Inka Bause: Kuppelmutter & Ex-Talkerin

inkaBauern-Bause kann keinen Talk

Foto: ZDF/Brand New Media

Inka Bause war schon als Teenie ein Star. Geboren in Leipzig, kam sie mit 16 zum DDR-Fernsehen, nahm als Sängerin bis 1992 vier erfolgreiche Platten auf und wurde nach einer Dürreperiode 2005 von RTL für Bauer sucht Frau reanimiert. Seither ist die 44-Jährige ein Schwergewicht leichter Unterhaltung, hat auf dem Traumschiff gespielt, Abendshows moderiert, sogar eine Talkshow gelenkt. Bis Freitag – dann nimmt das ZDF inka! mangels Quote nach wenigen Wochen vom Sender. Zur Erinnerung eines Flops zeigen freitagsmedien ein Interview, das sie vorm Start gegeben hatte. Damals noch optimistisch.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Frau Bause, Hand aufs Herz – sind Sie eigentlich immer so nett wie im Fernsehen?

Inka Bause: Ich bin gar nicht immer nett. Denn von wem ist „nett“ die kleine Schwester?

Von Scheiße.

(lacht laut) Genau, ich kann das nicht mehr hören! Früher stand der Begriff auch im Fernsehen ja für irgendwie angenehme Unterhaltung; wenn heute jemand sagt, die Sendung sei nett gewesen, meint er eigentlich harmlos, artig und bieder. Das liegt vor allem daran, dass nur noch der Weltstar zählt und alles toller, größer, schärfer sein muss. Sobald man mal eine Stufe runter schaltet, werden die Leute seltsam nervös wie Fotografen, die kein Lächeln von mir wollen, sondern Strahlen. Unter gewaltig geht’s nicht mehr. Da passt nett nicht rein.

Also weder angenehm noch freundlich?

Schade oder? Dabei sollte man seinem Gegenüber zumindest in der Unterhaltung nicht sofort eine reinhauen. Ich bin einfach im Privaten wie im Job eine gute Gastgeberin und so erzogen, Unbekannten stets mit Respekt und Höflichkeit zu begegnen.

Heißt das, sie auch in der Talkshow nicht mit Kritik zu konfrontieren?

Konfrontieren ja, attackieren nein. Wenn etwas nicht stimmt, lasse ich mich nicht für blöd verkaufen und hake nach, aber mir geht es nicht darum, irgendwen vorzuführen. Wem das missfällt, sollte mich nicht einschalten.

Diese Haltung muss man sich in der quotenfixierten Fernsehwelt leisten können.

Mag sein, aber selbst in den zehn richtig dürren Jahren vor Bauer sucht Frau hab ich mich geweigert, Menschen mit der Kamera so auf die Pelle zu rücken, wie ich es selbst nicht wollen würde. Wenn mir jemand unvorbereitet zu nahe tritt, kann ich auch ganz anders als nett.

Heißt das, richtig wütend?

Ja klar, ich kann mich privat höllisch aufregen, über Kleinigkeiten genauso wie über Banker. Aber doch bitte nicht über meine Talkgäste am Nachmittag, geschweige denn meine Bauern. Das sind hart arbeitende, schlecht bezahlte, oft einsame Menschen; warum soll ich da für eine Tagesgage, die die vielleicht im Monat verdienen, mit einem Mercedes vorfahren und denen einen reindrücken? Das finde ich charakterlos. Wer allerdings mit den Milliarden anderer jongliert oder freiwillig für viel Geld in den Dschungel zieht, der muss sich auch Härte gefallen lassen.

Auch von Ihnen?

Nein, weil ich fürs Dschungelcamp die falsche Kandidatin wäre. Für Sonja Zietlows Kommentare fehlt mir jede Frechheit. Ich kann ja nicht mal lustige Kommentare zu Musikvideos oder die zehn tollsten Promiunfälle abgeben. Da werd ich schon gar nicht mehr gefragt.

Ist das die berüchtigte Ironiefreiheit, die Ihnen unterstellt wird?

Nee, mir fehlt einfach jeder Zynismus. Ich bilde mir ein, Humor zu haben und witzig sein zu können, selbst vor der Kamera, will aber nicht auf Kosten anderer unterhalten, dann schon lieber auf meine eigenen. Ich verkaufe mich gern blöder als ich bin, weil ich lieber unter- als überschätzt werde. Mit fehlender Eitelkeit macht man sich seine Gäste viel lockerer als mit Überheblichkeit.

Qualifiziert Sie das für eine Talkshow?

Nein, was mich qualifiziert, seit ich meine Moderationskarriere mit 17 Jahren live in der harten Schule des DDR-Jugendfernsehens begonnen habe, ist Kommunikation. Und warum bitte ist denn Bauer sucht Frau so viel erfolgreicher als all diese Trash-Sendungen, wo man arglose Leute niedermacht? Weil die Leute es mögen, dass ich nie böswillig bin.

Dennoch hat das Format hohen Fremdscham-Charakter.

Glaub ich nicht. Die wenigsten machen sich über meine Bauern lustig, die werden nicht alle gemocht, aber einige geradezu geliebt. Wenn es zu Fremdscham-Momenten kommt, liegt das oft eher an den Bauern selbst, die durchdrehen, wenn endlich mal jemand anderes als der Milchmann oder Melasse-Lieferant zum Kaffee kommt. Da ist es mein Job, sie oft stundenlang wie verängstige Kätzchen vorzubereiten. Diese Zuneigung spürt und mag das Publikum, sonst hätten nicht wir acht Millionen Zuschauer, sondern „Frauentausch“.

Sind Ihnen die unbekannten Gäste am Ende lieber als die berühmten?

Zumindest erzählen sie oft die spannenderen Geschichten. Aber ich habe bei meiner ersten Talkshow im Hessischen Rundfunk eine Lektion gelernt: Von denen, auf die man sich am dollsten freut, wird man auch mal enttäuscht. Deshalb gehe ich mit möglichst geringen Erwartungen in die Runde, so unvoreingenommen wie möglich. Was natürlich nicht immer leicht ist. Wenn jemand zur Tür reinkommt, hab ich auch oft schnell eine Meinung. Weil ich aber offen dafür bin, überrascht zu werden, negativ wie positiv, blockiert mich meine Voreingenommenheit nicht. Nichts ist langweiliger als bestätigte Vorurteile.

Und nun sind Sie die Nachfolgerin von Jürgen Fliege, dem letzten öffentlich-rechtlichen Nachmittagstalker.

Weeß ick.

Wissen Sie denn auch, was Sie mit dem gemeinsam haben?

Ich hoffe, nicht allzu viel.

Sie beide werden entweder geliebt gehasst.

Gut, denn dazwischen herrscht Langeweile. Gut, mir ist nicht egal, was die Leute über mich denken und ich glaube niemandem, der das für sich behauptet. Aber ich forciere diese Polarisierung nicht und ziehe es mir auch nicht mehr rein, google meinen Namen nicht oder lese die Foren zu meinen Sendungen. Das würde mir nur mein Lächeln nehmen, meine Naivität.

Noch so ein Begriff mit kleiner fieser Schwester…

Zu unrecht! Die kleine Schwester der Naivität ist nämlich nicht Blödheit, sondern die Offenheit, sich Dingen mit den Augen eines Kindes zu nähern und Gefühlen freien Lauf zu lassen, zu weinen, zu lachen. Das hab ich mir bewahrt.

Vorhin sagten Sie noch, sich über jemanden erstmal eine Meinung zu bilden, wenn er zur Tür reinkommt…

Ja, aber dazwischen liegt große Neugier und die Fähigkeit, nicht ständig Angst vor Fehlern zu haben. Das ist eine Form von Naivität, über die ich nach 30 Jahren im Beruf stolz bin. Manche würden sogar sagen, Blödheit – trotz großen Erfolgs am Abend zum Beispiel das Risiko Nachmittagstalk einzugehen. Aber ich finde Scheitern nicht schlimm. Natürlich hab ich ein bisschen Bammel, aber schlimmer ist doch, sich so verängstigen zu lassen, dass man kein Wagnis mehr eingeht, weil Bauern-Bause keinen Talk kann zum Beispiel.

Sucht Bauern-Bause also bewusst Formate mit dem Potenzial zum Scheitern?

Nein, ich versuche die Formate zu machen, die zu mir passen, und auch wenn ich bei der Sendezeit um 15.05 Uhr nicht gleich „Hurra“ gerufen habe. Wichtig ist, dass mir die Formate entsprechen. Denn eins weiß ich genau: Unterhalten kann ich, würde aber nicht neben Giovanni di Lorenzo passen.

Aber die Schönheit des Scheiterns beinhaltet doch, genau das dann zu versuchen?

Warum? Ich kann auch nicht Sportreporter. Man muss doch beherrschen, was man tut, das bin ich meinem Beruf wie dem Publikum schuldig. Und ich bin nun mal in einer Unterhaltungsfamilie groß geworden, in dem Umfeld kenne ich mich aus, ich habe ganz normale Freunde, bin so kommunikativ, dass ich über ein Gespräch mit meinem Postboten Termine vergesse, kann aber auch mit Prominenten umgehen, wenn Sie mich interessieren. Das ist meine Welt.

Warum waren Sie dann bloß bei Wetten, dass…? nicht in der Lostrommel?

War da nicht jeder Kabelträger irgendwann mal drin? Meine Tochter sagt ja immer: hätte hätte Fahrradkette. Ich find den Lanz da super, hab bereits genug zu tun, warum soll ich mir darum Gedanken machen. Ich habe den Erfolg, den ich habe, weil ich ihm nie nachgerannt bin, und wenn ich mir jetzt schon Kreuze im Kalender vom nächsten Jahr mache, bekäme ich sofort Vor-Burnout. Für jemanden, der wie ich mit 16 als Schlagersängerin eher durch Glück und mit etwas Vitamin B von meinem Vater Arndt zum Erfolg gekommen ist, zählt allein das heute. Vor einem Jahr hätte ich genauso wenig gedacht, eine Talkshow zu machen, wie es mal undenkbar war, aufs Traumschiff zu gehen.

Heißt das, Bauer sucht Frau kann auch jederzeit vorbei sein?

Das ist Privatfernsehen und läuft so lange wie es läuft.

Zumindest aber bis zum 10. Geburtstag 2014.

Je nachdem, wie es dieses Jahr funktioniert. Ich bin nicht der Typ fürs Festlegen.

Wenn Inka Bause in 30 Jahren mit ihren Enkeln am Kamin sitzt und das Leben Revue passieren lässt – als was sieht sie sich dann: Als Moderatorin, Sängerin, Showmasterin, Talkhost, Kuppelmutter?

Als glücklichen Menschen. Wenn morgen überall steht, dass Inka Bause die schlimmste Moderatorin von allen ist, würde ich übermorgen aufhören, aber ehrlich: Ich habe so viele Jahre so glücklich von so wenig Geld gelebt, da definiere ich mich sicher nicht über den Job.

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