Bullerbümassaker

fragezeichen_1_Von wegen Lönneberga – skandinavische Bücher und Filme stehen längst nicht mehr für Idylle in rotweißen Holzhäusern, sondern ausgeweidete Leichen in Tiefgaragen. Seltsam.

Es gibt einen soziologischen Begriff namens Bullerbü-Syndrom. Wer an Schweden denkt, so lautet die These, sieht vor seinem geistigen Auge sogleich idyllische Landschaften voll spielender Blondschöpfe vor rotweißen Blockhütten im Sonnenschein. So war das zumindest früher, im Kinderbuch-Gestern. Und jetzt? Beißt die Phantasie auf eine imaginäre Kunstblutkapsel und zeigt statt Michel und Pippi ausgeweidete Opfer düsterer Mordfälle samt ihrer depressiven Ermittler. Stilbildend für unser nördliches Nachbarbild ist also nicht mehr Astrid Lindgren, sondern Henning Mankell. Aber warm bloß sind skandinavische Krimis so derart brutal und krass?

Wegen der Dunkelheit, sagt Mankell selbst, sagen Autoren wie Regisseure wie Darsteller wie Publikum. Monatelange Sonnenlosigkeit sorgt halt für finstere Gedanken. Das allerdings hätte ja auch für Lindgren gelten müssen, die in der ewigen Nacht zwar anfangs nicht mal elektrisches Licht hatte, dafür allerdings umso sonnigere Gestalten ersann. Also doch eher ein Erfolgsrezept. Denn die Normsonnenstundendeutschen haben so viel Gefallen an der kriminologischen Blutrünstigkeit gefunden, dass die Skandinavier dieses Branding immer und immer wieder reproduzieren. Ein schwedischer Thriller, in dem niemand ausgeweidet würde, wäre schlechthin unverkäuflich.

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