Diana Amft, Männersucherin

Die Frau fürs Nette

Korkenzieherlocken, Alltagschaos, Männersuche – das Filmleben von Diana Amft. Foto: RTL/Christiane Pausch

Die Wahlkölnerin Diana Amft erinnert an eine berühmte Solingerin in jungen Jahren: Bisschen naiv, bisschen chaotisch, sehr naiv, sehr sehr weiblich und sehr sehr sehr blond. Noch reicht das nur für durchaus charmante RTL-Serien wie Doctor’s Diary oder ganz neu Christine. Perfekt war gestern (donnerstags, 21.15 Uhr, RTL). Aber Veronica Ferres hat ja auch mal kleiner angefangen…

Von Jan Freitag

Diese blauen Augen, der helle Teint, das lockige Haar, ihre ganze offensive, fast aufdringliche Weiblichkeit – ein bisschen naiv, ein bisschen verrucht, ein bisschen selbstbewusst, ein bisschen, tja – blond. Diana Amft ist schlecht zu bewahren vor diesem machtvollen, perfiden, zentnerschweren Vergleich: Veronica Ferres. Es ist so ungerecht. Und doch so nahe liegend. Denn, Diana Amft, die Hausmeistertochter aus Gütersloh, steht auf ihrer Karriereleiter da, wo Veronica Ferres, die Kohlenhändlertochter aus Solingen, nach Superweib, Schtonk und Rossini stand: An der Schwelle einer großen Schauspiellaufbahn ohne schauspielerische Finesse – begehrenswert, robust und noch ziemlich sympathisch. Vom Zuschauer gemocht, vom Feuilleton verschmäht, die nette Chiffre argloser Abendunterhaltung, überhäuft mit leichten Schmunzel- und Schmachtrollen, in ewiger Wartehaltung auf Anspruchsvolleres, ein Filmversprechen auf nicht ganz so langen Beinen.

Das zeigt sie seit geraumer Zeit immer wieder, dieses überraschend selbstironische Spiel mit den Stereotypen ihres Kapitals und Fluch in einem: dem eigenen Körper. Zuletzt etwas in der Degeto-Klamotte Liebe und andere Delikatessen, als erfolgreiche Werberin namens Franka, die von Männerintrigen getroffen über den Jobverlust ins eigene Geschäft als Gastronomin stolpert – immer auf der Suche nach dem Traumboy, immer etwas unbeholfen, zickig und verspielt, hyperromantisch, aber realitätsbewusst, also ziemlich nah dran an dem, was Durchschnittsdeutsche von modernen Frauen erwarten: Kerle, Karriere, Kinderwunsch, alles zeitgleich und möglichst klaglos mit viel Erotik, viel Spaß und viel Demut vor der gesellschaftlichen Rollenzuweisung. Feminine Selbstausbeutung im 21. Jahrhundert. Und genau das liefert sie ab heute bei RTL auch in Christine. Perfekt war gestern als – richtig – moderne Frau mit Männer-, Karriere-, Kinderwunsch

Nun spielt Diana Amft diese Multifunktionsfrau meist mit großem Humor und gewaltiger Freude. Man würde ihr Rollen wie diese also durchaus abkaufen, wäre da nicht das übliche Paarungsrevier, von Nörglern „Schmonzette“ getauft: heitere Verwicklungsgeschichten von A(RD) bis Z(DF) und dazwischen reichlich Sat.1. Über Fräulein Amft scheint darin stets die Filmsonne, Hindernisse werden frohgemutes beiseite geräumt, das Gute bringt alles Böse bezaubernd zur Strecke und liegt sich zum Geigenfinale kollektiv in den Armen. Der Freitagabend eben, zumal im Ersten, ein Märchen – wie ihr eigener Weg ins berufliche Fach. „Wenn das so märchenhaft gewesen wäre“, sagt die Mittdreißigerin mit dem scheuen Augenaufschlag des alterslosen Wildfangs und nestelt sich am viel zu engen Dekollete herum, „hätte mich ja ein Prinz geheiratet“. Aber so ganz fern von dem war Dennis Gansel ja nicht. Vor zwölf Jahren hat der Regisseur die junge Diana als noch jüngere Inken im belanglosen, aber immens erfolgreichen Teenyquatsch Mädchen, Mädchen an die Spitze besetzt. Das hat ihr zwar einige Türen zugeschlagen, wie sie bekennt, „aber auch viele geöffnet“. Ein rasanter Kaltstart, von Null auf Ulknudel, immerhin.

Vorher nämlich war alles andere alles andere als glatt gelaufen in ihrem Leben. Die renommierte Essener Volkwangschule hatte die Videothekengehilfin aus der westfälischen Provinz abgelehnt. Ein Rückschlag für den Kinderwunsch, Schauspielerin zu werden. Doch er steckte so tief in ihr, dass sie mehr mit der Jury als sich selbst haderte: „Ich dachte, die freuen sich wie Bolle, dass ich endlich komme“, erzählt die Wahl-Kölnerin beim Interview in einem Hamburger Luxushotel, das ihr sichtlich überteuert vorkommt, „und dann schmeißen die mich in der ersten Runde raus“. Naiv, nennt sie das heute, nicht arrogant. Denn das Ziel war ja klar, der Weg dorthin auch, nur ihr Tempo musste gedrosselt werden. Mit etwas mehr Gelassenheit im Rücken nahem sie die nächste Schauspielschule auf, in München. Es folgten filmische Gehversuche auf niedrigem Niveau – Freischwimmerrollen, zum Lachen vor allem, seichtes Zeugs, Romanzenzeugs, Pubertätszoten mit Titeln wie Unschuldige Biester, Knallharte Jungs oder Eine Liebe auf Mallorca. Bis, ja bis RTL ihrem Kindheitstraum endlich echte Nahrung gab: Doctor’s Diary. Mit großer Hingabe spielte sie dort ein energisches Vollweib im Kampf mit – da haben wir’s wieder: Kerlen, Karriere, Kinderwunsch und diesmal ein paar Kilos dort zu viel, wo sie nur die gehässigen Spürhunde perfektionierter Oberflächenästhetik verorten.

Doch BMI hin, Kurven her: Ihre Gretchen Hase war lustig, voll Esprit, überdreht, nie albern und bisweilen gar tiefgründig. Es hagelte Lob, Preise – und Drehbücher. Diana Amft ist besser gebucht denn je. Davon zeugen zwei Hauptrollen in zwei Wochen, beide banal, aber Visitenkarten auf dem Weg zur ersten Garde. Auf den Spuren der Ferres: geliebt vom Publikum, gehasst von der Kritik. Für Neid auf Kolleginnen wie Felicitas Woll, die nach Mädchen, Mädchen eine steile Leiter ins seriösere Fach erklomm, ist Diana Amft allerdings „zu ausgeglichen“, wie sie selbst sagt. „Ich sehe die Schauspielerei buddhistisch: ein Kelch der Möglichkeiten.“ Noch steht er außer Reichweite, wie einst bei Veronica Ferres.

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