Freitagsgebetsmühle

fragezeichen_1_Wann immer der Orient in Film und Fernsehen fiktional ins Bild rückt, ruft garantiert gleich der Muezzin, als hätte der nur auf die Kamera gewartet. Merkwürdig

Es gab mal Zeiten, da wurde an Wochenenden nur in Ausnahmefällen Filme gedreht. Als die Fünftagewoche noch galt, vor Urzeiten also, war Arbeitnehmerschutz eben stärker als jede Regieanweisung. Umso bemerkenswerter, dass sich die Arbeitszeiten am Drehort Orient auf wenige Minuten pro Tag beschränkt – zu Sonnenauf- und -untergang nämlich. Den Eindruck erwecken zumindest sämtliche Szenen, die in muslimischer Umgebung spielen. Sobald die Kamera dort draufhält, ruft garantiert der Muezzin vom Minarett. Merkwürdig.

Aber auch verständlich. Denn ob Kinoklassiker oder ZDF-Schnulze, James Bond oder ARD-Kommissar – der Zuschauer soll nicht nur sofort wissen, wo er sich gerade befindet, um ihn gar nicht erst zum Nachdenken zu bringen, was vom Impulsgewitter des Mainstreamfernsehens nur ablenkt; nein – er soll auch gleich mal spüren, mit wem er es zu tun hat. Den Guten, den Bösen, Gefahren, Geborgenheit. Und dafür eignet sich wenig besser als religiöse Symbole. Wenn folglich Allahu Akbar über die Szene weht, weiß das Publikum: oha, aufgepasst, hier wird’s heikel. Die Kirchglocken überm Alpendorf dagegen symbolisieren: Heile Welt. Das Schlimmste aber ist die Abwesenheit von Religion. Das heißt Atheismus. Nicht nur für den öffentlich-rechtlichen Stammzuschauer also: die Hölle.

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