Es gießt!

fragezeichen_1_Im Fernsehen sind die Unterschiede zwischen Duschen und Starkregen marginal. Da hat viel mit Brennweiten zu tun. Und noch mehr mit Symbolik

Von Jan Freitag

Kameras von heute sind hoch entwickelt. Selbst im Laufschritt erzielen sie fast unbewegte Bilder, für dreidimensionale Effekte brauchen sie nicht mehr zwei Objektive, und die perfekte Tiefenschärfe in HD-Qualität schafft heute jedes Grabbeltischmodell. Fragt sich nur, warum Regen in Film und Fernsehen nur dann erkennbar ist, wenn er in Strömen fällt. Die Antwort klingt ein bisschen langweilig: Durchschnittsniederschlag bricht kaum Licht. Nicht genug jedenfalls, um ausreichend sichtbar zu sein. So sichtbar nämlich, dass er tut, was er eben tun muss. In handelsüblichen Dramaturgien wäre das: Dramatik erzeugen.

Denn wer glaubt, in fiktionalen Formaten diene Himmelwasser meteorologischen Kreisläufen, der Natur also, ihren Gesetzen, der hat wenig Ahnung vom Medium. Wenn es am Bildschirm tropft, läuft garantiert gleich irgendwer herbei, bleibt vor irgendwem stehen und fleht, nicht zu fliegen/fahren/gehen. Bitte! Und das wirkt triefnass nun mal eindrücklicher als bloß befeuchtet. So wie aufgespannte Regenschirme bei Beerdigungen, Tatortsicherungen im Krimi und Einsamkeit, vornehmlich in abgelegenen Tälern oder beim Campen. Weil nur krasse Gefühle telegen sind, gibt’s also exakt zwei Wetterlagen: grelles Licht und starker Regen. Aber Kameras von heute sind ja wetterfest.

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