Dieter Kürten und Sven Voss, sportstudio

Ein bisschen sportstudio-bashing

Ein Gartenlokal im Herzen des deutschen Sportjournalismus: das Wiesbadener i-Punkt, flankiert vom hessischen Sportministerium und dem örtlichen Presseclub. Da könne schon mal ein Bela Réthy reinschneien, meint der Nachwuchsmoderator Sven Voss vorm Doppelinterview mit Dieter Kürten. Am Ende bringt der 78-Jährige aber nur seine Tochter zum Gespräch mit dem jüngsten und dem ältesten noch lebenden Moderator einer Legende: des „aktuellen Sportstudios“. Es wird bald 50, ist stets in Bewegung und doch irgendwie die alte geblieben, seit der Erstausgabe am 24. August 1963.

Interview: Jan Freitag

freitagsmedien: Herr Kürten, Herr Voss, haben Sie Lust auf ein kleines Sportstudio-Quiz zu Beginn?

Sven Voss: Mit Gewinner und Verlierer?

Eher zum Faktencheck.

Dieter Kürten: Na dann los.

Wann genau lief das allererste aktuelle Sportstudio?

Sven Voss: 1963.

Dieter Kürten: Am 24. August, zur Einführung der Bundesliga.

Wer hat es moderiert?

Kürten: Heribert Meisel; ein witziger, charmanter Funkreporter, der fürs enge Fernsehformat allerdings nicht der Richtige war und prompt dreieinhalb Stunden überzogen hat. Nach fünf Ausgaben ist er nicht mehr gekommen.

Voss: Ich habe bezeichnenderweise vorhin noch mal bei Wikipedia nach dem ersten Moderator gesucht, seinen Namen bis hierhin aber schon wieder vergessen. Er ist mir namentlich bekannt, aber meist wird ja doch von anderen wie dir gesprochen, Dieter.

Kürten: Der ZDF-Sportchef hatte ihn ja auch nur geholt, weil er kurz zuvor Länderspiel gegen Österreich so gut kommentiert hatte.

Und wie hieß dieser Sportchef?

Voss: Oh Mann, das ist ungerecht.

Kürten: Horst Peetz. Das war auch so ein Irrglaube früherer Tage, ein sehr guter Zeitungsjournalist wie er funktioniere automatisch im Fernsehen. Das muss nicht so sein.

Seit wann gibt es das Sportstudio in Farbe?

Voss: Weil ich hoffe, dass wir uns langsam meinem Jahrgang nähern, würde ich mal raten: 1972?

Kürten: Eher Mitte der Sechziger, ich hab das Bild von Willy Brandt, wie er auf der ifa den Knopf drückt, noch vor Augen.

1967. Und jetzt kommen Sie, Herr Voss. Franz Beckenbauer wird auch Gast Ihrer beider Jubiläumssendung sein. Zum wievielten Mal insgesamt?

Voss: Sagen wir 39 Mal.

Kürten: Also er war Harry Valériens Lieblingsgast, deshalb biete ich 52.

Knapp, 57. Was war sein bestes Ergebnis an der Torwand?

Kürten: Fünf hatte er nicht, aber einmal eins vom Bierglas.

Voss: Ich sag vier.

Und wer ist Mark Schnatterer?

Voss: Ah, das ist für mich: Fußballer beim FC Heidenheim, die am Tag meiner ersten Sendung 2011 Werder Bremen aus dem Pokal geworfen hat. Ein Überraschungsgast, denn ich hatte mich auf Sebastian Kehl vorbereitet, aber kurzerhand wurde dieser Pokalheld eingeladen, und da wurde mir schlagartig bewusst, warum dieses Sendung „aktuell“ im Titel trägt. Hier kann man sich nicht zurücklehnen. Der Name stand bis dahin nicht in meinem Poesiealbum, ich wusste nichts von ihm.

Kürten: Was uns zurückführt auf unseren Beruf: Fragen, fragen, fragen, statt sich alte Antworten bestätigen zu lassen!

Voss: Ganz genau, mehr über den Gast zu wissen als er selbst, kann Gespräche behindern. Bei mir ist es nicht mehr als eine Din-A-4-Seite Informationen. Nur: bei Mark Schnatterer war das Blatt leer.

Speichert sich so eine Premierensendung fotografisch ins Langzeitgedächtnis ein?

Voss: Ich hab sogar noch die Fragen im Kopf, die ich nicht gestellt habe.

Kürten: Und ich hab 30 Minuten überzogen, da wir allen Ernstes eine neue Aufnahmetechnik vorgestellt haben. Dafür musste ich mich live mit vier Ingenieuren rumplagen und wusste zudem noch nicht genau, wann ich wie wo zu stehen hatte. Aber ich bin durchgekommen.

Voss: Und wie viele Sendungen hast du gebraucht, um nicht nur durchzukommen, sondern Spaß zu haben?

Kürten: Sicher ein Dutzend. Und richtig frei geworden bin ich erst in der Zeit, als ich junger Bengel unter den 15 Jahre älteren Thoelke, Valérien, Günzler nicht mehr nur alle Vierteljahr an der Reihe war, was jede Sendung zum Debüt macht, sondern mit Harry im Wechsel, so anstrengend es dann auch wurde.

Voss: Schön das zu hören, denn ich hatte zu Beginn auch dieses Gefühl, bloß gut durchkommen zu wollen in dieser Institution mit ihren klaren Abläufen, die man keine Minute überziehen darf. Ohne Schalke 05 zu sagen, ohne das Torwandschießen zu vergessen. Mich davon frei zu machen hat schon einige Sendungen gedauert.

Kürten: Wir mussten uns beide auch ein bisschen von großen Namen emanzipieren, die schon vor uns da waren. Und von der Bedeutung der Sendung, denn das Sportstudio war damals der große Reißer, der machen konnte, was er wollte – zeitlich, finanziell, dramaturgisch; die Freiheit war riesig, auch für uns Moderatoren, die sich völlig frei entfalten konnten.

Macht das den Moderator von heute ein wenig neidisch?

Voss: Schon. Zumal die Fallhöhe bei mir eine andere war. Als Dieter begonnen hat, war das Sportstudio vier Jahre alt, mich begleitet es von Kindesbeinen an, umso mehr, seit ich 1999 selber zum Fernsehen kam. Dieser Tradition bringt man eine gewisse Demut entgegen; trotzdem würde ich mir manchmal mehr Freiheiten wünschen, weiß aber auch, dass das allein durch die Rechtevergabe oder nachfolgende Sendungen eng begrenzt ist. Nach uns kommt ja kein Testbild mehr.

Kürten: Und vor uns gab es nur die Sportschau, ein total nachrichtliches Format. Wir dagegen waren in den Worten von Wim Thoelke eine „Unterhaltungssendung mit stark sportlichem Charakter“. Die wiederum dazu führte, dass auch Ernst Huberty im Ersten lockerer wurde und bald das Tor des Monats gewählt wurde. Gerade weil wir so viele Freiheiten hatten, haben wir den Sportjournalismus weiterentwickelt. Trotzdem ist zu viel Zeit nicht nur positiv, da entsteht auch viel Kokolores.

Hätten Sie sich da auch mal die Restriktionen von heute gewünscht, mehr Struktur?

Kürten: Nö, nie. Das war eine viel zu schöne Spielwiese, aber auch die wurde mit der Zeit zurechtgestutzt.

Voss: Und es geht ja nicht nur ums Zeitliche. Zu Dieters Zeiten hat sich jeder Sportler drum gerissen, ins Sportstudio zu gehen; wir müssen heute schon ganz schön Steine klopfen und am Ende doch einsehen, dass 90 Prozent der Gäste, die wir gern Samstag hätten, schon Montag völlig verplant sind. Aber zu kämpfen lohnt sich immer.

Kürten: Bei uns boten sich ihnen dagegen unvergleichliche Verbreitungsmöglichkeiten, vor fünf, sechs Millionen Zuschauern ihr Renommee zu verbessern. Und das wussten die zu nutzen, weil das oft Männer mitten im Leben waren, mit Frauen, Kindern, Berufen, die plötzlich mit Fußball Geld verdienten und durch die Welt reisten, was ungeheuer klug macht. Die konnten wir alles fragen und sie haben auf alles geantwortet, weil ein Vertrauensverhältnis bestand.

Das damals noch nicht so sehr von kommerziellen Selbstvermarktungsinteressen beeinflusst war.

Kürten: In der Tat. Da saß kein Trainer mit einer Werbespange am Hemdkragen vor mir, was ich für Erwachsene mit Vorbildfunktionen als unangebracht und geschmacklos empfinde.

Voss: Und zum Glück kommt man von dieser Art PR auch langsam wieder weg. Die haben halt heute ganz andere Vermarktungsmöglichkeiten als uns, was man an der Präsentation von Mario Götze im Nike-Shirt bei den Adidas-Bayern gesehen hat.

Kürten: Da kann mir keiner erzählen, dass das nicht genau so geplant war.

Voss: Aber ich fühle mich von so was auch nicht missbraucht, solange ich meine Arbeit machen kann. Die würde eher beeinträchtigt, wenn vorher Fragen abgesprochen werden sollen.

Kürten: Ich habe meine Gäste immer selbst eingeladen, aber wenn da einer gesagt hätte, über das und das nicht reden zu wollen, hätte ich ihn auch ganz schnell wieder ausgeladen. So weit kommt’s noch, dass alle Welt über etwas redet, und wir im Sportstudio dürfen das nicht.

Voss: Es sei denn, es geht um Privates. Wenn vorige Saison, als wir Rafael van der Vaart einladen wollten, jemand vom HSV gesagt hätte, bitte nicht über seine Ehe zu sprechen, wäre das okay gewesen; interessiert mich eh nicht so. Aber sportlich will ich jede Frage stellen dürfen, das war damals so, das ist heute nicht anders.

Könnte man den heutigen Voss in die Zeit von Kürten teleportieren und den jungen Kürten in die Gegenwart – würden Sie im Format des jeweils anderen funktionieren?

Kürten: Na sicher, aber ob das sinnvoll wäre, ist eine andere Frage. Wie gefällig Moderatoren sind, ist ja keine Zeit-, sondern eine Typfrage. Ich werde heute noch auf der Straße angesprochen, ob ich es nicht noch mal machen würde, aber grundsätzlich funktioniert jeder Moderator durch das, was ihn kennzeichnet.

Voss: Ob es funktionieren würde, weiß ich nicht. Aber als großer Fan der Sechziger hätte ich große Lust auf Dieters Zeit. Wegen der Freiheiten, mehr aber noch der großen Aufmerksamkeit für die Sendung, deren Inhalte seinerzeit enorme Relevanz hatte. Heute müssen wir um Aufmerksamkeit weit mehr kämpfen.

Kürten: Schließlich ist Sport nun sogar Teil von Formaten, die ihn zu meiner Zeit nur mit spitzen Fingern angefasst hat. Die Tagesschau zum Beispiel zeigt oft minutenlang Fußball. Schon das macht beide Zeiten schwer unterscheidbar.

Aber gab und gibt es denn eine Art Sound, der das Sportstudio in 50 Jahren kennzeichnet und von anderen Sendungen unterscheidet?

Kürten: Es gab und gibt immer eher bestimmte Typen, die die Sendung geprägt haben.

Voss: Geprägt hat das Sportstudio in jedem Fall, dass es Gäste hat, denen man sich eine Viertelstunde, also länger als in jeder anderen Sportsendung, auch persönlich nähern kann.

Kürten: Wobei Sven heute den Vorteil hat, sich wirklich voll auf einen Gast, vielleicht mal zwei zu konzentrieren. Bei mir waren es schon mal fünf, sechs, sogar sieben. Da hast du immer noch mehr Zeit als anderswo, aber nicht genug. Das ist bei aller Kritik an unserem Moderationsstil oft nicht deutlich geworden, wie schwer es ist, sich innerhalb enger Zeitrahmen einem Menschen wirklich zu nähern.

Voss: Zum Glück gab es zu deiner Zeit noch kein Twitter oder Facebook. Da kommt diese Art Kritik nämlich in Echtzeit. Und sicher nicht immer nur konstruktive.

Empfinden Sie denn die Kritik als konstruktiv, das Sportstudio betreibe zusehends Gefälligkeitsjournalismus, der die Befragten kaum noch mit harten Fragen konfrontiert?

Kürten: Konstruktiv vielleicht, aber nicht fair. Was die Süddeutsche den Moderatoren da vor einigen Wochen vorgeworfen hat, ging voll unter die Gürtellinie, das sagen sogar deren Redakteure.

Voss: Unserem Gast nicht gleich mit der ersten Frage zu beleidigen, erscheint einigen Kritikern offenbar bereits als Kuscheljournalismus. Aber wen ich einlade, lass ich doch nicht als erstes auflaufen! Wenn ich lese, wie die Süddeutsche mein Interview mit Matthias Sammer kritisiert, das vielfach gelobt wurde, klingt das ein bisschen nach Sportstudio-Bashing.

Kürten: Das auch ein wenig damit zu tun hat, dass Zeitungsjournalisten sich Fernsehjournalisten ein bisschen unterlegen fühlen, weil wir in der Pressekonferenz wegen der Zeitnot oft die ersten Fragen haben.

Voss: Dennoch gibt es da keine Hierarchie. Höchstens eine, die dadurch entsteht, dass wir viel Geld für unsere Bewegtbilder zahlen; damit erkaufen wir uns gewissermaßen einen Vorteil. Ob und wie wir mit Matthias Sammer reden, hat damit allerdings herzlich wenig zu tun.

Kürten: Und wenn der Sammer nichts sagen will, sagt der nichts und kriegt dafür auch noch Beifall. Das ist einfach einer der schwierigsten Gäste im Geschäft und weiß sehr gut, dass es durchaus gut ankommt, es dem Moderator mal zu zeigen.

Voss: Dabei hat das trotzdem Spaß gemacht, denn selbst wenn ein Sammer nichts sagt, ist es unterhaltsam, wie er das tut. Er hat zwar noch während der Sendung gesagt, wie clever ich fragen würde, aber dennoch geschwiegen. Da hilft auch keine Härte.

Kürten: Man kriegt ohnehin selbst bei so einem mehr raus, wenn man erstmal freundlich ist, also auf Umwegen, statt frontal vor die Stirn. Man muss sich ran schleichen, ohne das Vertrauen aufs Spiel zu setzen. Dieses direkte Fertigmachen kann ich nicht leiden.

Voss: Zumal da einerseits so ein merkwürdiger Unfehlbarkeitsanspruch mitschwingt, andererseits die Unterstellung, wir selbst würden uns für total fehlerlos halten. Aber wir sind doch alle Journalisten, die was rauskriegen wollen und sich zutiefst ärgern, wenn das nicht klappt. Aus welchen Gründen auch immer. Keiner von uns will sich einen gemütlichen Abend mit harmlosen Gästen machen.

Am Spielfeldrand hat man das Gefühl bisweilen schon, wo fast nur noch Wie-Fragen gestellt werden?

Kürten: Wie sehr freuen Sie sich, drei Tore geschossen zu haben. Überflüssig, keine Frage. Spannender wäre, ob man nach drei Toren beginnt, nur an sich selbst zu denken, statt ans Team.

Voss: Und man muss auch mal aufpassen, die Vergangenheit nicht zu verklären. Auch Dieter hat mal Interviews ohne harte Fragen gestellt.

Kürten: Mir wurde oft genug das Gegenteil bescheinigt.

Voss: Deshalb sollte man sich da keine Einzelfälle rauspicken und uns daran zu Conferenciers erklären, weil wir ab und zu die weiße Fahne hissen.

Wie viel Meinung ist denn erlaubt?

Voss: Ich persönlich glaube, mir durchaus ein bisschen mehr davon rausnehmen zu dürfen; da bin ich manchmal noch zu vorsichtig. Jeder Moderator hat das Recht, seine Meinung einzubringen, das habt ihr euch früher vielleicht stärker herausgenommen.

Kürten: Mag sein, aber wer dauernd mit seiner Meinung schief liegt, bietet eine ungewollte Angriffsfläche, die man verteidigen können muss.

Dürften Sie einem Dietmar Hopp zum Beispiel offen sagen, das System Hoffenheim mache den Fußball kaputt, oder einem Sebastian Vettel, er zerstöre das Klima.

Voss: Wenn man der Meinung ist, gern. Man muss es nur mit Fakten unterfüttern können.

Kürten: Und nicht nur äußern, weil es die herrschende Meinung ist.

Voss: Das ist eine Einzelfallentscheidung. Selbst in streitbareren Sendungen wird ja nicht ständig draufgehalten. Pauschale Konfrontation ist kein Königsweg.

Kürten: Schon gar nicht in unserer Sendung, wo die Gäste eine Weile mit uns sitzen und kooperieren müssen.

Wollen die Zuschauer Samstagnacht womöglich auch gar keine Streitereien, sondern schicke Tore sehen?

Voss: Da ist was dran.

Kürten: Früher auf jeden Fall. Zu meiner Zeit wurden die Sportreporter in den großen Redaktionskonferenzen eher geduldet. Selbst der Fußball ist erst mit der Zeit zum Machtfaktor heutiger Tage geworden; seine gesellschaftliche Relevanz wurde früher auf seinen Freizeitcharakter reduziert, während er heute ein Milliardengeschäft ist und Abermillionen fesselt. Heute läuft das Frauenländerspiel Deutschland-Island im Hauptabendprogramm.

Voss: Vor sieben Millionen Zuschauern!

Kürten: Ungefähr die Zahl meiner einstigen Sportstudio-Zuschauer, aber die wollten vor allem Spaß haben, die Gesellschaftsfähigkeit kam später.

Tat Ihnen das nachträglich in der Sportreporterseele weh?

Kürten: Nein, denn ich hatte nie einen Zweifel dran, dass das kommen würde. Mich hat es nur geärgert, wenn unser Genre im eigenen Haus schlecht behandelt wurde.

Voss: Ich habe es oft genug erlebt, dass ein paar Millionen Zuschauer zufrieden waren, aber das ZDF zerfleischt die Sendung. Kritisieren und kritisiert werden gehört allerdings auch ein bisschen zum Spiel dazu und glauben Sie mir: Ich schlafe deshalb nicht schlechter.

Kürten: Selbstbewusst sein darf man schon und an seine Stärken glauben. Ich kann mich jedenfalls vor allem an die guten Momente im Sportstudio erinnern.

Was waren denn da ihre schönsten, vielleicht auch die schönsten Streitgespräche?

Kürten: Komm, Sven, bei dir geht’s schneller.

Voss: Also meins war seltsamerweise das kritisierte mit Matthias Sammer. Diese Mischung aus Unterhaltung und Ernsthaftigkeit war toll. Es gab auch mal eine Diskussionsrunde mit Fanvertretern, Psychologen, DFL zum Thema Gewalt in den Stadien. Das war nicht steuerbar, deshalb war ich darin genau das, was mein Beruf ist: Moderator.

Kürten: Schön waren natürlich immer die Pannen. Die Sache mit der Perücke zum Beispiel, die ein Affe der Frau von Johnny Weissmüller vom Kopf gerissen hat.

Voss: Oder als mal in deiner Sendung überhaupt nichts funktioniert hat und du immer wieder mit dem Regisseur im Off gesprochen hast und ihm drohtest. Toll. Als bei uns nach dem Champions-League-Finale auch alles drunter und drüber ging, hab ich mich daran erinnert und gedacht – Mann, der Dieter, der würde das jetzt ganz charmant rum reißen.

Kürten: Wissen Sie – Wim Thoelke hat ab und zu ganz bewusst kleine Pannen inszeniert, weil er wusste, das so was manchmal viel spannender ist als Virtuosität. Misslingen ist menschlich. Deshalb kann ich mich auch viel mehr an die emotionalen Momente erinnern als an Streitgespräche. Als ich Boris Beckers vorherigen Trainer Günther Bosch zum Beispiel mal fragte, was er täte, wenn Boris jetzt anriefe, er solle zu ihm zurückkehren – da sind diesem Mann die Tränen in die Augen geschossen und es schien, als würde er dafür zu Fuß nach Australien laufen. Oder Giovanni Trapattoni nach seinem letzten Bayern-Spiel, der mir um den Hals fiel, als ich ihm sagte, wie sehr er der Bundesliga fehlen würde.

Klingt schwer nach Kuscheljournalismus.

Kürten: Nein, einfach ergreifend. Für mich, für ihn, für die Zuschauer, für alle, schön. Schöner jedenfalls als Kritik um der Kritik Willen.

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