Facebookfans & Forsthaus Falkenau

Werbung, RFT Color 20, FernseherDie Gebrauchtwoche

30. September – 6. Oktober

Man muss gewiss keine Sympathie für die FDP und ihre 500 Bundestagshelfer hegen, um deren Weg von der Spitze zur Stütze, pardon: Arbeitsagentur Empathie entgegenzubringen; man muss sogar den Parteivorsitzenden im Niedergang nicht mal ständig mit alten Parolen wie der von den Schleckerfrauen, die sich schon um sich selbst kümmern müssen, konfrontieren; man muss die abgewählte Partei also keinesfalls mögen, um das digitale Nachtreten sozialer Netzwerke auf geschundene radikalliberale Seelen zu missbilligen. Aber den Facebook-Account – Herr Rösler, Herr Brüderle! – einfach so abschalten, weil die Pinnwände mehr Häme als Elitenpolitik enthalten, das jagt der AfD bei der nächsten Wahl kaum Stimmen ab.

Am Ende kommt es noch so weit, dass beide aufhören, von den Segnungen des Manchesterkapitalismus zu twittern, nur weil die Antworten darauf womöglich unbotmäßig geraten. Aber da die FDP fortan sparen muss, kann sie sich das Zwitschern künftig ohnehin nicht mehr leisten, falls Twitter seinen Börsengang tatsächlich mit kostenpflichtigen Angeboten begleitet, um fast acht Jahre nach dem ersten Tweet erstmals Rendite zu erzielen, statt unablässig zweistellige Millionenverluste einzufahren.

Jenseits jeder Gewinnaussicht derart viel Geld zu verbraten, davon durfte ein kleines Lokalblatt namens Harburger Anzeigen und Nachrichten dagegen nur träumen. Nach 159 Jahren ist es mit beidem – den Träumen und dem Blatt – nun vorbei. Mit der traditionsreichen Zeitung aus Herbert Wehners Wahlkreis im Hamburger Süden, das der berühmte Sozialdemokrat einst mit bissigen Kommentaren bereicherte, setzt sich der Abstieg des Lokaljournalismus ebenso fort wie mit der Ankündigung des Madsack-Verlags, sämtliche Regionalausgaben künftig von einer zentralen Mantelredaktion aus zu beliefern. Da kann Giovanni di Lorenzo noch so motzen, dass man den Untergang auch herbeireden könne – abseits einiger Auflagenkrösusse wie seiner Zeit ist er längst Realität.

Und scheint langsam auch RTL zu drohen. Deren sauteures Nationalmelodram Helden etwa ist am Einheitstag ja (zu Recht) gefloppt, was dazu beiträgt, dass Pro7 den früheren Quotenkrösus bald überholen wird. Im September sank die Reichweitendifferenz des Plastikkanals zum Deppensender in der Zielgruppe auf gut ein Prozent, fällt also Richtung öffentlich-rechtliches Niveau – das allerdings im gleichen Tempo mitstürzt, falls es sein Angebot weiter vergreist. Mit patriotischer Heimatsoße wie bei NDR und SWR, denen die Otto Brenner Stiftung attestiert, ihre angeblichen 70% Informationsanteil vor allem mit provinziellen Ratgebersendungen zu erzielen, erreicht man eben doch nur das geriatrische Stammpublikum.

Als Jugendoffensive ist auch die Nachricht der Vorwoche nicht zu verstehen, dass ein gewisser Wolfram Koch Nachfolger des hessischen Tatort-Kommissars Joachim Król wird. Nicht nur, dass er schon 51 ist – den kennt auch kaum jemand oder? Womit wir an dieser Stelle unsere Intellektuellenpflicht erfüllen und wenigstens einmal kurz Bild bashen. Denn die vermeintliche „Zeitung“ hat es Freitag geschafft, ihre Titelseite völlig frei von der Flüchtlingskatastrophe vor Lampedusa zu halten. Man kann sich Kai Diekmann in der Schlagzeilenkonferenz lebhaft vorstellen: Die paar Neger weniger…

TV-neuDie Neuwoche

7. – 13. Oktober

Ein paar davon zuviel gibt es indes, wenn Schnulzensender wie Sat1 in Afrika drehen. Am Dienstagabend nutzt die Abenteuersülze Wüstenherz sämtliche Marokkaner vor Ort nur als Klischeelieferanten – und liefert somit ein weiteres Argument, zeitgleich im Ersten dem nahenden Staffelfinale von Weissensee beizuwohnen. Oder der ZDF-Reportage Unser Krieg über den deutschen Kampfeinsatz in Afghanistan. Oder der Arte-Doku In-Vitro-Fleisch. Oder doch bis Mittwoch abzuschalten, wenn der Filmemacher Rithy Panh auf Arte die Zeit der Roten Khmer mit der preisgekrönten Tonfiguren-Animation Das fehlende Bild aufarbeitet. Oder ein früherer Titanic-Chef auf ZDFneo zur satirischen Reportagereihe Sonneborn rettet die Welt bittet.

Zu befürchten ist jedoch, dass besonders leicht beeinflussbare weil blutjunge Zuschauerinnen parallel bei Pro7 landen, wo Claudia Schiffer Heidi Klum spielt und Designer castet. Fashion Hero wäre jedoch nicht halb so ärgerlich, ginge es acht Teile lang um etwas anderes als Product Placement. Denn die präsentierten Produkte sind tags drauf bei Händlern von s.Oliver bis Karstadt zu kaufen, die selber bei der Show mitmischen. Bei so dreister Schleichwerbung könnte man glatt RTL empfehlen, wäre das, was dort zeitgleich gezeigt wird, nicht noch absurder als Schiffers Schaulaufen: Mario Barth spielt dort nämlich Journalist und deckt auf, wie es im Titel heißt, zum Auftakt Steuerverschwendung. Einen billigen Comedian derart zweckzuentfremden ist in etwa so, als würde man Bashir al-Assad zum Wahlbeobachter in Deutschland ernennen, aber na ja, gutes Personal ist halt schwer zu finden, wo Die Schulermittler am Nachmittag zuvor unter „Information“ firmiert.

Kommen wir also zu etwas Erbaulicherem: Freitag geht nach gefühlten 200 Jahren im Hauptabendprogramm das Forsthaus Falkenau in die letzte Staffel. Außerdem fällt Minuten später die sendeplatzübliche ARD-Romanze aus, wenngleich für ein Fußballspiel. Das entschädigt gewissermaßen im Voraus für den neuen Polizeiruf Magdeburg, der mit Claudia Michelsen und Sylvester Groth zwar hervorragendes Personal bereithält, dramaturgisch trotz Friedemann Fromms Regie allerdings hanebüchener Quatsch ist. Bleibt also noch der Tipp der Woche, heute: Nordlicht, das nächste Krimihighlight aus Dänemark, womit Arte ab Freitag um 21.45 Uhr abermals zeigt, warum skandinavische Serien einfach besser sind.

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zum preisgekrönten Animationsfilm Das fehlende Bild am Mittwoch

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