Wertschätzung zu zeigen oder den Weg zurück in die Mitte zu weisen. Das ist Aufgabe der Politik. Unsere besteht darin, die Welt in ihrer Gesamtheit abzubilden.

Also auch den guten Seiten?

Unbedingt. Wenn wir nur negativ berichten, rücken die Menschen immer weiter von den Medien ab. Bei unseren Zuschauern gibt es ein Bedürfnis nach der Ganzheit und zu der gehört auch, dass wir das Gelungene, das Positive zeigen.

Dann sind Sie ja trotz aller negativen Begleiterscheinungen im Sportstudio bestens aufgehoben, wo im Kern ja die Lebensfreude im Mittelpunkt steht.

Sind Sie eigentlich Fußball-Fan?

Unbedingt sogar.

Welcher Verein?

FC St. Pauli.

(lacht) Na, dann wissen Sie ja, wie viel Leid bei aller Freude im Fußball steckt. Als es mit Gladbach um die Nullerjahre herum ständig abwärts ging, waren das die beschissensten Fußball-Jahre meines Lebens. Das ist natürlich Leiden auf hohem Niveau, aber auch im Sport geht es längst nicht mehr nur um Sieg oder Niederlage, sondern viel Geld, Macht und wie Donald Trumps Sanktionsdrohung für Gegner der WM-Vergabe 2026 an die USA, Kanada und Mexiko zeigt, auch um handfeste Politik. All dies macht meine Aufgabe im Aktuellen Sportstudio gewiss nicht zur reinen Spaßveranstaltung.

Wird eine Frau in dieser Position noch mit anderen Augen betrachtet als Männer oder haben wir diese Stufe der Emanzipation hinter uns gelassen?

Schön wär’s… Sehen Sie sich die Abneigung an, mit der Claudia Neumann zu kämpfen hat.

Die kommentiert allerdings als bislang erste Frau Männer-Fußball. Sie hingegen folgen einer ganzen Reihe von Moderatorinnen.

Das stimmt. Als ich vor 20 Jahren Sportmoderatorin wurde, bekam ich meine Sonderstellung vom Publikum über Kollegen bis hin zu Sportlern noch deutlich zu spüren. Da hat sich spätestens mit Monica Lierhaus viel geändert. Sky hat hervorragende Sportreporterinnen, Jessy Wellmer macht das großartig Dennoch scheinen Frauen in diesem Genre immer noch als Fremdkörper wahrgenommen zu werden. En Fehler und die Nation dreht hohl.

Werden Sie das im Sportstudio inhaltlich oder ästhetisch kommentieren?

Auf keinem Fall. Wenn ich versuchen würde, da Bedürfnisse zu befriedigen oder konterkarieren, würde ich durchdrehen. Das Feedback ein paar enger Vertrauter wie meine Schwester oder zwei, drei enge Kollegen ist mir wichtig. Ansonsten agiere ich weiter aus dem Bauch heraus. Vielleicht falle ich damit irgendwann mal auf die Schnauze, aber bislang ist es gut gegangen.

Verzweifeln Sie als Journalistin, die auf fast allen Ebenen an vorderster Front mitkriegt, wie viel schief läuft, nicht manchmal an der Welt?

Klar, auch ich schlage abends manchmal die Hände vors Gesicht und denke, hier fährt gerade alles gegen die Wand. Aber dann stehe ich am nächsten Morgen im MoMa und spüre: genau darüber zu berichten ist mein Job, und  ich will nichts anderes machen. Und Niederlagen gehören zum Leben; man muss halt, noch fünf Euro ins Phrasenschwein, einmal mehr aufstehen als hinfallen.

Eine kürzere Version des Textes ist vorab im journalist erschienen