Designerbullenbuden

fragezeichen_1_Im Fernsehen gibt’s genau drei Sorten Wohnraum: billige Absteigen, geerbte Villen und Designerlofts. In letzteren wohnen sogar Putzfrauen und Polizisten. Merkwürdig

Heino Ferch spielt gern Filmpolizisten. Gut, er spielt sie nicht wirklich, sondern liefert bloß seine stoische Einheitsmimik in der Kamera ab. Aber Filmpolizistenarbeit ist ja auch wirklich zu hart für freundliche Blicke. So hart übrigens, dass sich Filmpolizisten wie Ferch nach Feierabend nicht wie reale Polizisten und ähnlich unterbezahlter Arbeitnehmer in Mietwohnungen oder Reihenhäusern entspannen, sondern in elitären Lofts von Stararchitekte wie Koolhaas, Gehry, Libeskind, mindestens. Kubische Prachtbauten sind das in gedeckten Farben mit elektronischem Housekeeping zum gediegenen Mobiliar. Nicht schlecht fürs Gehalt angestellter Ermittler.

Aber auch nachvollziehbar. Denn abgesehen davon, dass Villen jeder Art einfach mehr Platz für dreißigköpfige Drehteams bieten, gibt es noch eine Art Gerechtigkeitsgrund. Während der echte Durchschnittsbulle in seiner Laufbahn nämlich statistisch gesehen vielleicht fünfmal die Waffe zieht, hat der fiktionale Durchschnittsbulle oft schon in der Anfangsszene scharf geschossen. In Anschluss wird er dann regelmäßig suspendiert, entführt oder eingeschleust, dazu beschossen, getroffen und dennoch nie befördert. Im widerfahren also Dinge, die ganze Brennpunktkommissariate nicht mal pro Schicht und Jahr schaffen. So viel Ballast auf einer einzelnen Filmermittlerschulter lässt sich der Fernsehstaat eben was kosten. Designervillen for free zum Beispiel, in Miami gern noch mit Ferrari obendrauf. Erst die Arbeit und dann…

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